Zwei Freisprüche: Keine Beweise für Körperverletzungen

+
Das Amtsgericht Altena sprach den 24-jährigen Werdohler vom Vorwurf der Körperverletzung frei.

Werdohl - Aus menschlicher Sicht hinterließ die traurige Geschichte eines ungewollten Kindes großes Unbehagen. Aus strafrechtlicher Sicht sah das Schöffengericht jedoch keinen Anlass für die Verurteilung eines 24-jährigen Werdohlers. Das Amtsgericht Altena sprach den jungen Mann vom Vorwurf der Körperverletzung frei.

Die Angaben seiner Ex-Freundin, die zum Zeitpunkt der angeblichen Körperverletzung schwanger war, seien „nicht so konkret, dass man da eine Körperverletzung identifizieren könnte“, sagte Richter Dirk Reckschmidt in seiner Urteilsbegründung. Zudem gebe es keine objektiven Befunde: Der ärztliche Bericht, mit dem die junge Frau einige Tage nach dem Vorfall entlassen wurde, berichtete nichts über mögliche Verletzungen oder Blutergüsse. Dass der Angeklagte seine Ex-Freundin geschlagen hätte, ohne dass davon etwas zu sehen gewesen sei, entspreche nicht dem Naturell des Angeklagten, argumentierte der Richter mit Blick auf vorangegangene Verurteilungen wegen Körperverletzungen.

Für erwiesen hielt das Gericht lediglich eine Bedrohung der 20-Jährigen durch den Angeklagten: Er hatte vor Gericht nicht ausgeschlossen, dass er ihr eine Kurznachricht mit der Drohung geschickt hatte, sie umzubringen. Dafür kassierte er eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 15 Euro. Die junge Zeugin hatte ausgesagt, dass sie immer noch daran arbeite, mit der Geschichte abzuschließen. Die mögliche Bestrafung ihres Ex-Freundes war ihr offenbar kein Herzensanliegen gewesen.

Freigesprochen wurde der 24-Jährige auch noch in einer anderen Sache: Am Werdohler Lenneufer soll er am 16. Mai 2016 auf einen Zeugen losgegangen sein und ihm zwei Schneidezähne ausgeschlagen haben. Aber auch in diesem Fall ließ sich nicht mit der erforderlichen Sicherheit klären, ob der Angeklagte wirklich zugeschlagen hatte. Der Zeuge hatte im Ermittlungsverfahren und vor Gericht keine verlässlichen Angaben zur Frage des Täters gemacht. Andere Zeugen hatten die offenen Fragen nicht klären können. „Wer das genau gewesen ist, wissen wir nicht“, hielt der Vorsitzende fest.

Der Angeklagte konnte nach mehreren Reisen von Berlin zu den Verhandlungsterminen in Altena endgültig in sein neues Leben in der Hauptstadt aufbrechen. Richter Dirk Reckschmidt erinnerte ihn daran, dass sich in der Nähe seines neuen Domizils in Tempelhof auch das Berliner Polizeipräsidium befinde. Der Angeklagte zeigte sich darüber klar orientiert: „Immer wenn ich zur Arbeit fahre, muss ich da vorbeifahren.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare