70-Jähriger klagt an - Klärte Lüdenscheider Facharzt nur unzureichend auf?

LÜDENSCHEID - Über die Schadensersatzforderung eines heute 70-jährigen Mannes aus Halver gegen einen Lüdenscheider Facharzt verhandelte am Donnerstag die 6. Zivilkammer des Landgerichts Hagen.

Vor der strittigen Operation sei sein Vater auch schon mal von Kierspe nach Oberbrügge gewandert, berichtete der Sohn des Klägers und machte damit drastisch deutlich, wie sehr die Rückenoperation im März 2006 das Leben seines Vaters verändert hatte. Wegen Beschwerden in der rechten Flanke landete er als Patient bei einem Lüdenscheider Facharzt, der eine altersbedingte Wirbelkanalverengung diagnostizierte. Die Folgen der Operation waren verheerend: Bis heute habe er starke Taubgefühlsgefühle im Unterleib und in den Beinen, berichtete der 70-Jährige – mit gravierenden Folgen für die in diesem Bereich angesiedelten Lebensfunktionen.

„Hätte ich gewusst, dass es eine so schwierige Operation werden würde, hätte ich das gar nicht machen lassen“, bedauerte der Kläger seine Naivität. Der Facharzt habe die Risiken der Operation heruntergespielt. Strittig war, inwieweit der Facharzt zugunsten einer Operation andere Behandlungsmöglichkeiten ignoriert hatte. „Der Arzt hat sich die Anamnese so zurechtgelegt, wie er sie brauchte“, sagte Dirk Denker, Anwalt des Klägers. Der beklagte Arzt war gar nicht erst erschienen. Er hatte aber einen Anwalt geschickt, der sich über sein Fehlen wunderte. „Es ist ja in seinem Interesse zu kommen. Er muss zur Aufklärung beitragen“, erklärte Richter Dr. Hofmann. „Wir gehen von einem Aufklärungsfehler seitens des Arztes (hinsichtlich der Risiken des Eingriffs) aus“, sagte er nach der Verhandlung und schlug angesichts der erheblichen gesundheitlichen Folgen für den Kläger eine Entschädigungszahlung von 40 000 Euro an den Kläger vor. Diese Summe müsste allerdings nicht er, sondern seine Arzthaftpflichtversicherung bezahlen. - thk

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