Zehn Millionen Euro bei TKB Werdohl investieren

Die Mitarbeiter wollen alles andere, als den TKB-Standort Werdohl zu Grabe tragen.

WERDOHL ▪ Zehn Millionen Euro müsste das Unternehmen ThyssenKrupp Bilstein in die Hand nehmen, um am Werksstandort Werdohl technische Verbesserungen einzuleiten, eine erhöhte Produktivität zu erreichen und auf die inzwischen gängigen, gestiegenen Qualitätsanforderungen der Auftraggeber zu reagieren. Dann – so ist sich die TKB-Betriebsratsspitze mit Udo Böhme und Michael Daub sicher – kann das Ziel, mittelfristig wieder schwarze Zahlen an der Lenne zu schreiben, erreicht werden.

Die genannte Zahl – aber auch das Zugeständnis, das Personal von derzeit 108 auf knapp unter 90 Mitarbeiter herunter zu schrauben – ist Bestandteil eines 126 Seiten umfassenden Konzeptes, das der Betriebsrat mit Unterstützung der PCG Projekt Consult GmbH aus Düsseldorf in den vergangenen Wochen erstellt hat.

„Das Ergebnis liegt vor und belegt, dass eine schwarze Zahl möglich ist. Es bleibt nun die Frage, was politisch gewollt ist“, so Betriebsratsvorsitzender Udo Böhme, der nun insbesondere einen Termin fest im Blick hat. Der Tag der Entscheidung rückt näher, denn am kommenden Donnerstag tritt der Aufsichtsrat der Firma ThyssenKrupp Bilstein in Essen zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um darüber abschließend zu entscheiden, ob der Standort Werdohl erhalten bleibt oder keine Zukunft mehr hat.

Als Beratungsgrundlage liegt diesem Gremium das erwähnte Konzept vor, dessen Eckpunkte vor der Aufsichtsratssitzung unter anderem auch den Mitarbeitern in Werdohl in einer Informationsveranstaltung und dem TKB-Wirtschaftsausschuss erläutert werden sollen.

Ohne Investitionen in den Standort Werdohl, so erläuterten Udo Böhme und Michael Daub am Freitagvormittag, kann das Ziel – der Standort-Erhalt – allerdings nicht erreicht werden. Außer Geldern für die Instandhaltung seien in den letzten acht Jahren keine Mittel für Verbesserungen nach Werdohl geflossen; die wurden eher „in andere Standorte gesteckt“.

Mit den genannten zehn Millionen Euro, die über zwei bis drei Jahre gestaffelt in den Standort gesteckt werden sollen, würde Werdohl wieder leistungsfähig und wäre „eine Investition für die Zukunft“. Dabei machten Böhme und Daub auch eine Gegenrechnung auf: Die Schließungskosten würden ihrer Ansicht bei nach weit über 20 Millionen Euro liegen, „und selbst die Geschäftsleitung geht konservativ von gut 18 Millionen aus“, so die beiden Betriebsräte.

Mit der Investition in den Standort könnten hingegen die Kapazitäten erhöht werden. Zwar befinde sich so mancher Auftrag wegen der Krise noch in der Warteschleife, „aber jede Krise geht einmal zu Ende“, weiß Udo Böhme, der auch darauf verweist, dass im Werk im April erstmals seit Dezember 2008 keine Kurzarbeit mehr gefahren wird.

Wenn der Standort Werdohl nicht mehr zur Verfügung stehe, könnten die anderen Werke die verstärkte Nachfrage nicht auffangen; der Markt könnte dann nicht mehr ausreichend gut bedient werden, und der Konzern „müsste sich aus der Führungsrolle als Zulieferer der Automobilindustrie verabschieden“, so der Betriebsratsvorsitzende. ThyssenKrupp Bilstein liefert Federn an nahezu alle bekannten Automarken (mit Ausnahme von BMW).

Das am nächsten Donnerstag zur Beratung vorliegende Konzept hat aber auch noch eine weitere (schon ältere) Variante: Es müsse über alternative Märkte nachgedacht werden, die zwar etwas mit Federn aber nicht mit Autos zu tun haben. Hier könnten auch neue Kunden gewonnen werden.

Rainer Kanbach

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