22-Jähriger Angeklagter will Bauer in der Türkei werden

LÜDENSCHEID ▪ Klare Pläne für seine Zukunft hatte gestern ein 22-jähriger Angeklagter vor dem Jugendschöffengericht: „Ich will jetzt meine Strafe und dann weg in die Türkei – als Bauer arbeiten!“ Die Strafe bekam er nach einem uneingeschränkten Geständnis: 800 Euro muss der junge Mann an die Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werkes bezahlen, weil er im Januar und Februar 2010 mit Freunden zusammen neun Mal je 20 Gramm Marihuana für den Eigenbedarf kaufte.

Einen Gang zur Drogenberatung ersparte das Gericht dem 22-Jährigen, nachdem Verteidiger Heiko Kölz dessen lange suchtfreie Zeit seit Anfang 2010 ins Feld geführt hatte.

Bei einem 18-jährigen Mitangeklagten sah das Gericht die Suchtproblematik als nicht ganz so entspannt an. Er war Anfang 2010 – noch als 16-Jähriger – bei den neun Marihuana-Ankäufen mit dabei und bekam nach seinem Geständnis 80 Sozialstunden aufgebrummt. Weil er im Sommer 2011 erneut mit einem Drogendelikt auffiel, muss er allerdings in einen Drogenpräventionskurs der Suchtberatung.

Zeugen mussten gestern nur mit Blick auf den dritten Angeklagten aussagen, der bestritt, bei neun Ankäufen dabeigewesen zu sein. Nur beim letzten Mal, als die Polizei die jungen Leute vorläufig festnahm, sei er eher zufällig dabeigewesen, versicherte er und zitierte den alten Spruch „Mitgefangen, mitgehangen“.

Der bereits verurteilte 20-jährige Verkäufer des Marihuanas bestätigte als Zeuge, dass er den heute 19-Jährigen „nur ein zweimal in der Stadt “ gesehen habe. Da es daran keinen begründbaren Zweifel gab, kam der junge Mann mit einer Geldstrafe von 200 Euro – zahlbar an die Suchtberatung – davon. Zuvor hatte der 19-Jährige, der ohne Rechtsbeistand erschienen war, gegenüber dem Gericht noch erfolgreich für eine Minderung des Strafantrags der Staatsanwältin plädiert, die eine Geldstrafe von 300 Euro für angemessen gehalten hatte.

Dass es überhaupt Geldstrafen gab, deutete darauf hin, dass zwei der drei Angeklagten scheinbar die Kurve gekriegt hatten. Vor allem der 19-Jährige konnte von einem guten Job und einem ordentlichen Nettogehalt berichten. Und möglicherweise ist ja auch der berufliche Weg ins Land der Väter kein Fehler, den der 22-jährige Angeklagte trotz seines deutschen Passes einschlagen will. Richter Wolfram Arnold pries mit Blick auf diese Pläne das „Boomland Türkei“. ▪ Thomas Krumm

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare