Zeugen schildern Vorfall im Alten Dorf: „Er hat ordentlich Gas gegeben“

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Werdohl - Es waren noch einige Menschen unterwegs in der Schützenfestnacht zum 2. Juli, als gegen 3.30 Uhr der 27-jährige Angeklagte mit seinem Mercedes-Benz einen 25-jährigen „Widersacher“ auflud und verletzt auf der Straße zurückließ.

Entsprechend zahlreich sind die Zeugen, die das Geschehen beobachteten. Kleine bis mittlere Differenzen in der Darstellung können dabei kaum überraschen. Das Schwurgericht ging am dritten Verhandlungstag noch einmal dem genauen Ablauf des Geschehens nach. 

Einstimmig berichteten die Zeugen, wie der Angeklagte nach der Einfahrt in die Straße Altes Dorf zunächst einen Schlenker nach rechts machte und dem Geschädigten „über die Füße“ fuhr, um dann auf dem Parkplatz der Sackgasse zu wenden und „mit quietschenden Reifen“ Anlauf zu nehmen. 

War es Fahrlässigkeit?

Kann es sein, dass der Angeklagte es lediglich sehr eilig hatte wegzukommen? Dass das Ganze eine Fahrlässigkeit war? Der Vorsitzende Richter Marcus Teich stellte allen Zeugen die Frage, ob links oder rechts noch genug Platz auf der Straße gewesen wäre, um an dem 25-Jährigen vorbeizufahren. 

Und er bekam sehr unterschiedliche Antworten: „Wenn er ganz rechts eingeschlagen hätte, hätte er vorbeifahren können“, erinnerte sich ein 19-jähriger Zerspanungsmechaniker. Ein anderer Zeuge erinnerte sich an „eher nicht genügend Platz, um rechts oder links vorbeizufahren“. 

Antrag auf Vereidigung abgelehnt

Der Aussage, dass sein Mandant nach Angaben dieses Zeugen nicht hätte ausweichen können, wollte Verteidiger Andreas Trode besonderes Gewicht verleihen. Doch die Kammer lehnte den Antrag auf Vereidigung des Zeugen ab. Seine Aussage widerspreche zwar teilweise den Aussagen der anderen Zeugen, doch betreffe sie „nicht so sehr den Kern des Verfahrens“. 

„Dass da nicht beliebig viel Platz war – davon würde ich nach dem jetzigen Stand ausgehen“, hielt sich der Vorsitzende etwa in der Mitte der Aussagen. Bis auf einen waren sich die Zeugen einig, dass sie quietschende Reifen und den aufheulenden Motor des Autos des Angeklagten gehört hatten.

„Er hat schon ordentlich Gas gegeben“

„Er hat schon ordentlich Gas gegeben“, sagte einer von ihnen. Auf 50 bis 60 km/h schätzte ein Zeuge die Geschwindigkeit „auf der kurzen Strecke“. Solche Tempo-Schätzungen seien eine problematische Sache. Aber auch andere Zeugen lagen mit ihren Schätzungen „deutlich über“ der ausgeschilderten Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern. 

Für eine kleine Überraschung sorgte ein Zeuge, der ein nicht unwichtiges Detail bei der Polizei noch gar nicht berichtet hatte: Nachdem der Angeklagte dem Geschädigten über die Füße gefahren war, habe er mit dessen Rückkehr gerechnet. „Ich wusste, dass das eine Sackgasse war.“ 

Leere Getränkeflasche als Wurfgeschoss

Derart vorbereitet habe er nach einem Wurfgeschoss gesucht und eine leere Getränkeflasche aus Plastik gefunden. Die habe er „auf den Wagen geworfen“, als dieser auf den Geschädigten zufuhr. Die vorangegangene Auseinandersetzung mit dem Angeklagten im „Paradies“ schilderte der Zeuge als eine „intensiv geführte Diskussion“, die „auf dem Weg zu einer körperlichen Auseinandersetzung“ gewesen sei. 

Dazu sei es aber in keiner Weise gekommen: „Es gab keinen Faustschlag – definitiv nicht.“ Der Prozess wird am Montag ab 9.30 Uhr im Landgericht fortgesetzt.

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