28-Jähriger wegen Prügelattacken auf Freundin verurteilt

LÜDENSCHEID - Es war noch nicht der letzte Akt eines Beziehungsdramas, der sich gestern vor dem Lüdenscheider Amtsgericht abspielte. Ein 28-Jähriger wurde wegen Körperverletzung in drei Fällen, einer davon schwer, zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Das Gericht unter Vorsitz von Amtsrichter Thomas Kabus sah es als erwiesen an, dass der Mann seine ehemalige Lebensgefährtin wiederholt verprügelt hat, das letzte Mal am 18. März. Da waren die Verletzungen so schwer, dass die 22-Jährige sich in die Wohnung einer Nachbarin rettete und in ärztliche Behandlung begab.

Die Beziehung der beiden dauerte gerade einmal ein halbes Jahr. Fast von Beginn an prägten der starke Alkoholkonsum des Mannes und daraus resultierende Eifersuchtsszenen, die mindestens drei Mal in heftigen Schlägen und Tritten endeten, das Zusammenleben der beiden. So schilderte es die 22-Jährige in ihrer Zeugenaussage, die auch Verteidiger Jörg Luckas als glaubhaft einstufte. Konkret war in der Anklage von drei Fällen die Rede – im Dezember, im Februar und eben im März.

Sein Mandant verzichtete weitgehend darauf, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Lediglich zur finalen Prügelattacke im März, die durch den Aufenthalt der Frau in der Werdohler Stadtklinik und die Anzeige bei der Polizei dokumentiert ist, sagte der Angeklagte aus. Er gab zu, innerhalb einer Stunde eine Flasche Korn getrunken zu haben, an weiteres erinnere er sich nicht genau. Dass er die 22-jährige geschlagen hat, stimme. Aber er habe nicht getreten – „das tue ich nicht“. Luckas plädierte in Bezug auf die beiden anderen Vorfälle für einen Freispruch und forderte, den dritten Anklagepunkt als einfache Körperverletzung zu werten und mit einer Freiheitsstrafe von nicht mehr als sechs Monaten zur Bewährung zu ahnden.

Die Staatsanwältin verwies auf das „Martyrium“, unter dessen körperlichen und seelischen Folgen die junge Frau immer noch leide. Sie habe nachvollziehbar erklären können, warum sie nach den ersten Angriffen weder einen Arzt aufgesucht noch jemanden um Hilfe gebeten habe: Sie sei naiv und verliebt gewesen und habe geglaubt, ihr Freund ändere sich. Die Staatsanwaltschaft forderte für zwei einfache und eine schwere Körperverletzung eine Gesamtstrafe von zwei Jahren – ohne Bewährung.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Sollten beide Parteien auf Rechtsmittel verzichten, heißt das trotz Bewährungsstrafe nicht, dass der 28-Jährige aus der U-Haft entlassen wird. Es laufen noch Ermittlungen wegen Vergewaltigung. Am 24. September soll ein weiterer Prozess gegen ihn vor dem Landgericht in Hagen beginnen.

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