Bau-Ingenieur aus Aleppo ist Klassenbester

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Zum Zertifikat gab es für jeden Absolventen eine weiße Rose: Die erfolgreichen Teilnehmer des Integrationskursus an der VHS Lennetal, erhielten am Mittwoch ihre Zeugnisse.

Werdohl - Als beim Einschenken des Sektes, mit dem zwölf junge Männer und Frauen am Mittwoch auf den erfolgreichen Abschluss ihrer Deutschkurse anstoßen wollten, ein Glas zu Bruch ging, wurden die Zuwanderer gleich mit einem deutschen Sprichwort konfrontiert. „Scherben bringen Glück!“, rief VHS-Leiterin Barbara Funke.

Dabei war es weniger Glück, sondern vielmehr Fleiß und eifriges Lernen gewesen, das den Kursteilnehmerin dazu verholfen hatte, die Integrationskurse in verschiedenen Stufen zu bestehen. 19 von 20 Teilnehmern hatten das Lernziel erreicht, ein Dutzend war am Mittwochmorgen persönlich zur Übergabe der Zertifikate in die Werdohler VHS-Außenstelle gekommen.

Sie alle hatten 600 Stunden reinen Deutschunterricht erhalten und einen 60-stündigen politisch-kulturellen Orientierungskursus belegt. Die Besten hielten nach dem schriftlichen Deutsch-Test für Zuwanderer und dem Test „Leben in Deutschland“ gestern ein Zeugnis in den Händen, das ihnen bescheinigte, die deutsche Sprache so gut zu beherrschen, dass sie sogar eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland erhalten könnten.

Zu diesen Kursteilnehmern, die durch gute Leistungen aufgefallen sind, gehört auch der 27-jährige Elias Bassil. Der Bau-Ingenieur aus Aleppo war vor etwas mehr als einem Jahr vor dem Krieg in seiner Heimat nach Deutschland geflüchtet und hat sich erstaunlich schnell zurechtgefunden. Den Integrationskurs schloss er als Klassenbester mit der nicht zu übertreffenden Punktzahl von 100 ab.

Mehr Kurse notwendig

Doch auch sein syrischer Landsmann Abdalla Almloh hat sich beim Erlernen der deutschen Sprache und der Kenntnissen über Rechtsordnung, Geschichte und Kultur sowie politische Institutionen ordentlich ins Zeug gelegt. Der 26-Jährige, der nach seiner Flucht aus dem ostsyrischen Abu Kamal nun in Altena eine neue Heimat gefunden hat, hat immerhin 90 Punkte erreicht. „Ich möchte mich bei den Schülern vom Gymnasium bedanken, die mir bei der Vorbereitung auf die Prüfung so viel geholfen haben“, sagte er am Mittwoch in gut verständlichem, wenn auch nicht akzentfreien Deutsch.

Die Flüchtlingswelle habe die Zusammensetzung der Integrationskurse in diesem Jahr stark beeinflusst, sagte VHS-Leiterin Barbara Funke. Beispielweise hatten den Kursus, an dem auch Almloh und Bassil teilgenommen hatten, auch Menschen aus Eritrea, aus dem Irak, dem Iran und aus der Türkei teilgenommen. Eine Italienerin und ein Brite waren diesmal schon eher die „Exoten“. Auch für 2017 erwartet Funke eine starke Nachfrage nach Integrationskursen. Abhängig von der weiteren Entwicklung in den Herkunftsländern wie beispielsweise Syrien, Irak oder Afghanistan müsse die Zahl der Kurse von derzeit sechs wohl auf neun aufgestockt werden, sagte sie.

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