Gesamtschule gut versorgt, aber:

Zu wenige Lehrer an Grundschulen

An den Grundschulen in Werdohl fehlen durchweg Lehrkräfte. Die Schulen versuchen mit dem vorhandenen Personal Unterrichtsausfall zu vermeiden.
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An den Grundschulen in Werdohl fehlen durchweg Lehrkräfte. Die Schulen versuchen mit dem vorhandenen Personal Unterrichtsausfall zu vermeiden.

Es sieht auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus mit der personellen Ausstattung an den Werdohler Schulen. Das zeigen Zahlen, die das NRW-Schulministerium jetzt für das Schuljahr 2020/21 für jede Kommune und jede Schule im Land vorgelegt hat.

Stichtag der Erhebung ist der 1. Dezember 2020. Dennoch gibt es Lehrermangel, vor allem an den Grundschulen.

Die Lehrerversorgung der Werdohler Schulen ist – von ein, zwei Ausnahmen abgesehen – gar nicht einmal so schlecht. Glaubt man den Zahlen, die das Schulministerium vor ein paar Tagen vorgelegt hat – und es gibt keinen vernünftigen Grund daran zu zweifeln – waren die Stellen in den Bildungseinrichtungen zu beinahe 100 Prozent besetzt, in einem Fall sogar deutlich darüber. Alles gut also in den Schulen an Lenne und Verse? Nicht ganz, wie Nachfragen bei den Schulleitern ergeben.

Rund ein Viertel der Lehrkräfte verloren

Warum hat zum Beispiel die Evangelische Martin-Luther-Grundschule in Ütterlingsen innerhalb eines Jahres rund ein Viertel ihrer Lehrkräfte verloren? Ende 2019 lag die Personalausstattung dort noch bei 106 Prozent, ein Jahr später nur noch bei 77,7 Prozent. Schulleiterin Britta Schwarze hat eine Erklärung: „Wir haben ein junges Kollegium, da muss man damit rechnen, dass junge Kolleginnen schwanger werden. In diesem Jahr hatten wir tatsächlich vier schwangere Kolleginnen.“ Unterrichtsausfall gebe es in der Regel dennoch nicht, versichert Schwarze: „Wir sorgen dafür, dass wir möglichst den Stundenplan garantieren.“ Die Stundentafel, also die Vorgabe des Kultusministeriums, wie viele Stunden in den einzelnen Unterrichtsfächern erteilt werden müssen, werde erfüllt. In der Grundschule sei das kein Problem, da die Lehrer dort alle Fächer abdeckten, sagt Schwarze. „Das Problem ist aber der Lehrermangel“, betont sie, dass sich grundsätzlich zu wenig Pädagogen die Arbeit teilen können.

Besser ist die Situation an der katholischen St.-Michael-Grundschule in der Stadtmitte. Dort unterrichten laut Information aus dem Schulministerium sogar zwei Lehrkräfte – zusammen 44 Stunden – mehr als noch vor einem Jahr, wodurch sich die Versorgungsquote von 90,9 auf 93,4 Prozent verbessert hat. Allerdings seien derzeit zwei Lehrkräfte im Mutterschutz beziehungsweise der Elternzeit, berichtet Schulleiterin Maria Apprecht. Der Mangel mache sich vor allem in der Sonderpädagogik bemerkbar, diese Stelle sei derzeit überhaupt nicht besetzt. Aber auch in Englisch und Sport könnte die Schule noch Verstärkung gebrauchen.

Gemeinschaftsgrundschule liegt bei knapp 88 Prozent

An der größten Werdohler Grundschule, der Gemeinschaftsgrundschule mit den beiden Unterrichtsorten Königsburg und Kleinhammer, hat sich die Personalsituation geringfügig verbessert. Die Quote lag Ende 2019 noch bei 84,2 Prozent, mittlerweile beträgt sie 87,9 Prozent.

Während von den Werdohler Grundschulen keine einzige personell voll besetzt ist, liegt die Städtische Realschule sogar über dem Soll. 111,1 Prozent betrug die Personalausstattungsquote dort Ende 2020, und das, obwohl sie auch ein Jahr zuvor schon bei 99,3 Prozent gelegen hatte. Das dürfte damit zusammenhängen, dass in der Schule ja seit dem vergangenen Jahr keine neuen Fünftklässler mehr aufgenommen worden sind, die Schülerzahl also gesunken ist. Die Zahl der Lehrkräfte ist aber nicht im gleichen Maß zurückgegangen.

Schwierige Situation an der Realschule

Oliver Held, Leiter der Realschule, gibt zu, dass dies eine besondere Situation ist: „Für die Realschule ist es eine nicht ganz einfache Aufgabe, den Lehrkräftebedarf so zu steuern, dass bis zum endgültigen Auslaufen der Schule im Jahr 2025 die Versorgung mit Lehrkräften stimmt und auch alle Fächer hinreichend abgedeckt sind. Dies fällt uns in diesem Jahr leicht.“ Im nächsten Jahr werde das schwieriger, weil dann mehrere Lehrkräfte die Schule verließen, weiß er bereits. Hinzu kommt als Vorteil im laufenden Schuljahr: Fünf Vertretungslehrer helfen als Ersatz für beurlaubte Lehrkräfte dabei, den Unterricht ungeschmälert zu erteilen.

Trotz der derzeit guten Versorgungsquote: Wenn Oliver Held sich aussuchen könnte, für welche Unterrichtsfächer er noch Lehrkräfte an die Realschule holen könnte, würde er sich für die Naturwissenschaften entscheiden, obwohl zuletzt ein Biologie- und Physiklehrer neu zum Kollegium gestoßen sind. Vor allem aber sei die Realschule noch auf der Suche nach einem Lehrer oder einer Lehrerin für Informatik.

Gesamtschule: Nah dran an der Vollversorgung

Mit einer Quote von 99,5 Prozent ist die Albert-Einstein-Gesamtschule ganz nah dran an der Vollversorgung. Gerade für das laufende Schuljahr hat die Schule noch einmal um gut acht Prozent zulegen können, weshalb Schulleiter Sven Stocks auch zufrieden ist. „Wir sind derzeit gut besetzt“, gibt er zu. Auch der Blick in die nahe Zukunft gibt ihm keinen Anlass zur Klage. „Wir können erfreulicherweise zum Start des neuen Schuljahres vier weitere Stellen ausschreiben, je zwei für die Sekundarstufe I und für die Sekundarstufe II“, berichtet er. Eine weitere Lehrkraft wechsele im Rahmen einer Versetzung wegen Umzugs in die Region zum Riesei. Demgegenüber weiß Stocks aber auch schon von einem Abgang: „Eine Kollegin geht im neuen Schuljahr in ein Sabbatjahr und anschließend in Pension.“

Ungeachtet der recht guten Personalsituation sieht Stocks in einigen Unterrichtsfächern noch Personalbedarf. Er nennt Mathematik, Physik, Kunst, Englisch, Katholische Religionslehre, Technik und Informatik und vor allem Musik. Diese Fächer seien ausgeschrieben worden. Das Musikangebot möchte die Gesamtschule unter anderem durch eine Kooperation mit der Musikschule weiter ausbauen.

Ausweitung der Ganztagsangebote

„Die weiteren Stellen eröffnen zusätzliche Möglichkeiten im Bereich der individuellen Förderung aller Schülerinnen und Schüler und einer Ausweitung der Ganztagsangebote“, erklärt Stocks, warum er die personelle Aufstockung für wichtig hält. „Weiterhin helfen die zusätzlichen Lehrerstunden, Unterrichtsausfälle zu vermeiden und Stunden fachbezogen vertreten zu können“, legt der Schulleiter Wert auf qualitativ guten Unterricht beispielsweise auch bei krankheitsbedingten Lehrerausfällen. Und nicht zuletzt hat Sven Stocks im Blick, dass demnächst ein zusätzliches Wahlangebot ab Klasse 9 eingeführt werden sollen. Auch dabei seien zusätzliche Stellen natürlich hilfreich.

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