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950 Jahre Erlöserkirche: Eine Gemeinde feiert ihre Kirche

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Von: Bettina Görlitzer

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Die feierliche Musik untermalte den festlichen Rahmen des Gottesdienstes zusätzlich. Unter der Gesamtleitung von Kantor Dmitri Grigoriev sangen und spielten von der Empore aus unter anderem die Heinrich-Schütz-Kantorei und Instrumental-Consort.
Die feierliche Musik untermalte den festlichen Rahmen des Gottesdienstes zusätzlich. Unter der Gesamtleitung von Kantor Dmitri Grigoriev sangen und spielten von der Empore aus unter anderem die Heinrich-Schütz-Kantorei und Instrumental-Consort. © Bettina Görlitzer

950 Jahre Erlöserkirche - das wurde in Lüdenscheid mit einem großen Festwochenende gefeiert. Nach der erfolgreichen Jugenddisco war die Resonanz auf das Familienfest am Samstag - wohl ferien- und feiertagsbedingt - eher verhalten. Den Abschluss bildete der Festgottesdienst mit anschließendem Empfang am Sonntag.

Lüdenscheid – Eine Kerze „in geschwisterlicher Verbundenheit“ von der katholischen Pfarrei St. Medardus, Schokolade in einer Verpackung mit einem Bild der Erlöserkirche, eine Tafel für jeden im Presbyterium, als „Nervennahrung“ vom Pfarrer der Christuskirche Rainer Gremmels: Geschenke mit Symbolcharakter gab es am Sonntag zum 950-jährigen Geburtstag der Erlöserkirche. Denn dass es schwierige Zeiten für Kirchen aller Konfessionen sind, kann auch durch ein solches Jubiläum nicht kaschiert werden. Dennoch – oder gerade deswegen – gab es ein großes Festwochenende, um Lüdenscheids ältestes Gebäude zu feiern, das dieses Gotteshaus ist – heute das der Evangelischen Versöhnungskirchengemeinde.

Den feierlichen Abschluss des Wochenendes bildeten der Festgottesdienst und der anschließende Empfang am Sonntag. Dabei drehte sich alles um die Kirche im Zentrum der Stadt. Zuvor hatte es bereits eine Jugenddisco am Freitag und ein Familienfest am Samstag gegeben. Am Freitag blieben die jungen Leute in der Jugendetage des Gemeindezentrums weitgehend unter sich. Die Disco wurde zur gelungenen Bewährungsprobe für den Nachwuchs des Jugendmitarbeiterteams im Alter von 14 bis 17 Jahren, der die gesamte Veranstaltung selbst organisiert hatte.

Nach dem Gottesdienst versammelten sich die Gäste im Gemeindezentrum.
Nach dem Gottesdienst versammelten sich die Gäste im Gemeindezentrum. © Bettina Görlitzer

Dass der Termin für den Höhepunkt des Jubiläumsjahres zum Auftakt der Herbstferien, zudem am langen Feiertagswochenende, offensichtlich nicht der günstigste war, zeigte sich dann aber am Samstag mit der verhaltenen Resonanz auf das Familienfest im Gemeindezentrum. Die Organisatoren vom Förderverein „Miteinander“ hätten sich deutlich mehr Besucher gewünscht. Insbesondere Familien mit Kindern glänzten trotz der Schmink- und Bastelstände der Kindergärten sowie Zuckerwatte- und Popcornmaschinen weitgehend durch Abwesenheit. Suppe, Kaffee und Kuchen sowie Zaubereien von Arnd Clever gab es trotzdem, eben für einen kleinen Kreis von Gästen und Mitarbeitern.

Sie leiteten den Gottesdienst: Superintendent Dr. Christof Grote sowie die beiden Gemeindepfarrer Jürgen Jerosch und Holger Reinhardt (von rechts).
Sie leiteten den Gottesdienst: Superintendent Dr. Christof Grote sowie die beiden Gemeindepfarrer Jürgen Jerosch und Holger Reinhardt (von rechts). © Bettina Görlitzer

Die Reihen der Ehrengäste am Sonntag waren urlaubsbedingt auch etwas gelichtet, aber einem feierlichen Festgottesdienst und dem Empfang mit Grußworten, die das 950-jährige Jubiläum des Kirchengebäudes mitten in der Stadt würdigten, stand das nicht entgegen. Die Predigt hielt in Vertretung für Präses Annette Kurschus, Ulf Schlüter, Theologischer Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen. Mit dem Predigttext aus dem Buch der Könige über den Bau des ersten Tempels in Jerusalem spannte er einen spannenden Bogen von dieser Zeit über den 950 Jahre alten Kirchturm und den 1826 eingeweihten Neubau des Kirchenschiffes, geplant vom Werdener Baumeister Engelbert Kleinhanz, bis zu den Herausforderungen der Gegenwart. Ein Bau benötige Planung, sagte Schlüter, aber im Leben sei nicht alles planbar.

Ulrich Schmalenbach überreichte eine Kerze.
Ulrich Schmalenbach überreichte eine Kerze. © Bettina Görlitzer

Dennoch sei das Streben nach perfekter Planung älter als 950 Jahre und habe im 21. Jahrhundert durch die technischen Möglichkeiten der Digitalisierung ganz neue Dimensionen erlangt. Trotzdem lasse sich nicht alles im Leben verfügbar machen, mahnte Schlüter. „Die Welt ist nicht so“. Sie komme plötzlich mit Corona um die Ecke oder mit einem Krieg mit einem „durchgedrehten Diktator“ oder einer Diagnose des eigenen Hausarztes: „Der Mensch ist der, der dazu neigt, es zu vermasseln“, so Schlüter. „Was das Leben kostbar macht, ist das, was wir nicht in der Hand haben.“ Deshalb sei es gut, dass es seit 950 beziehungsweise 196 Jahren dieses Haus gebe, „um unser unverfügbares Leben immer neu Gott anzuvertrauen“.

Was das Leben kostbar macht, ist das, was wir nicht in der Hand haben.

Ulf Schlüter, Kirche von Westfalen

Auch Superintendent Dr. Christof Grote, der den Gottesdienst gemeinsam mit den Gemeindepfarrern Holger Reinhardt und Jürgen Jerosch leitete, ging in seinem Grußwort auf diese Bedeutung der ältesten Kirche der Stadt als Ort der Verkündigung und des Bekenntnisses für die Menschen ein.

Am Ausgang gab es zwei Kollekten zur Auswahl: für die Turmsanierung und für Brot für die Welt.
Am Ausgang gab es zwei Kollekten zur Auswahl: für die Turmsanierung und für Brot für die Welt. © Bettina Görlitzer

Den festlichen Rahmen im Gottesdienst komplettierte die Musik, dargeboten von der Heinrich-Schütz-Kantorei und der Kantorei Halver, Instrumental-Consort und als Solisten Petra König-Gurian (Sopran), Johannes Gehring (Violine) und Irina Tseytlina aus Datteln (Orgel).

Ulf Schlüter predigte im Festgottesdienst.
Ulf Schlüter predigte im Festgottesdienst. © Bettina Görlitzer

Beim Empfang gab es dann weitere Grußworte. CDU-Ratsherr Norbert Adam sprang kurzfristig für den 1. stellvertretenden Bürgermeister Björn Weiß ein. Johannes Gehring sprach für die Musikschule der Stadt, die viele Verbindungen zur Erlöserkirche pflegt. Rainer Gremmels erinnerte daran, dass die Christuskirche von 120 Jahren am damaligen Stadtrand entstand, weil die Erlöserkirche zu klein geworden war. Markus Bühler, Pastor der freien Baptisten-Gemeinde der Friedenskirche, Ulrich Schmalenbach, Pastor in St. Medardus, sowie Irmtraut Huneke als Vorsitzende der evangelischen Allianz dokumentierten die enge ökumenische Verbundenheit in der Stadt.

Arnd Clever unterhielt die Gäste des Familienfestes mit seinen Zaubereien.
Arnd Clever unterhielt die Gäste des Familienfestes mit seinen Zaubereien. © Bettina Görlitzer

Erstmals präsentiert wurde zudem ein Geschenk, das sich die Versöhnungskirchengemeinde selbst gemacht hat: Ein Bildband über die Erlöserkirche, herausgegeben von Klaus-Ulrich Rüping. Passend zum Jubiläumsjahr kann dieser ab sofort für „950 Cent“ erworben werden.

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