Plädoyers 

44-Jährige erwürgt:  Staatsanwältin spricht von Mord - und fordert diese Strafe

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Symbolbild 

Lüdenscheid  – Eine 44-jährige Lüdenscheiderin öffnete mitten in der Nacht arglos die Tür. Am nächsten Morgen war sie tot. Der Täter soll lebenslang hinter Gittern. Das fordert die Staatsanwältin.

Im Prozess gegen einen 40-jährigen Lüdenscheider hat Staatsanwältin Sandra Ley am Donnerstag eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes beantragt: Der Angeklagte habe aus niederen Beweggründen gehandelt, als er das 44-jährige Opfer am 25. Februar in dessen Wohnung erwürgte.

Verteidiger Dirk Löber wies diese Bewertung zurück: Die Tat weise keines der für eine Verurteilung wegen Mordes nötigen Merkmale auf. „Die Geschädigte ist zu Tode gekommen, und wahrscheinlich war der Angeklagte dabei zugegen“, fasste er das Geschehen zusammen. „Mehr können wir hier nicht feststellen.“ 

Was in der Tatnacht geschehen sei, lasse sich in keiner Weise feststellen. Die Kammer müsse deshalb auch prüfen, ob möglicherweise „nur“ eine Verurteilung des Angeklagten wegen einer Körperverletzung mit Todesfolge infrage komme. „Alles spricht für eine Spontantat, die aus dem Affekt heraus begangen wurde.“

Für die Staatsanwältin war es vor allem das „verwerfliche“ Verhalten des Angeklagten nach der Tat, das eine Verurteilung wegen Mordes nahelege. In einem Telefongespräch nach ihrem Tod habe er seinen angeblichen Sexualkontakt mit dem Opfer „wie einen Triumph“ gefeiert und seinen angeblichen Nebenbuhler mit Fragen nach dessen sexueller Beziehung zur Getöteten gequält. 

„Selbst zu diesem Zeitpunkt wollte er noch wissen, ob die beiden Sex miteinander gehabt hatten.“ Legitime Ansprüche auf Treue habe der Angeklagte nicht gehabt, weil es zwischen ihm und der später Getöteten zu keinem Zeitpunkt zu einer Beziehung gekommen war. Sie sei dazu definitiv nicht bereit gewesen. Das hielt den Angeklagten nicht davon ab, der 44-Jährigen auf vielfache Weise nachzustellen und noch in der Tatnacht zu beteuern, wie sehr er sie liebe.

Erst gab es zwei nächtliche Begegnungen mit seinem angeblichen Nebenbuhler in ihrer Wohnung. Nach dessen Abgang habe das Opfer dem Angeklagten später in der Nacht selber die Türe geöffnet – arglos, weil die Getötete offenbar keine Angst vor dem Angeklagten hatte. Vermutlich sei es dann zum Streit gekommen, in dessen handgreiflichem Verlauf die 44-Jährige auf den Boden fiel. An einer Schraube, die aus dem Bodenbelag herausragte, riss sie sich eine Platzwunde an ihrem Hinterkopf. 

An dem folgenden Geschehen hatte die Staatsanwältin keinerlei Zweifel: „Er hat sie durch Erwürgen umgebracht.“ Gestützt wurde diese Feststellung durch ein DNA-Gutachten, das Erbsubstanz an Hals und Händen der Getöteten dem Angeklagten zuordnete. Die Staatsanwältin schloss sich auch der Auffassung der Richter an, dass die Aussagen des Angeklagten bei der Polizei verwertbar seien: „Er hat selber eingeräumt, sie getötet zu haben.“

Das Urteil soll am Dienstag ab 10 Uhr im Schwurgerichtssaal des Landgerichts verkündet werden.

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