Zurück in die Psychiatrie? 34-jähriger Werdohler vor dem Landgericht

+

Werdohl/Hagen - Zehn Jahre geschlossene Psychiatrie hatte ein Werdohler hinter sich, als er im Jahr 2017 aus Lippstadt-Eickelborn zurück an die Lenne kam. Empfohlen für eine Freilassung hatte er sich durch eine Zeit relativer Ruhe

In all den Jahren war er nur ein Mal aufgefallen – da hatte er einen Oberarzt mit der Faust bedroht. Das gemeinsame Wohnen mit den Eltern in Werdohl funktionierte allerdings nicht: „Ich bin rausgeflogen und dann durch viele Städte getingelt“, erklärte der heute 34-Jährige im Landgericht Hagen. Denn es hatte nicht lange gedauert, bis er wieder in einer psychiatrischen Anstalt landete. 

In der Hans-Prinzhorn-Klinik in Hemer (HPK) zerlegte er das Mobiliar, warf mit Gegenständen, setzte sein Bett und einen Toaster in Brand und bedrohte Pflegekräfte mit einer abgebrochenen Neonröhre, bis ein Polizist seine Waffe zog. Neun Vorfälle listet die Antragsschrift der Staatsanwaltschaft auf, denn es geht bei dem Verfahren gegen den psychisch kranken Beschuldigten nicht um eine Haftstrafe, sondern um eine erneute Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie. 

Ein geschlossenes Weltbild

Im Landgericht präsentierte der 34-Jährige ein geschlossenes Weltbild, das sich von der Sicht seiner Umgebung stark unterschied: „Dass ich total bekloppt bin, haben sie mir vorgeworfen, und das ist der Grund, warum ich so geworden bin.“ Diese Standardversion seines Weltbildes, äußerte der Werdohler in immer neuen Varianten. Sein Fazit lautete schließlich: „Ich bin kein psychisch kranker Straftäter.“ Konsequenterweise forderte er: „Ich möchte sofort nach Hause.“ 

Es ist unwahrscheinlich, dass erst die Klinik den Mann krank machte. Es gab Hinweise auf einen massiven Missbrauch von Cannabis-Produkten und eine Heroin-Abhängigkeit. Für das Gericht stellte sich aber die Frage, warum der 34-Jährige nach Jahren der Ruhe in Eickelborn auf der geschlossenen Station der HPK zwischen dem 15. November 2017 und dem 31. Januar 2018 randalierte. Er sei in der HPK schlecht behandelt und in seinem Zimmer eingesperrt worden, beklagte sich der 34-Jährige. Dagegen habe er sich gewehrt. 

Insgesamt acht Verhandlungstage 

Einer der Zeugen bestätigte die Sicht von Verteidiger Thomas Wolfinger von Häfen, dass die HPK im Fall des 34-Jährigen überfordert war. „In dem Maße, wie der Beschuldigte krank ist, kann man ihn nicht in der HPK behandeln. Dieses psychiatrische Krankenhaus war nicht das Richtige für ihn.“ 

Der 34-Jährige wurde nicht müde zu betonen, dass er niemanden verletzt habe. Tatsächlich nennt die Antragsschrift kaum handfeste Körperverletzungen. Braucht der Werdohler auf diesem Hintergrund die höchstmögliche Sicherheitsstufe in Eickelborn, oder gibt es noch eine andere Möglichkeit? Für die Klärung dieser Fragen hat sich die 6. große Strafkammer stattliche acht Verhandlungstage gegeben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare