Aus Sammlung des Milliardärs Haub

Zeppelinstadt Werdohl: Verein gelingt Auktions-Coup

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Den handgeschriebenen Zeppelin-Brief, den Moritz-Adolf Trappe hier zeigt, konnte der Verein Zeppelinstadt Werdohl bei einer Auktion ersteigern. Die Volksbank in Südwestfalen, vertreten durch Detlef Klinke (links), und die Kulturstiftung der Provinzial-Versicherung, repräsentiert durch Michael Henke (rechts), haben den Ankauf möglich gemacht.

Werdohl – Selbst „stumme Zeugen“ wie Fotos und Ansichtskarten erzählen mitunter spannende Geschichten. Einen solchen Zeugen hat der Verein Zeppelinstadt Werdohl jetzt bei einer Auktion ersteigern können.

Einen Brief, den Graf Zeppelin im Mai 1901 an den österreichischen Luftfahrtpionier Hermann von Hoernes geschrieben hat. Was ist das Besondere daran? „Der Brief stellt somit einen wichtigen Beleg und ein von Zeppelin eigenhändig geschriebenes Bindeglied zwischen den drei im Werdohler Umfeld konstruierten und gebauten Luftschiffsystemen Schwarz, Zeppelin und Erbslöh dar“, erklärt Moritz-Adolf Trappe, Vorsitzender des Zeppelin-Vereins. 

In dem Brief wird das Schwarzsche Luftschiff thematisiert, das ab 1893 nach Plänen des österreichisch-ungarischen Luftfahrtpioniers David Schwarz in Russland konstruiert worden ist. Ob es jemals in die Luft gegangen ist, ist umstritten. Genauso behaupten manche Experten, Zeppelin habe den Bau dieses Luftschiffes in Auftrag gegeben, habe aber seinen Namen nicht damit in Verbindung bringen wollen – eben, weil es damals in Russland gebaut werden sollte. 

Ein echter Beweis?

„Graf Zeppelin streitet in dem Brief sämtliche konstruktiven Anlehnungen an das ebenfalls bei Berg in Eveking gebaute Luftschiff von David Schwarz ab“, erklärt Moritz-Adolf Trappe und glaubt, mit dem ersteigerten Brief des Grafen an den Technikjournalisten von Hoernes den Beweis dafür in den Händen zu halten. „Der Brief ist eines der wenigen Dokumente, die darauf überhaupt Bezug nehmen“, glaubt Trappe. Zugleich ist das Schriftstück in seinen Augen ein wichtiger Beweis dafür, dass in Werdohl, Lüdenscheid und Altena, in einem Umkreis von nur wenigen Kilometern, zwischen 1890 und 1916 drei verschiedene Luftschiffsysteme konstruiert und gebaut wurden und das Aluminiummaterial für rund 60 Zeppelin-Luftschiffe hergestellt wurde. 

Mindestens so spannend wie das weitere kleine Kapitel der Zeppelin-Geschichte, das der Brief schreibt, ist aber die Geschichte, wie das Schreiben überhaupt nach Werdohl gekommen ist. Es stammt nämlich aus der Sammlung des verstorbenen deutschen Milliardärs Erivan Haub, die derzeit weltweit versteigert wird. Nach einem Tipp eines Bekannten habe er auf das Zeitdokument mitgeboten, erklärte Trappe. Für einen größeren dreistelligen Betrag habe er schließlich den Zuschlag erhalten, berichtet er, wie der Coup zustande gekommen ist. Trappe ist davon überzeugt, damit ein Schnäppchen gemacht zu haben. „Zuletzt war der Brief 1978 in einer Auktion in Frankfurt für einen deutlichen höheren Preis versteigert worden“, behauptet er. und bezeichnete den Brief als „spektakuläre Neuerwerbung“ des Werdohler Zeppelin-Vereins, der bei dem Deal auf finanzielle Unterstützung der Volksbank in Südwestfalen und der Kulturstiftung der Westfälischen Provinzial-Versicherung bauen konnte. 

Versteigerung der "Erivan-Sammlung"

Durch die Versteigerung der sogenannten „Erivan-Sammlung“ ist der Verein auch in den Besitz mehrerer Postkarten mit Bezug zum Grafen Zeppelin und seinen Luftschiffen gekommen. Dabei handelt es sich allerdings um Dauerleihgaben. 

Nach Worten von Moritz- Adolf Trappe verfügt der Verein Zeppelinstadt Werdohl mittlerweile über rund 2500 Objekte, mit denen die Verbindung zwischen Werdohl und dem Luftschiffbau des Grafen Zeppelin dokumentiert werden kann. Auch eine umfassende Bibliothek sei im Besitz des Vereins. „Das alles möchten wir gerne in einem Zeppelin-Museum präsentieren, möglichst in den Gebäuden der ehemaligen Carl Berg AG in Eveking“, sagt Trappe über die langfristigen Pläne des Vereins.

Erivan Haub (1932-2018) war war ein deutscher Unternehmer und Miteigentümer der Unternehmensgruppe Tengelmann, die er von 1969 bis 2000 leitete. Erivan Haub war einer der reichsten Deutschen; sein Vermögen wurde in der Forbes-Liste des Jahres 2014 mit etwa 5,2 Milliarden US-Dollar angegeben. Haub war Philatelist. Seine umfangreiche Briefmarkensammlung enthielt zahlreiche Seltenheiten von Weltrang. Die „Sammlung Erivan“ umfasst unter anderem Briefmarken und Briefe der Sammelgebiete „Altdeutsche Staaten“ und „Postbeförderung mit Zeppelinen“. In der Altdeutschland-Philatelie gilt sie als die vollständigste jemals zusammengetragene Sammlung. Seit Mitte 2019 wird die „Sammlung Erivan“ weltweit in mehr als 30 Auktionen versteigert. Aufgerufen werden rund 8000 Lose.

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