Schneller schreiben als sprechen: NRW-Stenografen küren ihre  Meister

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Größere Vereine traten in einheitlichen T-Shirts zu den Meisterschaften in der Hauptschule Stadtpark an. Der StV Dülmen trat in grünem Outfit an.

Lüdenscheid - Aus ganz Nordrhein-Westfalen kamen am Wochenende Stenografen in Lüdenscheid zusammen. Anlass des Treffens war der 125. Westdeutsche Stenografentag. Neben Meisterschaften in unterschiedlichen Leistungsklassen richtete der Landesverband als Ausrichter ein abwechslungsreiches Fach- und Freizeitprogramm für seine Mitglieder aus.

Für die Meisterschaften „quartierte“ sich der Verband am Samstag in der Hauptschule Stadtpark ein. Ganztägig verwandelten sich die Klassenräume in Wettschreibräume, in denen Jugendliche und Erwachsene, Anfänger und Spitzenkönner ihre Leistungsfähigkeit in Kurzschrift und Tastschreiben unter Beweis stellten.

In der Meisterklasse Kurzschrift waren beispielsweise 250 bis 475 Silben in der Minute gefordert. „Das ist schneller als jeder Nachrichtensprecher im Fernseher spricht“, einte dazu Reiner Karbowski, Vorsitzender des Westdeutschen Stenografenvereins und Vizepräsident des Deutschen Stenografenbundes, der mit einem 15-köpfigen Helferteam für die Ausrichtung des Stenografentages in Lüdenscheid verantwortlich zeichnete. Spitzenkräfte, die das schaffen, hätten nach wie vor im Landtag oder Bundestag beziehungsweise bei Hauptversammlungen von Aktiengesellschaften etc. gute Berufsaussichten. „Da wird Geschwindigkeit gebraucht.“

130 Stenografen nahmen teil

In den 15 Jahren seiner Vorstandstätigkeit habe er sich stets bemüht, den Stenografentag in einer anderen Stadt auszurichten – diesmal in Lüdenscheid. Insgesamt beteiligten sich 130 Stenografen an den Meisterschaften. Aus Dortmund, Leverkusen, Dülmen, Rheine, Paderborn, Menden, Hagen, Recklinghausen, Oberhausen und anderswo reisten die Teilnehmer zu den Meisterschaften an. Vom Lüdenscheider Weiterbildungswerk (früher Stenografenverein) war dessen Ehrenvorsitzender Gerhard Skups dabei. Gastschreiber aus Hessen und Berlin vervollständigten das Feld.

Bei der Stenojugend fand der Ausflug zur Phänomenta begeisterten Anklang.

„Man kennt sich untereinander“, so der Vorsitzende. „Wer will, kann an mehreren Wettbewerben teilnehmen.“ Insgesamt 300 Starts vermeldete Karbowski. „Manche Teilnehmer starten mehrfach.“ Mit Studentin Annemarie Mersch (StV Dülmen), die nebenberuflich im Düsseldorfer Landtag als Stenografin arbeitet, befand sich die frühere Jugendweltmeisterin und Bronzegewinnerin im Kombinationswettbewerb der Weltmeisterschaft in Budapest am Start.

In den Kategorien professionelle Textverarbeitung, Geschwindigkeitsschreiben, Perfektionsschreiben und Autorenkorrektur ermittelte der Verband im Tastschreiben seine Besten. Bei der Kurzschrift kam es auf Schnelligkeit an. Einzelne und Mannschaften gingen an den Start.

Fach- und Freizeitprogramm fand großen Anklang

Sogar Geldscheine aus Kaisers Zeiten gab es beim Besuch der Büromaschinen-Sammlung von Ulrich Baberg zu bestaunen.

Großen Anklang fand das Fach- und Freizeitprogramm, das der Verband für seine Mitglieder während des Verbandstags in Lüdenscheid organisierte. Neben einem Besuch der Phänomenta stand eine Stippvisite in der umfangreichen Büromaschinen-Sammlung von Ulrich Baberg im EGC auf dem Programm. Viele bekamen beim Anschauen der alten Schätzchen, die der Lüdenscheider zusammengetragen hat, glänzende Augen. An 100 Jahre alten Schreibmaschinen trugen die Schnellschreiber während des Besuchs mit sichtlichem Vergnügen ein Wettschreiben aus.

Überraschungsgast beim Abendprogramm im Hotel Passmann war Sängerin Mareike Jess aus Radevormwald, die mit Pop und Blues von Silbermond bis Ray Charles bestens unterhielt. 500 Preise enthielt die große Tombola mit einem Fahrrad als Hauptgewinn.

125. Westdeutscher Stenografentag in Lüdenscheid

In eine Festveranstaltung war die Siegerehrung am Sonntag – gleichfalls im Hotel Passmann – eingebunden.

Ihr Ausnahmekönnen stellte Annemarie Mersch, die bei den Erwachsenen (Textbearbeitung) mit 22.450 Punkten und großem Abstand den Sieg davontrug, auch diesmal unter Beweis. Hervorgehoben sei ferner Udo Klüting vom Vestischen Steno-Club (Kurzschrift). Untergebracht waren die Teilnehmer während des Verbandstag im Mercure-Hotel.

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