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A45-Sperrung: „Letztes Glied in der Fresskette“

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Von: Thomas Machatzke

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Wenn sich die Ausschüsse oder der Rat der Stadt treffen, dann gibt es schon mal erbitterten Streit in der Sache. Doch wenn es dieser Tage um die A45-Sperrung geht, dann wird aus der sonst so heterogenen Gruppe von Kommunalpolitikern eine Art Schicksalsgemeinschaft, die an einem Strang zieht.

Lüdenscheid – Deutlich wurde dies wieder am Montag im Haupt- und Finanzausschuss, der einen spontanen Antrag von FDP-Ratsherr Jens Holzrichter anstandslos durchwinkte: Alle Anträge aus den Fraktionen, die sich mit dem A45-Thema beschäftigen und Kritik oder Ideen für Verbesserungen beinhalten, wurden nicht mehr diskutiert, sondern en bloc zur Prüfung der Verwaltung weitergegeben. Und Ideen und Anträge hatte es aus den verschiedenen Fraktionen einige gegeben (wir berichteten).

Nina Niggemann-Schulte, die sich in der Verwaltung seit Anfang Dezember mit nichts anderem als der Sperrung und deren Folgen befasst, hatte dem Ausschuss einen Lagebericht mitgebracht. „Wenn von den 65 000 Pkw nun 60 bis 70 Prozent umgeleitet werden, haben wir noch immer 20 000 Kraftfahrzeuge am Tag in der Stadt“, stellte sie fest, „der Lkw-Anteil liegt bei 6000. Das sind enorme Massen, die sich über die Stadt ergießen.“

Gerade bei den Lkw will die Stadt weiter für eine Reduzierung sorgen. Nur 1500 Lkw hätten wirklich Ziele in der Stadt, erläuterte Niggemann-Schulte, deshalb müsse es das Ziel, die übrigen mehr als 4000 Lkw aus der Stadt herauszuhalten. Die Maßnahmen? Umleitungen, Wegweisungen und Signalanlagen optimieren. Nachhaltiger zu den Navigations-Dienstleistern vordringen. Auch Hinweisschilder an den Ausfahrten, die Navigation auszuschalten und den Umleitungsschildern zu folgen, haben andernorts Erfolge gezeitigt und Wohngebiete entlastet. Die Botschaft ist klar: Die Stadt will keinen Durchgangsverkehr, gerade im Lkw-Bereich. Anlieger-frei-Lösungen für Lkw und auch generell brachte Niggemann-Schulte ins Gespräch. Sehr weiträumig. Daneben stehe die Stadt im Austausch mit Straßen.NRW zum Baustellen-Management und mit der Bahn AG, um den Schienenverkehr im Volmetal wieder schnell zu reaktieren. „Ein bunter Strauß an Maßnahmen“ nannte Niggemann-Schulte das alles: „Es geht um die strukturelle Zukunftsfähigkeit der kritischen Infrastruktur in der Stadt.“

Bürgermeister Sebastian Wagemeyer ging noch einen Schritt weiter: „Es geht um die Zukunftsfähigkeit einer ganzen Stadt und Region. Es hilft uns nichts, wenn uns viele Menschen verlassen, weil sie diesen Verkehr nicht mehr wollen. Wir sind es den Bürgern schuldig, alles zu tun, um die Lkw-Situation, um die Nicht-Zielfahrzeuge zu verbessern.“ Wagemeyer machte seinem Unmut nach sieben Wochen im Modus einer „Operation am offenen Herzen“ Luft: „Egal von welcher Ebene: Es ist wenig Unterstützung zurückgekommen.“ Der Bürgermeister nannte zum Beispiel den am 13. Dezember eingereichten Antrag zur Anmeldung und Erfassung von Kennzeichen von Lkw, die ein Ziel in der Stadt haben. Über diese Möglichkeit hätte eine entsprechende Überprüfung der Lkw stattfinden können. Die Stadt aber hat bis jetzt keine Antwort auf ihren Antrag. Auch die beim Innenministerium beantragte Verstärkung für die Polizei sei ausgeblieben, so Wagemeyer. Verstärkung, mit der es möglich wäre, den Verkehr zu überwachen und zum Beispiel an der Abfahrt Lüdenscheid Nord direkt die Lkw herauszufiltern, die kein Ziel in der Stadt haben, und sie entsprechend wieder zurückzuschicken.

Wagemeyer beklagte auch, dass vieles durch die Abstimmung mit Straßen.NRW viel Zeit benötige und benannte als Beispiel die abknickende Vorfahrt an der Umleitungsstrecke Im Grund, die durch ein Lichtsignal abgelöst werden solle. Oder auch die Reaktivierung der Bahnstrecke. „Wir sind das letzte Glied in der Fresskette. Das ist oft sehr unbefriedigend“, konstatierte der Bürgermeister auch mit Blick auf die viele Gespräche, die ohne Lüdenscheider Beteiligung stattfinden.

Netzwerken, jeder mit seinen eigenen Verbindungen, um die Unbill der Zeit für Bürger, Unternehmen und Handel abzufedern – es war einer der Ansätze, die die Ausschussrunde danach als Konsens ausmachte. Die CDU hatte die Ampel-Parteien aufgefordert, ihre „Handynummern zu Verantwortungsträgern in Berlin“ zu nutzen. „Wir müssen unsere Landtags- und Bundestagspolitiker nerven, müssen Alarm machen“, forderte auch der Grünen-Fraktionsvorsitzende Andreas Stach – eine Art Wagenburg-Mentalität der Kommunalpolitiker-Kaste. Not schweißt zusammen. Und sei es die Not, die eine Autobahn-Sperrung verursacht.

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