1200 Euro Geldstrafe für „bodenlose Frechheit“

LÜDENSCHEID ▪ Es ging ihr wohl nicht schnell genug an der Kasse an diesem 17. Februar. Das ältere Ehepaar vor ihr brauchte so lang zum Einpacken. Da kam es zum Streit. „Freche Göre“ sei sie genannt worden, sagt die 23-jährige Studentin der Wirtschaftswissenschaften. Der Streit endete auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt – für die alte Dame beim Arzt und für die junge Frau auf der Anklagebank.

Die Angeklagte hat Widerspruch gegen den Strafbefehl eingelegt. Auch nach gutem Zureden von Oberamtsanwalt Lehmann gibt sich die Studentin störrisch. „Ich habe nichts zu gestehen.“ Sie habe auf dem Parkplatz einen Sturz verhindern wollen – „ich hatte hohe Schuhe an“ – und sei dann „ohne Absicht“ gegen die 71-Jährige gestoßen. Die fiel zu Boden und erlitt schmerzhafte Rippenverletzungen. Der Verlobte der 23-Jährigen sagt: „Sie ist auf dem Weg zum Auto gestolpert.“ Der Sturz der Seniorin habe „sehr theatralisch ausgesehen“.

Dass das junge Pärchen die Verletzte einfach liegen lässt, seinen Weg fortsetzt und sich ins Auto setzt, ist für den Anklagevertreter ein Indiz für einen Tatvorsatz. Der Streit zuvor ebenfalls. „Sie hatte ein Motiv.“ Belastend wiegt außerdem die Aussage eines 30 Jahre alten Galvaniseurs. „Ich stand im Eingang des Ladens und habe gesehen, dass sie die alte Dame angerempelt hat.“ Er selbst habe der Verletzten auf die Beine geholfen.

Das Opfer der rüden Attacke auf dem Supermarktparkplatz sagt, die Welt habe sich geändert seit diesem 17. Februar – „und mein Leben auch“. Aufwändig frisiert, braungebrannt, im hellen Kostüm, gerade zurück von einem dreimonatigen Sonnenurlaub – so präsentiert sich die Zeugin. Und ist immer noch hell empört. Von einer „total aggressiven Handlung“ berichtet sie Amtsrichter Thomas Kabus, von ihren Schlafstörungen und Problemen mit dem Arm – „und meiner Psyche natürlich“. Der Richter hat keine Fragen mehr, die Zeugin bedankt sich „für das nette Gespräch“.

Oberamtsanwalt Lehmann ist offenbar am Ende seiner Geduld angekommen. „Das ist eine bodenlose Frechheit, die Sie sich da geleistet haben“, schimpft er in Richtung Anklagebank. Die Studentin bleibt störrisch. „Ich bin mir keiner Schuld bewusst.“

Richter Kabus schlägt sich „komplett auf die Seite der Staatsanwaltschaft“, wie er sagt. Das Urteil: 1200 Euro Geldstrafe.

Olaf Moos

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