71-Jährige in Not, aber Notarzt zu weit weg

LÜDENSCHEID ▪ Schlechte Erfahrungen mit dem neuen Notdienst hat Barbara Thullner gemacht. Zwar wurde ihre Notlage unter der neuen Notfallnummer freundlich aufgenommen und ein Weiterleiten zum entsprechenden Notarzt zugesichert. Doch der zuständige Mediziner schaffte es nicht. „Als ich den Anruf bekam, dass er nicht kommen könne, da er sich gerade in der Nähe von Drolshagen aufhalte, war ich entsetzt. Ich war doch ganz allein zuhause“, erinnert sich die 71-Jährige.

In der vergangenen Woche war sie am Donnerstagmorgens gegen 4.30 Uhr durch Herzrasen wach geworden und hatte die Notrufnummer angerufen, die, wie berichtet, in der Duisburger Zentrale eingeht. Von dort wird der zuständige Notarzt alarmiert, der sich dann, unterstützt vom Johanniter-Fahrdienst, auf den Weg macht. „Eine halbe Stunde später kam dann der Anruf. Ich sollte mich doch an meinen Hausarzt wenden, da bis 8 Uhr der Notarzt ohnehin nicht mehr eintreffen könne. Sollte sich mein Zustand nicht bessern oder verschlechtern, sollte ich die Feuerwehr anrufen. Glücklicherweise ließ mein Herzrasen etwas nach und ich fuhr dann, als mein Hausarzt öffnete, mit großer Angst zu ihm“, schildert Barbara Thullner. Es sei das erste Mal gewesen, dass es ihr so schlecht gegangen sei und sie habe nicht gleich ins Krankenhaus gewollt. Inzwischen gehe es ihr nach entsprechend medikamentöser Einstellung wieder besser. „Grundsätzlich frage ich mich aber schon, ob das die richtige Art und Weise ist, mit alten, in Not befindlichen Menschen umzugehen“, kritisiert sie den neuen Notdienst. Wie berichtet, gibt es gut zwei Wochen nach der Umstrukturierung des Notdienstes immer noch Probleme bei der Koordination. In dem Fall von Barbara Thullner wäre bei aller Angst vor dem Krankenhaus die Wahl der Notrufnummer 112 die sinnvollste Alternative gewesen

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