52-jähriger Exhibitionist streitet Tat ab

LÜDENSCHEID ▪ Nein, er ist in dieser Hinsicht kein unbeschriebenes Blatt. Da war schon mal was, 2006, mit einem Mädchen, das er innig umarmt und hinterher mit 20 Euro „beglückt“ hat. Das verfahren wegen sexueller Nötigung wurde damals eingestellt.

„Aber das hängt ihm nach“, sagt Rechtsanwalt Lothar Mund über seinen Mandanten (52). Und jetzt schon wieder ein Vorwurf, wieder von einem Mädchen, heute 14 Jahre jung.

Dem Mädchen soll er sich im Sommer auf der Straße mit offener Hose gezeigt und „Willst du mich mal anfassen?“ gerufen haben.

Kurz nach dem mutmaßlichen Vorfall kam das Mädchen, das Prospekte ausgetragen hatte, mit seiner Mutter zum Angeklagten zurück, um ihn zur Rede zu stellen. Die Anzeige folgte auf dem Fuß. Für den Produktmanager, Vater dreier erwachsener Kinder, sind die Anschuldigungen „eine Katastrophe“, wie Verteidiger Mund sagt.

„Es ist nichts vorgefallen“, beteuert der Angeklagte. Ja, er sei dem Mädchen begegnet, habe sich einen Prospekt geben lassen, aber „nichts obszönes gesagt oder gezeigt“. Strafrichter Peter Alte bleibt freundlich. „Wenn das so ist, wie Sie sagen, dann frage ich mich, wie kommt denn ein 13-jähriges Mädchen dazu, sich so was auszudenken, mit der Mutter zu Ihnen zurückzukehren und die Aussage später bei der Polizei zu wiederholen?“ Der Angeklagte: „Ich weiß nicht, wie sie auf diese Schnapsidee kommt.“ Rechtsanwalt Mund wagt einen zaghaften Erklärungsversuch. „Vielleicht war die Hose ja unabsichtlich geöffnet.“ Sein Mandant winkt ab. „Dann hätte mich bestimmt jemand darauf angesprochen.“ Immerhin sei sein Haus an diesem Tag voller Gäste gewesen. Die saßen auf der Terrasse, die fragliche Stelle, an der es zu der Straftat gekommen sein soll, „war von dort aus voll einsehbar“, wie der Verteidiger betont.

Die 14-Jährige ist als Zeugin geladen und wartet mit ihrer Mutter in der Wachtmeisterei des Gerichts auf ihren Aufruf. Dazu kommt es aber nicht. Denn Oberstaatsanwalt Wolfgang Rahmer wechselt den Kurs und stellt erfolgreich zwei Anträge. Polizisten sollen den angeblichen Tatort fotografieren, und eine Expertin soll ein aussagepsychologisches Gutachten erstellen, um die Glaubwürdigkeit der jungen Belastungszeugin einschätzen zu können.

Das wird dann ein Fall für das Jugendschöffengericht, das als Jugendschutzgericht zusammentritt und den Fall neu aufrollen wird. Dabei soll das Mädchen als Zeugin aussagen und dem Angeklagten gegenübertreten – unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Olaf Moos

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare