Dornröschenschlaf beendet?

2000 Festmeter Holz verladen: Brügger Bahnhof vor neuer Blütezeit

Lastwagen mit Kran und Eisenbahnwaggon mit Holz
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Holz am Haken: Im Dezember hat in Brügge die Verladung von Fichtenstämmen auf Eisenbahnwaggons begonnen.

Es könnte das Erwachen aus einem langen Dornröschenschlaf sein: Erstmals seit mehr als zehn Jahren hat der Brügger Bahnhof im Dezember in größerem Stil wieder seine Funktion als Güterverladestation erfüllt. Damals war es Holz aus den von Orkan Kyrill gebeutelten Wäldern, das sich zum Abtransport auf den Eisenbahnwaggons stapelte. Diesmal sind es heimische Fichtenstämme, die der Trockenheit und dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind.

Lüdenscheid/Brügge - Rund 2000 Festmeter Holz, die bis dato am Brügger Bahnhof zwischenlagerten, sind in den vergangenen Tagen auf die Züge gekommen. Zur Erklärung: Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter Holz. Die Reise ging zuerst nach Hagen und von dort aus zu Sägewerken in Süddeutschland oder Österreich.

Die Aktivität am Brügger Bahnhof soll dabei kein Einzelfall bleiben – für das ganze Jahr 2021 sind regelmäßig Holzabfuhren per Zug von dem Lüdenscheider Stadtteil aus angepeilt. „Wir haben momentan schließlich noch 10 000 Festmeter Holz aus den geschädigten Wäldern in der Warteschleife“, weiß Marcus Teuber vom Regionalforstamt Märkisches Sauerland. Teuber war auch zum Auftakt der Verladung mit dabei – zusammen mit Lokführern, Lastwagenfahrern und Kranführern.

Umweltfreundlicher Abtransport auch im nächsten Jahr

Der Forstfachmann verweist dabei gerade auch auf den umweltfreundlichen Aspekt der Initiative. Den bisher sah und sieht das im Sauerland oft so aus: Die von Trockenheit und Borkenkäfern zerstörten Fichten gelangen per LKW zu Sammelstellen – um dann ebenfalls wieder mit Lastwagen auf Langstreckenfahrten zur Verschiffung in europäische Häfen gebracht zu werden. Wohl nicht unbedingt klimafreundlich.

Bei besagtem Brügger Modell werden die Stämme nun zwar auch mit Lastwagen an die Gleise gebracht. Von da ab erreichen die Stämme ihre Bestimmungsorte dann aber per Eisenbahn. „Ein Zug ersetzt 70 Lkw“, weiß Marcus Teuber, der durch das Projekt gleichzeitig auch „eine Entlastung für die heimischen Sägewerke“ sieht. Brügge sei dabei einer der wenigen geeigneten Holz-Verladestationen in der weiteren Region – neben Hagen, Siegen und Sundern.

Dass dies so ist, hat seinen Grund. Denn trotz aller Umstrukturierungen – Supermarkt-Ansiedlung in Brügge-Ost, Abriss von Gebäuden und Neugestaltung von Parkplätzen – ist die Gütertransport-Infrastruktur am Brügger Bahnhof mit ihren Rampen und Gleisen erhalten geblieben.

Darauf weist der Brügger SPD-Politiker Jan Eggermann hin, der durch die Holzverladung auch auf einen langfristigen Wiederaufschwung des Brügger Güterbahnhofs hofft. Zur Erinnerung: Vor Jahrzehnten galt die Brügger Eisenbahnstation als regional bedeutender Güterumschlaplatz.

Stadt, Bahn und Waldbesitzer arbeiten zusammen

Der aktuelle Holzabtransport geht laut Eggermann und Teuber dabei auf eine kollektive Vereinbarung zurück, an der man eineinhalb Jahre gearbeitet habe. Beteiligt an dem Schulterschluss: die Stadt Lüdenscheid als Eigentümerin der Holzlagerflächen, die Deutsche Bahn, der nach wie vor die Brügger Gleise gehören und ein Zusammenschluss regionaler Waldbesitzer, der die nötigen Waggons sowie Verladegleis 31 von der Bahn angemietet hat.

Und mit im Boot eben auch: das Regionalforstamt Märkisches Sauerland. „Wir verstehen uns dabei als Vermittler und Berater“, sagt Teuber.

Einziger Wermutstropfen derzeit: Eine Firma aus Ostdeutschland hat aus unklarer Motivation ebenfalls Gleis 31 angemietet. Ob daher bei der künftigen Gleisnutzung Interessenkonflikte entstehen könnten, gilt noch als offen. „Der Fall liegt derzeit bei der Schiedsstelle der Bahn“, weiß Teuber.

Dennoch gehen Eggermann und Teuber fest davon aus, dass der Brügger Bahnhof als Holzverladestation Zukunft hat – angesichts der Massen an toten heimischen Fichten, die alle noch gefällt und abtransportiert werden müssen, womöglich eine Zukunft für viele Jahre. Nach der Abfuhr der ersten 2000 Festmeter Holz, ist der Lagerplatz am Gleis bereits wieder gut mit Fichtenstämmen gefüllt.

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