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25 Jahre im Forum am Sternplatz, dann am „Knapp“: Nun hört der Meister auf

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Von: Olaf Moos

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Schuhmacher-Meister Fietz an der Maschine
Kittel, Schürze und die blaue Schirmmütze – das sind seit Jahrzehnten die Markenzeichen des Schusters Werner Fietz. © Olaf Moos

Der Lüdenscheider Schuhmacher-Meister Werner Fietz geht Ende des Monats in den wohl verdienten Ruhestand - mit 79 Jahren.

Lüdenscheid - Die „Hardo“, stattliche 35 Jahre alt und der „Mercedes unter den Maschinen“, ist schon verkauft – der neue Besitzer holt sie in einer Woche ab. Der ganze Rest ist noch zu haben. „Wenn das keiner kauft, muss alles zum STL“, sagt der Schuhmacher-Meister – und wirkt etwas traurig. Am 30. November endet am „Knapp“ eine Ära. Werner Fietz (79) packt seine Sachen.

Nach 40 Jahren Selbstständigkeit, davon 25 Jahre als „letzter Mohikaner“ im zuletzt verlassenen Forum am Sternplatz, fällt es dem aus dem oberschlesischen Klausberg stammenden Handwerker hörbar schwer, über das letzte Kapitel eines langen Arbeitslebens zu sprechen. „Die Kunden werden mir fehlen“, sagt er leise, „die Kontakte mit Leuten von der Straße“.

Wie viele Schuhe und Stiefel er auf Vordermann gebracht hat, wie viele Schlüssel er geschliffen oder Klingelschilder er graviert hat – das lässt sich nicht zählen. Im März vergangenen Jahres nagelte er seinen Goldenen Meisterbrief in seiner Werkstatt an die Wand und dachte noch nicht ans Aufhören. „Es macht doch noch Spaß“, sagte er. Doch die Corona-Pandemie verhagelte ihm die gute Laune. „Der Umsatz stimmte nicht mehr.“

Während die Geschäfte um ihn herum im Lockdown eine Zwangspause einlegten, durfte der Handwerker seinen kleinen Laden weiter betreiben. „Aber es kam ja kaum noch jemand, ich habe ein halbes Jahr lang nichts verdient.“ Staatliche Hilfe ermöglichte es ihm, die Miete weiter zu bezahlen. Der Spaß blieb auf der Strecke.

Es gibt auch positive Seiten an der Geschichte. „Meine Frau freut sich, dass ich endlich aufhöre. Die ist deshalb ja schon seit zwei Jahren an mir dran.“ Und leichter ist es mit zunehmendem Alter auch nicht geworden.

Der Meister lächelt verschmitzt. „Eigentlich geht es mir ja gut, ich habe nur ein bisschen Knochenschmerzen – vor allem, wenn ich mich mal irgendwo gestoßen habe.“ Das tue länger weh als früher. Und wenn er bald nur noch zu Hause ist, sagt Werner Fietz, habe er auch mehr Zeit, sich um den Garten zu kümmern. „Nach dem Heckenschneiden muss ich mich inzwischen zwei Tage lang ausruhen.“

Nun geht es ans Abwickeln – unwiderruflich. In einer Woche kommt der Käufer seiner „Hardo“, ein Orthopädie-Schuhmacher „irgendwo zwischen Kassel und Paderborn“, mit einem Lkw vorbei. „Ich gehe mit Herzschmerz, aber auch mit einem Lachen“, sagt der Meister, während er einer Frau einen Schlüssel zurecht feilt. „Ich will allen Kunden herzlich danken.“ Und die sollen bloß nicht vergessen, rechtzeitig ihre Schuhe abzuholen.

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