Grüne Damen und Herren bereichern das Werdohler Klinikum

Patientin Johanna Bauer freut sich über den Besuch von Marga Holst (Mitte). Die grüne Dame arbeitet eng mit Krankenschwester Martina Stein-Kerstan zusammen. ▪

WERDOHL ▪ Jeden Vormittag sind sie mit einer Zeitung in der Hand auf den Fluren des Werdohler Krankenhauses unterwegs. Sie klopfen an die Patientenzimmer und fragen vorsichtig nach den Wünschen der erkrankten Menschen. „Wir nehmen uns Zeit und hören einfach zu“, sagt Marga Holst von den Grünen Damen – und Herren.

Für viele Patienten sind sie ein Segen in den Morgenstunden. Die Erkrankten sprechen über ihren Krankheitsverlauf oder das aktuelle Tagesgeschehen in der Stadt an der Lenne. „Ich habe immer eine Zeitung dabei. Dann ergibt sich schon ein Gesprächsthema“, erzählt Holst.

15 Frauen und zwei Männer übernehmen von Montag bis Freitag jeweils am Vormittag den Besuchsdienst. Sie tragen die grünen Kittel mit etwas Stolz und sind mit großem Engagement in ihre Aufgabe vertieft. „Wir erledigen auch mal kleine Besorgungen, übernehmen die Anmeldung des Telefons, helfen beim Ausfüllen von Formularen oder reichen Getränke an“, erklärt die Werdohlerin einige Aufgaben dieser ehrenamtlichen Tätigkeit. „Wir unterliegen aber auch der Schweigepflicht“, betont sie danach ausdrücklich. Vor allem Sensibilität sei bei ihrer Arbeit gefragt fügt sie an und gibt auch zu: „Wir schlucken auch mal, wenn man aus einem Zimmer raus geht.“

Zwei Herren gehören seit einigen Jahren auch zum Team der „grünen Engel“. „Die sind ein richtiger Gewinn“, freut sich Marga Holst über die Tatkraft der männlichen Mithelfer. Einer der beiden lag selbst im Werdohler Klinikum und ging kurze Zeit später in Pension. „Der hat mich angesprochen, dann haben wir ihn uns angeguckt und es hat einfach gepasst“, erzählt die grüne Dame, wie unbürokratisch das Helfen bei der Gruppe organisiert wird.

Viele positive Erinnerungen verbindet Marga Holst mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz für die Patienten. „Da denke ich vor allem an eine Geschichte kurz vor Weihnachten“, erzählt die Rentnerin. Damals musste eine Patientin über die Feiertage im Krankenhaus bleiben und hatte nicht genug Kleidung mit. Schnell fuhren zwei grüne Damen zu ihrer Wohnung und brachten der Frau die benötigten Sachen. „Erst war sie ganz aufgelöst und dann überglücklich“, erzählt Holst und fügt begeistert an: „Das ist ein wirklicher Moment. Da weiß man, dass man eine Freude gemacht hat.“

Insgesamt sei die Gruppe sehr gut aufgestellt. Zwei bis drei Stunden pro Tag sind bis zu drei Damen oder Herren im Krankenhaus unterwegs. Zudem unterhalten sie im fünften Stock eine kleine Bücherei und fahren donnerstags mit dem Bücherwagen über die Station.

Als die Gruppe 1981 gegründet wurde, waren allerdings auch Ängste vorhanden, weiß Marga Holst. „Man rechnete mit Rivalität zu den Schwestern“, erzählt sie freimütig, doch davon ist heute im Krankenhaus nichts zu spüren. „Wenn sie nicht da wären, dann würde etwas fehlen“, betont Schwester Martina Stein-Kerstan. Die Krankenschwester betont zudem die positive Mittlerfunktion der Grünen Damen zwischen Patient und Krankenhauspersonal.

Patientin Johanna Bauer strahlt auf jeden Fall, als Marga Holst ihr Zimmer betritt. „Der Kontakt, die Sympathie – das war von Anfang an da“, sagt sie. Johanna Bauer war selbst mal eine Grüne Dame, doch ein neuer, in Köln wohnender Lebenspartner, ließ keine Zeit mehr für das Ehrenamt. Schnell ist ein Gesprächsthema gefunden, denn die Patientin kommt gerade von einer Urlaubsreise.

Über weitere Helfer und Helferinnen würden sich die Grünen Damen natürlich freuen. „Wer Interesse hat kann mich anrufen“, sagte Marga Holst, die unter Tel. 02392/62 68 0 erreichbar ist. ▪ David Schröder

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