Direkte Verbindung mit der Nordsee

Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Norddeich: Ab 2020 soll der IC in Werdohl halten 

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Solche doppelstöckigen Intercitys vom Typ 2 sind von der Bahn für den IC 34 bestellt und werden ab Ende 2020 am Werdohler Bahnhof halten. Das Bild entstand am Hauptbahnhof Hannover.

Werdohl - Ab 2020 soll der IC in Werdohl halten. Von der Fantasie einer noch schnelleren Verbindung müssen sich die Menschen an der Lenne dagegen verabschieden.

2011 geisterte die Idee eines ICE-Haltes erstmals durch Werdohl. Jetzt scheint diese Fantasie endgültig tot zu sein. „Ein ICE-Halt in Werdohl war und ist nicht beabsichtigt“, sagte ein Bahnsprecher auf Nachfrage. An den Planungen hingegen, den doppelstöckigen IC 34 ab 2020 an der Lenne fahren zu lassen, werde weiterhin festgehalten. 

Konkrete und verlässliche Auskünfte bei der Bahn zu bekommen ist sehr schwer, manchmal wird sogar Widersprüchliches herausgegeben. Im Januar 2018 hieß es noch bei der Frankfurter Zentrale nach dem Stand der Dinge für den Intercity Express: „Es ist weiterhin geplant, die Städte Altena, Finnentrop, Letmathe, Kreuztal, Lennestadt, Plettenberg, Siegen und Werdohl neu an den Fernverkehr anzubinden.“ Der ICE-Halt auf der Ruhr-Sieg-Strecke sei weiterhin im Stadium der Planung. Heute, genau ein Jahr später, heißt es bei der Bahn klipp und klar, dass ein ICE-Halt niemals beabsichtigt war. 

Jahrelang hatte der gebürtige Werdohler Christian Frahm diese Idee propagiert. Frahm ist Immobilienverwalter und lebt in Bonn, aber er ist auch ein Sprecher des Lüdenscheider Bürgervereins zur Förderung des Schienenverkehrs. Der Eisenbahn-Lobbyist Frahm hatte allen Beteiligten inklusive des Landrats des Märkischen Kreises vorgeschlagen, den Halt nach Werdohl zu legen. Nur in Werdohl könne auf dem derzeit lediglich zum Rangieren genutzten Gleis 1 ein vollständiger ICE-Halt eingerichtet werden. Ausschließlich in Werdohl sei es möglich, einen 420 Meter langen Bahnsteig zu bauen, der den modernsten ICE 4 in kompletter Länge von 362 Metern aufnehmen könne. Während die Idee des ICE-Halts in Werdohl ganz offensichtlich tot ist, rückt die Realisierung einer IC-Linie durch die Lenneschiene immer näher. 

Zugmaterial für den IC 34 seit mehr als einem Jahr bestellt 

Ein Bahnsprecher bestätigte, dass die Bahn weiterhin das Ziel verfolge, ab Ende 2020 den IC 34 zwischen Frankfurt und Norddeich auch durch Werdohl fahren zu lassen. Ursprünglich war ein Start der Linie für Ende 2019 geplant, dieses Ziel konnte die Bahn aber nicht halten. 

In knapp zwei Jahren werde ein Zugpaar durch die gesamte Lenneschiene weiter über Münster bis Norddeich fahren und damit Südwestfalen wieder direkt an die Nordsee anbinden. Die Städte Werdohl, Altena, Plettenberg, Finnentrop, Letmathe, Kreuztal, Lennestadt und Siegen werden damit an den Fernverkehr angebunden. Einzelne Züge sollen ab Münster mit Halten in Hamm, Unna und Schwerte verkehren, andere nehmen den Weg ab Dortmund mit Halt in Witten. 

Auf diese Weise sollen laut Bahn attraktive Direktverbindungen nach Frankfurt, Dortmund und Münster mit kurzen Reisezeiten angeboten werden. Eine Fahrt von Siegen bis Dortmund soll in knapp zwei Stunden realisiert werden. Hagen wird allerdings nicht an den IC 34 angebunden. Auf der ab Dezember 2020 neuen Achse sollen neue Fahrzeuge des Typs „Intercity 2“ eingesetzt werden. Diese doppelstöckigen Züge sind bereits vor mehr als einem Jahr von der Bahn bestellt worden, das bestätigte der Bahn-Sprecher noch einmal auf aktuelle Nachfrage. 

Kritik an bisherigen Planungen

An den bisherigen Planungen der Bahn für die Intercity-Trasse Frankfurt-Münster gibt es Kritik. Hessische Fahrgastverbände zum Beispiel lehnen den IC 34 ab, weil er in Hessen zu selten, dafür an der Lenne viel zu oft halte. Weil auf denselben Gleisen Fernverkehr und Regionalverkehr realisiert werden müssen, benennen Fahrgastverbände eine Reduzierung des regionalen Pendlerverkehrs. Der Abellio zwischen Siegen und Hagen muss sich später das Gleis mit dem IC34 teilen – der Regionalzug wird eine schlechtere Taktung bekommen. 

Zudem gibt es Kritik an den Fahrzeugen: Doppelstöcker würden schwächeln. Der Einsatz der doppelstöckigen IC 2-Züge hat sich tatsächlich auf vielen Strecken verzögert. Grund sind laut den Verbänden nicht nur Auslieferungsschwierigkeiten, die den Start auf der IC 34-Strecke schon um ein Jahr verzögert haben. Die Züge schwankten auch zu stark. 

Monatelanger Wegfall des ICE-Halts Hagen unvermeidlich 

Noch im Dezember hatte die Bürgermeisterkonferenz des Märkischen Kreises bei ihrem Treffen in Werdohl eine Petition auf den Weg gebracht, die sich gegen eine monatelange Streichung des ICE-Haltes in Hagen auf der Strecke zwischen Münster und Berlin richtete. Zwischen März und Oktober 2019 sollen an drei Brücken im Raum Bielefeld Erneuerungsarbeiten durchgeführt werden. Dadurch entstehende Verzögerungen sollen durch den Wegfall des Halts in Hagen wieder aufgeholt werde. 

Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die Bahn an ihren Plänen festhält und die Lenneschiene über Hagen nicht mehr per ICE an Berlin angebunden ist.

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