70-jähriger Fälscher aufgeflogen

LÜDENSCHEID ▪ Die Polizei ist einem professionellen Fälscher aus Lüdenscheid auf die Schliche gekommen. Der heute 70-Jährige hat nach letzten Erkenntnissen 104 Mal Tüv-Prüfberichte, Stempel und Fahrzeugscheine hergestellt und für durchschnittlich 100 Euro pro Auftrag verkauft.

Als „Begleitkriminalität“ bezeichnete der führende Ermittler Norbert Pippa außerdem den Diebstahl von nahezu 60 Kfz-Kennzeichen. „Aber wir sehen hier vermutlich nur die Spitze des Eisberges.“ Weil der Beschuldigte – er hat ein Teilgeständnis abgelegt – in Gaststätten und Imbissbuden immer wieder seine Dienste angeboten hat, sind die Fahnder ihm über geprellte Kunden „auf die Pelle“ gerückt. Bei Durchsuchungen fanden die Polizisten einen Farbkopierer, reichlich Fälschungen und stapelweise Nummernschilder – und in fünf angemieteten Garagen und Lagerhallen 20 alte Autos und „allerlei Unrat“, wie Pippa sagte.

Zu den Abnehmern der illegalen Papiere gehörten Autobesitzer, die befürchteten, dass ihre Karosse die Tüv-Prüfung nicht bestehen wird. Sie sparten sich den Weg zur Hauptuntersuchung, gaben ihren Fahrzeugschein an den Fälscher ab und erhielten ihn zwei Tage später „frisch aus der Druckerpresse“ zurück. So war es ihnen möglich, ihren schrottreifen Wagen „für 1500 statt 100 Euro“ zu verkaufen.

Die Betrogenen sind die Käufer. Denn wenn sie ihren Wagen beim Straßenverkehrsamt ummelden wollen, erkennen geschulte Mitarbeiter dort die Fälschung, ziehen den Schein ein – und Versicherungsschutz, Zulassung und Papiere sind weg. Und zu allem Überdruss erstattet die Polizei Strafanzeige wegen Betruges. Klärt sich die Sache auf, sind sie allerdings nur noch Zeugen. Auf den Haupttäter wartet eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren, erklärte dazu Kriminalhauptkommissar Oliver Petrosch. „Das ist kein Kavaliersdelikt.“

Die Kripo appelliert an zweifelnde Autobesitzer, ihre Papiere überprüfen zu lassen. Eine Selbstanzeige, so Petrosch, bringe eine „Strafmilderung bis hin zur Einstellung des Verfahrens“.

Der 70-Jährige hatte in Meinerzhagen einen Komplizen. Der sei aber inzwischen verstorben, sagte Norbert Pippa. „Übrigens eines natürlichen Todes.“

Olaf Moos

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare