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Klinik-Dienstleister Widi braucht mehr Eigenkapital - Kreis prüft Rettungs-Optionen

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Von: Jan Schmitz

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Klinikum Lüdenscheid Corona Widi
Die Märkischen Kliniken würden die Auswirkungen einer Widi-Pleite unmittelbar zu spüren bekommen. © Henrik Wiemer

Die Uhr für die Widi Wirtschaftsdienste Hellersen GmbH tickt. Schon im Februar droht der in Schieflage geratenen kreiseigenen Gesellschaft das Aus. Mit einer konzertierten Aktion versuchen Märkischer Kreis und die Konzernmutter, die Märkische Gesundheitsholding, das Unternehmen doch noch in letzter Minute zu retten. Eine Mission, die nach Ansicht aller Beteiligten nicht scheitern darf.

Lüdenscheid – Die Widi ist wichtigster Dienstleister der Märkischen Kliniken im Bereich Wäsche, Steril- und OP-Zubehör und damit auch Garant für eine reibungslose medizinische Versorgung an den Standorten Lüdenscheid und Werdohl. Ein Aus der Widi mit ihren etwa 300 Beschäftigten wäre gleich in mehrfacher Hinsicht ein Schlag für den Gesundheitsstandort Lüdenscheid. In einem umkämpften Markt gäbe es kaum Kapazitäten, um den Bedarf des Klinikums auf die Schnelle zu bedienen. Zudem müsste der Märkische Kreis als Gesellschafter für die Kosten der betrieblichen Altersversorgung der Mitarbeiter aufkommen.

Der Märkische Kreis bestätigte auf Anfrage lediglich, dass es derzeit Überlegungen und Prüfungen zur Rettung der Widi gibt, die sich laut Kreissprecher Alexander Bange „in der Tat in einer angespannten wirtschaftlichen Situation“ befindet. Nähere Auskünfte könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht geben, „da es sich um einen noch nicht final abgeschlossenen Prüfungsprozess handelt. Hierbei werden selbstverständlich die verschiedenen rechtlichen Aspekte – insbesondere auch die Aspekte des europäischen Beihilferechtes – geprüft“.

Nach Informationen unserer Zeitung ergibt sich die Bestandsgefährdung der Widi vor allem durch ein viel zu niedriges Eigenkapital. Eine direkte Finanzspritze aus dem Kreis-Haushalt und damit aus Steuermitteln ist nicht ohne Weiteres möglich. Dabei ist der zeitliche Druck groß. Der 2019 angestoßene Sanierungsprozess sieht unter anderem ein abschließendes Sanierungsgutachten vor, das bis Ende Januar 2022 vorliegen muss. Darin muss ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen die positive Fortführungsprognose aus dem Jahr 2019 erneuern. Tut es das nicht, droht der Widi das sofortige Aus.

Die Wirtschaftsprüferin hat deutlich gemacht, dass das vorhandene Eigenkapital für eine positive Zukunftsprognose zu niedrig ist. Im Geschäftsbericht 2020 der Märkischen Gesundheitsholding heißt es dazu: „Maßgebend ist, dass mit dem Sanierungsgutachten die positive Fortführungsprognose festgestellt werden kann und die Gesellschaft neben dem Zugriff auf ausreichend Liquidität durch die Herstellung des erforderlichen Eigenkapitals in die Lage versetzt wird, den Sanierungsprozess kontinuierlich zu verfolgen.“ Ein Wegfall der Widi hätte temporäre Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit insbesondere der Märkischen Kliniken GmbH.

Seit 2019 hat die Geschäftsführung mit einer Fülle von Maßnahmen versucht, die Widi wieder auf Kurs zu bringen – unter anderem mit Personalabbau. Die Folgen der Corona-Pandemie und eine schwierige Wettbewerbssituation sorgten aber dafür, dass die eigentlichen Sanierungsziele nicht erreicht werden konnten. Die Widi machte 2020 Verlust statt Gewinn. Mit Hilfe von Kreis- und Gesellschafterdarlehen wurde zumindest der laufende Betrieb in der Pandemie gesichert.

Die Rettung liegt jetzt in den Händen der Politik. Erste konkrete Ideen von Landrat Marco Voge und Kämmerer Kai Elsweier werden in den nächsten Tagen in die Kreistagsfraktionen getragen und dort beraten. Eine Entscheidung soll noch in der Kreistagssitzung Anfang Dezember fallen – und damit vor Fertigstellung des alles entscheidenden Sanierungsgutachtens.

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