Auf der Suche nach 300 Gramm Gold

LÜDENSCHEID ▪ Der Verbleib von 300 Gramm Gold beschäftigt seit Dienstag das Amtsgericht Lüdenscheid. Ein 38-jähriger Lüdenscheider muss sich wegen Unterschlagung verantworten. Der Mitarbeiter eines zahntechnischen Labors soll die Briefsendung eines Versandunternehmens für Zahngold an sich genommen und nicht an seinen Arbeitgeber weitergegeben haben.

Es gab allerdings noch weitere Stationen des Goldes, an denen es hätte hängen bleiben können.

Einigermaßen klar ist: Am 24. Juni 2011 bestellte ein Unbekannter, der sich als Mitarbeiter des zahntechnischen Labors ausgab, bei einem Zahngoldunternehmen in Dinslaken Ware im Wert von 16 000 Euro. Ungewöhnlicherweise traf das Päckchen wie geplant am darauffolgenden Samstag in Lüdenscheid ein. Da war niemand im Zahnlabor, doch im benachbarten Friseursalon herrschte Hochbetrieb. Also gab der Paketbote – höchstwahrscheinlich – zwischen einem und vier oder fünf kleinen Päckchen in dem Salon ab. Drei Zeugen aus dem Friseursalon berichteten übereinstimmend, dass die Schwester des Chefs an jenem Samstag in der Tat ein Päckchen für die Zahntechniker entgegengenommen und noch am gleichen Tag an den persönlich bekannten 38-Jährigen weitergegeben habe. Überraschenderweise habe dieser sich zum ersten Mal an einem Samstag im Friseursalon aufgehalten und das Päckchen also mitgenommen.

Dies aber bestritt der Angeklagte vehement: Er benannte Zeugen, die vor Gericht unisono und mit präzisen Zeitangaben versicherten, dass er mit ihnen an besagtem Samstag ein Frühstück eingenommen habe. „Wie erklären Sie sich das eigentlich alles?“, fragte Richter Andreas Lyra den Angeklagten, der um eine Antwort nicht verlegen war: „Dass die (Mitarbeiter des Salons) mich beschuldigen? Irgendeinen müssen die ja finden.“

Der Chef des Labors stärkte seinem Mitarbeiter den Rücken: „Das Verhältnis ist sehr gut. Ich habe bedingungsloses Vertrauen zu ihm.“ Gleichzeitig machte er deutlich, dass er den Mitarbeitern des Friseursalons eine Unterschlagung des Goldes unterstellt. Vor Gericht räumte er ein, in Schubladen des Salons gekramt zu haben, um das Päckchen wiederzufinden. Später gab es sogar eine Krisensitzung mit heruntergelassenen Jalousien zur Klärung der Angelegenheit: „Wir waren alle ziemlich aufgebracht. Das muss niemand sehen, dass die Leute sich kloppen.“

Der Prozess wird am 21. September um 11.30 Uhr fortgeführt. ▪ Thomas Krumm

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