„Zehner, ihr seid frei, ihr seid entlassen“

Die beiden Abschlussklassen der Realschule stellten sich mit ihren Klassenleitungen Doris Pohl und Hartwig Ohlsson sowie Schulleiter Bernd Bunge vor der Bühne der Realschule zum allerletzten Gruppenbild auf.

WERDOHL ▪ Selten wurde ein Abschlussjahrgang an der Realschule so gelobt wie dieser. Schul- und Klassenleitung sowie die Elternvertreter waren sich in ihren Reden einig, dass die 37 Jungen und Mädchen einen ausnehmend starken Eindruck hinterlassen hatten.

20 Mädchen und 17 Jungen wurden gestern entlassen. 21 davon haben die Fachoberschulreife erhalten mit der Berechtigung, die gymnasiale Oberstufe zu besuchen. 13 haben die einfache Fachoberschulreife erlangt, einer bekommt den Hauptschulabschluss, zwei müssen nach den Sommerferien in die Nachprüfung. Alle Schüler sind für die nahe Zukunft gut versorgt: 15 besuchen die gymnasiale Oberstufe an der AEG oder umliegenden Gymnasien, sieben starten eine Berufsausbildung, 14 besuchen eine Fachoberschule. Einen Wiederholer gibt es auch. Die Klassenbesten sind Katharina Weigand und Chantal Zimatt. Kübra Bayram wurde ganz überraschend von Schulleiter Bunge nach vorn gebeten, weil sie sich einer Fach-Abweichprüfung gestellt und diese mit der Note „sehr gut“ bestanden hatte.

Bunge bedankte sich in seiner Rede ganz persönlich bei dem Jahrgang, zu dem auch ein behinderter Junge gehörte: „Ihr habt gezeigt, dass Integration möglich ist und gelingen kann.“ Der ganze Jahrgang sei „multi-kulti“ gewesen, ohne dass es den Kindern vielleicht so bewusst gewesen sei. Bunge: „Ihr seid locker und unverkrampft miteinander umgegangen.“ Natürlich hätten das Bestehen der zentralen Prüfungen und das Erlangen einer Lehrstelle absoluten Vorrang im Realschulleben, so Bunge. Vor allem dieser Jahrgang habe aber hohe soziale Kompetenzen erreicht. Bunge sprach von „hohen Werten und großen Zielen“, für die die Zehner nun tatsächlich reif seien.

Hehre Ziele hatte auch Klassenleiter Hartwig Ohlsson in seiner Rede angesprochen. Er riet seinen nunmehr ehemaligen Schülerinnen und Schülern hinzusehen, Verantwortung zu übernehmen, Lösungen zu finden, sich einzumischen und die eigene Meinung zu sagen. Ohlsson griff am Ende seiner Rede sehr hoch: „Die Welt gehört euch. Ihr habt die Fähigkeit, dieser Welt wieder auf die Beine zu helfen.“

Hoch emotional hatte auch Elternvertreterin Doris Klamann ihre letzte Rede in dieser Situation gehalten, hatte doch das jüngste ihrer drei Kinder gestern den Abschluss an der Realschule erlangt. Sie sprach nach einem Zitat von Heinz Rühmann vom „Lächeln als das Kleingeld des Glücks“. Sie trug den Jungen und Mädchen liebevolle Wünsche der Eltern an: „Passt auf euch auf, denn ihr seid wertvoll.“ Einen besonderer Dank von Klamann ging auch an die beiden Klassenleitungen: Sie hätten die Kinder mit Geduld und Zuversicht durch die Schule geleitet.

Bürgermeister-Stellvertreter Dirk Middendorf sah die Realschule gut aufgestellt im „ausgebrochenen Konkurrenzkampf der Schulen um den Faktor Schüler“. Wie auch beim Entlass an der AEG warb er bei den jungen Leuten darum, sich in der Stadt zu engagieren: „Wir in Werdohl sind im Endeffekt auf Sie angewiesen.“ Die Zehner könnten stolz auf das Geleistete sein, sie seien gut vorbereitet: „Und jetzt trauen Sie sich was, zeigen Sie, was Sie gelernt haben!“

Die Schülersprecherinnen Kübra Serin und Anna Schmitt verglichen ihre Schulzeit mit einem Höhenlauf. Sie hätten in den sechs Jahren an der Realschule neben den Fächern auch Zusammenhalt, Respekt und Freundschaft gelernt. Nun beginne der eigentliche Marathon: „Jeder bestimmt sein Ziel nun selbst.“

Schulleiter Bunge und die beiden Klassenleitungen übergaben anschließend ihren Schülern die Zeugnisse, die sich dafür mit Rosen und herzlichen Umarmungen bei ihren Lehrern bedankten. Lehrerin Doris Pohl gestand unumwunden Rührung: „Ich bin genauso aufgeregt.“

Etwas Wehmut, aber hauptsächlich Zuversicht klang zum Schluss bei Bernd Bunge durch: „Zehner, ihr seid frei, ihr seid entlassen.“

Volker Heyn

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