22-Jähriger Kiffer ohne Bewährung verurteilt

LÜDENSCHEID ▪ „Kiffen macht gleichgültig!“ – „Ja und? Mir doch egal!“ Der – freilich erfundene – kurze Dialog ist symptomatisch für die Drogenkarriere, die ein Lüdenscheider (22) bislang hingelegt hat. Jetzt hat ihm das Schöffengericht dafür die Quittung ausgestellt. Zwei Jahre und drei Monate wegen gewerbsmäßigen Handels mit Marihuana in vier Fällen sowie unerlaubten Erwerbs von Amphetamin in nicht geringer Menge.

Und weil das Jugendschöffengericht dem Dealer im Sommer ‘12 schon ein Jahr mit Bewährung verpasst hat, wegen 180-fachen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz, drohen ihm nun der Widerruf der Bewährung und ein Jahr Knast obendrein. Der Vorsitzende Richter Jürgen Leichter ermahnte den Verurteilten mit deutlichen Worten. „Was Sie brauchen, ist eine stationäre Therapie, sonst wird das nichts mehr.“

Immerhin legt der Arbeitslose ein umfassendes Geständnis ab. Er nennt den Namen eines Verkäufers – ein Brügger ungarischer Herkunft, gegen den bereits ermittelt wird – und auch den Vornamen eines weiteren Dealers. Er beteuert, jetzt endlich dringend eine Therapie angehen zu wollen und eine Berufsausbildung anzustreben. „Tischler würde mir gefallen.“

Aber die Tür bleibt zu. Der Staatsanwalt sieht „noch nicht einmal ansatzweise“ eine positive Sozialprognose. Mit dem erneuten Abrutschen ins Milieu sei zu rechnen, sagt er. Er spricht von einer „massiven ausgeprägten Sucht“. Der Angeklagte hat zuletzt nach eigenen Angaben vier bis fünf Gramm Marihuana und ein Gramm Amphetamin konsumiert – pro Tag. Und auch die laut Ankläger „rasante Rückfallgeschwindigkeit“ steht einer allerletzten Chance im Wege. „Das Jugendschöffengericht hat den Angeklagten sicherlich mit den richtigen mahnenden Worten entlassen.“ Beeindruckt habe ihn die Bewährungsstrafe aber wohl nicht, sagt auch Richter Leichter.

Bei der Durchsuchung einer Wohnung, in der der Lüdenscheider mit einem Kumpel hauste, haben Polizisten nicht nur knapp 200 Gramm „Gras“ und eine Handvoll Amphetamin gefunden. Offenbar war der 22-Jährige gerade im Begriff, eine eigene Plantage für die Marihuana-Zucht anzulegen. Pflanztöpfe, Lampen, Bewässerungs-Apparaturen, Anzuchtballen und Waagen wanderten in die Asservatenkammer der Justiz.

Das war einen Monat nach dem Urteil des Jugendrichters. Der Verteidiger: „Er ist ja nicht dumm, nur ein bisschen blöd im Moment.“

Olaf Moos

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