Zweites Leben für das Kaufhaus

Diese Zukunftsperspektiven gibt es für das WK Warenhaus

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Das WK Warenhaus liegt mitten in der Werdohler Innenstadt am Brüninghaus-Platz.

Wenn das WK Warenhaus am 30. Juni für immer seine Türen schließt, geht damit nicht nur eine langjährige Einzelhandelstradition in Werdohl zu Ende. Was nach dem Kaufhaus kommt, ist derzeit noch völlig offen. Die Besitzer suchen zwar nach Angaben von Geschäftsführerin Silke Krischer-Schnückel nach einer Nachfolgelösung. Einen Mieter oder – was die favorisierte Lösung ist – einen Käufer gibt es bisher aber noch nicht.

  • Am 29. Januar 2020 wurde bekannt, dass das WK Warenhaus am 30. Juni schließen soll.
  • Etwa 100 Mitarbeiter verlieren dadurch ihren Arbeitsplatz.
  • Die Immobilie soll möglichst verkauft werden.

Werdohl – Was könnte man mit der 44 Jahre alten Kaufhaus-Immobilie überhaupt anfangen? Dass ein Handelsunternehmen herkommt, das Gebäude kauft und dann wieder ein Kaufhaus darin betreibt, erscheint derzeit höchst unwahrscheinlich. Schließlich fällt das WK nach allem, was bisher bekannt ist, nicht etwa einem Missmanagement zum Opfer.

Vielmehr haben sich im Laufe der Jahre die Rahmenbedingungen in Werdohl und darüber hinaus derart verändert, dass die WK-Gesellschafter keine Möglichkeit mehr gesehen haben, an diesem Standort weiterhin erfolgreich zu sein.

Das Gute an alten Kaufhäusern

Doch was könnte stattdessen aus dem WK werden? Wer könnte Interesse an diesem Klotz mitten in Werdohl haben? Der Immobilienexperte Marco Atzberger vom Kölner Handelsforschungsinstitut EHI sagte einmal im Gespräch mit der Frankfurter Neuen Presse * über aufgegebene Kaufhäuser: „Das Gute an den Immobilien ist, dass sie mitten in der Innenstadt liegen. Damit haben sie grundsätzlich ein Potenzial.“

Er sieht aber auch Probleme, beispielsweise, dass viele Kaufhäuser in einer Zeit errichtet wurden, als die Anforderungen an den Handel ganz anders waren als heute. Für den heutigen Geschmack hätten die Häuser zu viele Etagen, zu wenig Tageslicht und oft auch zu niedrige Decken. Auch deshalb spiele der Handel nach Umbauten eine deutlich geringere Rolle als vorher.

Das rät eine IHK-Expertin

Auch Stephanie Erben, Handelsexpertin bei der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) hält es für kaum denkbar, dass die 4000 Quadratmeter des WK Warenhauses wieder komplett mit Einzelhandel belegt werden können. Sie regt deshalb eine Mischnutzung an und nennt Beispiele aus anderen Städten, in denen eine Umnutzung von ehemaligen Kaufhäusern erfolgreich ist.

Das Krönchen-Center in Siegen: Früher Kaufhaus, heute ein Kulturzentrum mit Einzelhandel und Gastronomie.

Erben verweist beispielsweise auf Siegen, wo aus dem ehemaligen Kaufhof das Krönchen-Center geworden ist. Von 1928 bis Ende 1999 diente das Gebäude als Kaufhaus. Auch zweimalige Millioneninvestitionen in Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen verhinderten nicht, dass das Traditionshaus 1999 schließen musste, nachdem Kaufhof und Metro miteinander verschmolzen waren. Trotz vielfältiger Bemühungen blieb das Gebäude in den folgenden Jahren leer stehend.

Siegener Konzept auf zwei Säulen

„Interessant am Krönchen-Center ist, dass die Stadt Eigentümerin der Immobilie wurde und daher einige städtische Einrichtungen dort untergebracht wurden. Das Krönchen-Center ist heute ein Kulturzentrum mit Einzelhandel und Gastronomie im Erdgeschoss“, zeigt die SIHK-Handelsexpertin auf, was möglich ist.

Das Konzept ruht auf zwei Säulen und zielt auf die Aufwertung der Siegener Oberstadt: Im Basement und Erdgeschoss knüpfen Einzelhandel und Gastronomie an die alte Kaufhaustradition an. Mit dem Einzug der Volkshochschule, der Stadtbücherei und des Stadtarchivs in die oberen drei Etagen hat das Gebäude den Charakter eines „kommunalen Kulturkaufhauses“ bekommen.

Was Werdohl mit Lünen verbindet

Auch in Lünen sieht Stephanie Erben ein interessantes Beispiel, wie ein ehemaliges Kaufhaus genutzt werden kann. Dort wurde das ehemalige Hertie-Haus zu einem Wohn- und Geschäftshaus umgebaut. Im Erdgeschoss sind gewerbliche Nutzungen wie Handel und Gastronomie angesiedelt, in den oberen Geschossen befinden sich barrierefreie Mietwohnungen.

Das Hertie-Haus in Lünen. In der 86.000-Einwohner-Stadt führten eine Expertenwerkstatt und das Engagement der Wohnungsbaugenossenschaft zum Ziel.

„Das Hertie-Haus hatte für Lünen eine ähnliche Bedeutung wie das WK Warenhaus für Werdohl. Es machte rund ein Fünftel der gesamten Verkaufsfläche der Lüner Innenstadt aus“, weiß Stephanie Erben und findet vor allem die Lüner Vorgehensweise interessant. Die Stadt Lünen sah nach der Schließung dringenden Handlungsbedarf und führte eine Expertenwerkstatt durch.

So ist man in Lünen vorgegangen

Ziel dieser Expertenwerkstatt war es, Entwicklungsperspektiven für die Immobilie zu klären und ein Zielkonzept zu erarbeiten. „Mit den Eigentümern der Immobilie hatte die Stadtverwaltung zudem für die Zwischenzeit einen Vertrag geschlossen und so die Schlüsselgewalt erhalten. Dadurch konnten Zwischennutzungen etabliert werden“, berichtet Erben.

Für Ideenwerkstatt und Zwischennutzungen konnten Förderprogramme genutzt werden. Die Stadt hat dann gezielt mit einem Investorenbrief Projektentwickler und Investoren angesprochen. Dieser Investorenbrief fasste die Zielvorstellungen zusammen. Daraufhin kaufte die Wohnungsbaugenossenschaft Bauverein Lünen die Immobilie und entwickelte die Ideen mit einem Lüner Projektentwickler weiter.

Gemeinschaft aus Investoren und Bürgern

Ein sehr interessantes Beispiel sei auch das 2009 geschlossene Karstadt-Haus in Gelsenkirchen-Buer, sagt Erben. „Eine Investorengemeinschaft aus lokalen Investoren und Bürgern hat die Immobilie gekauft und kooperativ mit der Stadt den Umnutzungsprozess vorangetrieben“, berichtet sie, wie man in der Ruhrgebietsstadt vorgegangen ist.

Die Bürger seien über regelmäßige Pressekonferenzen, Führungen und Baustellenbesichtigungen intensiv mitgenommen worden. Erben: „Heute ist das Linden-Karree, wie das Haus jetzt heißt, eine Mischung aus Einzelhandel, Dienstleistung und Pflegeheim.“

Das Hauptproblem vieler Städte

Ein Hauptproblem für viele Städte ist, dass eine neue Nutzung der stillgelegten Warenhäuser oft lange auf sich warten lässt. Mehrere Jahre Leerstand seien nicht ungewöhnlich, betont Immobilienexperte Atzberger. „Diese Zeiten sind gefährlich, gerade für Klein- und Mittelstädte. Denn wenn dort eine so große Immobilie brachliegt, kommt es zu einer Erosion des Einzelhandels in der Umgebung“, warnt er.

* fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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