Kreativität bei der Zeugnisvergabe

Zeugnis zum Download

Stühle sind in einem Klassenzimmer der Grundschule in der Köllnischen Heide hochgestellt.
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Die Stühle im Klassenzimmer sind verwaist, die Tafel seit Wochen unbenutzt. Viele Lehrer haben ihre Schüler schon seit Wochen nicht mehr richtig gesehen. Trotzdem müssen sie nun deren Leistung bewerten.

Zeugnisse, die per Post ins Haus flattern oder in einer App zum Download zur Verfügung stehen - in Pandemie-Zeiten gehört das zum Werdohler Schulalltag.

Von einem geregelten Schulleben können Schüler und Lehrer momentan nur träumen. Aber zumindest in einem Punkt soll Normalität herrschen: Trotz der Pandemie wird die Leistung der Kinder und Jugendlichen im vergangenen Halbjahr benotet. Die Übergabe der Halbjahreszeugnisse ist während des Lockdowns allerdings alles andere als normal. Die Schulleiter in Werdohl haben dafür unterschiedliche Wege gewählt.

„In diesen besonderen Zeiten sind besondere Ideen gefragt“, stellt Michael Stemski fest. Der Konrektor der Realschule berichtet, dass den Schülerinnen und Schülern bald „Zeugnispost“ ins Haus flattern wird. „Wir versenden am Freitag unser zweites Materialpaket. Dann werden wir auch die Zeugnisse mit der Post versenden.“ Allerdings: Die Originale bleiben gut verwahrt in der Schule; verschickt wird lediglich einen Fotokopie. „Wenn der Präsenzunterricht wieder starten darf, müssen die Schüler die Zeugnis-Kopie unterschrieben mit in die Schule bringen, um das Original zu erhalten“, erklärt Stemski.

Zeugnis-Fotokopien kommen per Post

Die Zusendung der Zeugnis-Fotokopien ist mit enormen zusätzlichem Aufwand verbunden. „Das nehmen wir in dieser Situation in Kauf“, sagt Stemski. Ohnehin sei der Organisationsaufwand für das Homeschooling enorm. „Wenn man möglichst allen Schülern gerecht werden will, muss man sich nicht nur als Lehrkraft ständig selbst reflektieren, man muss auch viele Stunden Arbeit investieren.“

Die Schüler der Albert-Einsstein-Gesamtschule können ihre Zeugnisse ebenfalls nicht persönlich entgegen nehmen. „Die Abholung in der Schule kam für uns nicht in Frage. Wir wollen nicht, dass es zu vielen Kontakten kommt“, unterstreicht Schulleiter Sven Stocks. Das Kollegium habe sich viele Gedanken gemacht, und zunächst über einen Zeugnis-Drive-in nachgedacht. „Aber das wäre organisatorisch sehr schwierig gewesen. Rein rechnerisch hätten wir neun Stunden ununterbrochen Drive-in anbieten müssen.“ Zudem hätten sich die Eltern an festgelegte Zeiten halten müssen, was nicht in jedem Fall machbar sei. „Und es hat auch nicht jeder ein Auto“, stellt Stocks fest.

Drive-in-Idee wieder verworfen

Deshalb sollen die Gesamtschüler ihre Zeugnisse auf digitalem Weg, über die App Schoolfox erhalten. „Allerdings ohne Siegel und Unterschrift“, erklärt der Schulleiter. Wie die Realschüler erhalten auch die Gesamtschüler die Originale erst, wenn wieder Präsenzunterricht stattfindet. Die Jugendlichen müssen dazu einen unterschriebenen Ausdruck des zugestellten Vorabzeugnisses mitbringen.

Der überwiegende Teil der Gesamtschüler werde das Zeugnis am Freitag erhalten. „In dieser besonderen Situation schließe ich aber auch nicht aus, dass einige schon am Donnerstag ihr Zeugnis erhalten. Oder, dass wir am Freitag mit dem Versand nicht ganz fertig werden.“

Wie Michael Stemski berichtet auch Sven Stocks von einem hohen organisatorischem Aufwand, trotz der digitalen Lösung: „Im Gegensatz zu den Sammelinformationen, die beim Distanzlernen in die Klassengruppen geladen werden können, müssen die Zeugnisse natürlich jedem Schüler individuell zugestellt werden.“

Zeugnisübergabe an der frischen Luft

Dagegen werden die Zeugnisse an den Werdohler Grundschulen den Eltern persönlich ausgehändigt – selbstverständlich sollen dabei die Abstands- und Hygieneregeln beachtet werden. „Wir übergeben die Zeugnisse an die Eltern an beiden Standorten an der frischen Luft, weil wir kein Risiko eingehen möchten“, berichtet Nina Manns, die Leiterin der Werdohler Gemeinschaftsgrundschule. Sowohl an der Feldstraße als auch in Kleinhammer könne die Zeugnisausgabe unter einer Überdachung stattfinden. Für jede Klasse stünden bestimmte Zeitfenster zur Abholung zur Verfügung.

Etwa 170 Dritt- und Viertklässler sollen ihre Beurteilungen auf diese Weise am Donnerstag- oder Freitagvormittag erhalten. „In Ausnahmefällen haben wir auch Nachmittagstermine mit den Eltern vereinbart“, berichtet Nina Manns von der Flexibilität der Lehrkräfte in diesen besonderen Zeiten.

Individuelle Terminabsprache mit den Eltern

„Jeder Kollege hat die Terminabsprache individuell geregelt“, erklärt Maria Apprecht, Leiterin der katholischen Grundschule St. Michael. Da ohnehin nur die Dritt- und Viertklässler ein Zeugnis erhielten, „bleibt das im überschaubaren Rahmen“, so Apprecht. „Wenn sich etwa 100 Personen auf die Woche verteilen, vormittags und einige auch nachmittags, kann es nicht zu Andrang kommen.“

Die Dritt- und Viertklässler, die in Ütterlingsen zur Schule gehen, werden ihr Zeugnis im Zeitraum von Mittwoch bis Freitag erhalten. Auch an der Martin-Luther-Grundschule würden etwa 100 Zeugnisse verteilt. „Wir haben Termine vergeben. Bei dieser Gelegenheit können die Eltern auch noch die eine oder andere Frage an der Tür loswerden“, erklärt Schulleiterin Britta Schwarze. Räumlich gesehen sei es in Ütterlingsen nicht problematisch, die Eltern im Gebäude zu empfangen und sie wieder herauszulassen – ohne, dass sie sich begegnen. „Wir haben mehrere Ein- und Ausgänge. Das bietet uns gute Möglichkeiten“, so Schwarze.

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