Katholiken in Werdohl und Neuenrade

Zwischen Pandemie und Seelenheil: Pater Kamil leitet seit einem Jahr die Pfarrei St. Michael

Pater Kamil Pawlak vor dem Kloster in Werdohl, seinem Zuhause seit dem Umbau vor drei Jahren. Pawlak kam schon 2008 nach Werdohl, ein Jahr nach seiner Priesterweihe in Polen. Der 42-Jährige ist seit genau einem Jahr Pfarrer der katholischen Gemeinden in Werdohl und Neuenrade.
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Pater Kamil Pawlak vor dem Kloster in Werdohl, seinem Zuhause seit dem Umbau vor drei Jahren. Pawlak kam schon 2008 nach Werdohl, ein Jahr nach seiner Priesterweihe in Polen. Der 42-Jährige ist seit genau einem Jahr Pfarrer der katholischen Gemeinden in Werdohl und Neuenrade.

Vor ziemlich genau einem Jahr wurde Franziskaner-Pater Kamil Pawlak vom Bistum Essen zum neuen Pfarrer der Pfarrei St. Michael Werdohl-Neuenrade ernannt.

Die Amtsübernahme von Pater Irenäus Wojtko fiel damals mitten in die Corona-Pandemie und mitten in den allfälligen Umbruch der Gemeindestrukturen. Der 42-jährige Priester skizziert dieses erste Jahr seiner Verantwortlichkeit für die ganze Pfarrei in einem Nebensatz: „Wir mussten immer abwägen zwischen den Hygienevorschriften wegen der Pandemie und dem Seelenheil der Menschen.“

Kamil wurde 1979 in der polnischen Kleinstadt Kepno 80 Kilometer nordöstlich von Breslau geboren. Als mittleres Kind zwischen einem älteren Bruder und einer jüngeren Schwester wuchs er in einem traditionell katholischen Haushalt auf.

Ausbildung zum Ernährungstechniker

Nach acht Jahren der damals in Polen üblichen Grundschulzeit wechselte er auf eine weiterführende Schule, die er mit dem Abitur und einer fünfjährigen abgeschlossenen Berufsausbildung zum Ernährungstechniker beendete. In der Ausbildung lernte er praktisch die Verarbeitung von Milch in einer Fabrik sowie die Abläufe in einem Schlachtbetrieb.

Parallel zu seiner damaligen Ausbildung fand er seinen Weg zu Gott und seinem Glaubensleben. „Ich bin auch unter der Woche in die Kirche gegangen, ich habe angefangen, mich mit Gott zu unterhalten. Über die Bibel bin ich in einen lebendigen Dialog mit Gott eingetreten.“ So eine intensive Auseinandersetzung mit dem Glauben sei auch für seine Familie etwas Außergewöhnliches gewesen, erinnert sich Pawlak. Nachdem er Schriften vom Heiligen Franziskus gelesen hatte, entwickelte sich der Wunsch, den Alltag und das Berufsleben nach Gott auszurichten. Dass er nicht als Lebensmitteltechniker arbeiten würde, stand bald fest, stattdessen dachte der noch nicht ganz 20 Jahre alte junge Mann über den Priesterberuf nach.

Damals ein „ganz normaler Jugendlicher“

Pawlak sagt heute über sich selbst: „Ich hatte damals nicht vier Jahre ununterbrochen an Gott gedacht, ich war ein ganz normaler Jugendlicher, hatte mich verliebt und alle möglichen Sachen gemacht.“ Dennoch wurde der Wunsch nach einem Leben für den Glauben und im Gebet immer stärker. Die Aufnahmeprüfung für ein Psychologie-Studium hatte er schon in der Tasche, als er sich in stiller Einkehr selbst prüfte. „Ich habe den Wert von Ehe und Familie für mich abgewogen und über meine natürlichen Bedürfnisse nachgedacht – soweit man das im Alter von 20 Jahren sehen kann“, gibt Pawlak Einblick in seine Entscheidung, sich mit allen Konsequenzen dem Orden mitsamt Armuts- und Keuschheitsgelübde zuzuwenden. Das ist ihm wichtig: „Ich bin aus tiefer Überzeugung und nach Jahren des Nachdenkens in den Orden eingetreten. Und nicht, weil ich nichts Besseres wusste.“

Bei der Verabschiedung vom damaligen Pfarrer Pater Irenäus flossen bei seinem Freund und Mitbruder Pater Kamil öffentlich die Tränen.

Das erste Kloster bei Rügenwalde lag 300 Meter vom Ostsee-Strand entfernt, danach ging es für ein Jahr in ein anderes polnisches Kloster des Danziger Ordens. Dann hatte er sich mit Anfang 20 entschieden: Zwei Jahre studierte er Philosophie und danach drei Jahre Theologie in Lodz. Nach dem Studium ging er in den pastoralen Dienst in der Kinder- und Jugendseelsorge in Polen, 2007 wurde er im Alter von 27 Jahren zum Priester geweiht.

2008 erstmals in Werdohl

Sein Orden entsandte den klugen jungen Mann schnell nach Deutschland, schon 2008 kam Pawlak als Kaplan nach Werdohl. Pater Kamil wollte und will mehr wissen vom Leben, von den Menschen und von Gott: 2013 begann er ein Studium im schweizerischen Freiburg. Seitdem arbeitet er nebenberuflich an seiner Doktorarbeit. Zweimal im Jahr fährt er zum Studium in die Berner Alpen, wegen der vielen Arbeit zuerst in der Neuenrader Gemeinde und jetzt als Verantwortlicher für die ganze Pfarrei wird er seinen Doktortitel spätestens im Frühjahr 2023 erlangt haben.

2014 stieg er in die Pastoralarbeit in Neuenrade ein, wo er auch bis 2018 wohnte. Die Pfarrei baute das ehemalige Pfarrhaus in ein Kloster für die drei Priester und den Mitbruder um. Die vier Männer leben dort seitdem in klösterlichen Gemeinschaft in der Weise, wie es ihrem Orden entspricht.

Pfarrei umstrukturiert: Priester arbeiten jetzt nach Aufgabengebieten

Mit dem Weggang von Pater Irenäus wurde auch die Pfarrei umstrukturiert. Seit einem Jahr ist St. Michael nicht mehr in die pastoralen Ortszuständigkeiten Werdohl und Neuenrade aufgeteilt, sondern die Priester arbeiten nach Aufgabengebieten. Erstmals nach 15 Jahren Trennung wird im November ein gemeinsamer Pfarrgemeinderat gewählt. „Wir als pastorale Hauptamtliche gehen seit einem Jahr diesen neuen Weg.“ Was Pfarrer Wojtko in seinen 16 Jahren in der Pfarrei anstrebte, wird jetzt durch seinen Nachfolger Pfarrer Pawlak vollendet.

Ein Foto aus früheren Jahren, als Pater Kamil als Pastor für die katholische Gemeinde in Neuenrade zuständig war und dazu einen besonders guten Draht zu den jungen Leuten hatte.

„Ich bin mitten in die zweite Corona-Welle hineingeraten“, beschreibt Pater Kamil seinen Start als Pfarrer vor einem Jahr. „Es kamen einige sehr schwere Entscheidungen auf mich zu“, erinnert er sich: „Weihnachten ja oder nein, Ostern ja oder nein?“ Er habe immer zwischen Hygienevorschriften und dem Seelenheil abwiegen müssen. Doch dann kamen Frühjahr und Sommer, das Gemeindeleben normalisierte sich. Erstaunlicherweise sei der Gottesdienstbesuch in diesem Sommer besser gewesen als in früheren Sommern.

In kleinen Schritten zurück in die pastorale Wirklichkeit

Er könne es aktuell nicht einschätzen, welche Spuren die Pandemie im Gemeindeleben hinterlassen habe. Erst so langsam normalisiere sich alles. „Die menschliche Wärme hat uns allen in der Coronazeit gefehlt, man konnte wegen der Maske nicht die Gesichter sehen. Die Stimmung wurde aggressiver.“ Das sei fast überwunden: „Wir gehen kleine Schritte zurück in die pastorale Wirklichkeit.“

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