Kölner Schauspieler zeigen die Zauberflöte für Kinder

Theater für Kinder am Riesei

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"Die Zauberflöte" für Kinder

Fidel Castro zu Besuch am Festsaal Riesei? Kam er aus dem kommunistischen Himmel in die Gefilde irdischer Kultur? Nein, die Kleine Oper am Rhein ließ nur den kleinen Scherz mit der Ähnlichkeit von Castro und Sarastro nicht aus. 

Womit wir statt im karibischen Inselparadies beim Herrscher der Sonnenwelt und der Aufklärung wären – einer der Hauptfiguren aus Mozarts berühmter Oper „Die Zauberflöte“. Die Opernwerkstatt am Rhein präsentierte ihre verkleinerte Fassung am Samstag im Festsaal Riesei und hatte dabei ein jüngeres Publikum im Blick. Die Handlung konzentrierte sich deshalb auf die Geschichte zweier Liebespaare, die durch diverse Prüfungen hindurch müssen, um sich beim doppelten Happyend in den Armen halten zu dürfen. Immer wieder schön ist dabei, dass die Spielregeln im Falle des Vogelfängers Papageno nicht so ernst genommen werden. Er darf gegen alle Auflagen verstoßen und schwatzen, wo er schweigen soll. Und doch findet er seine „Papapapa…gena“ pünktlich zu seiner letzten Arie. 

Mauricio Virgens, der als der bunte Papageno sich besonderer Sympathien des Publikums sicher sein konnte, verriet in einer Nebenbemerkung seine Herkunft: „Wir Brasilianer können auch was!“ Das war ohne Zweifel richtig, und es schien kein Zufall, dass er schon am längsten im Ensemble dieser Inszenierung war. Denn der eingetragene Verein mit Sitz in Hürth hat es sich zur Aufgabe gemacht, junge Künstler auf dem Weg ins Berufsleben zu unterstützen. Die Besetzungen der von ihr inszenierten kleinen Opern wechseln deshalb ständig. 

Wenn Papagenos Ruf „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ Gehör finden würde, wäre das allerdings ein Verlust für den Spaß an der Kleinen Zauberflöte. Nicht immer waren die Arien gut zu verstehen – das war nicht anders als in der großen Zauberflöte. Vielleicht würde ein Erzähler dabei helfen, dass die Kinder noch besser auf dem Stand der Ereignisse bleiben. Wenn Sarastro als der Repräsentant der angeblich männlichen Vernunft zu Beginn als eine Art Anführer der neoliberalen postfeministischen Bewegung beschrieben wird, sind eigentlich nur erwachsene Ohren auf Empfang. Die Kinder hatten dafür den Slapstick wie Papagenos Bananenorakel mit den berühmten Abzählen „Sie liebt mich, sie liebt mich nicht“. 

Unter Prüfungen verstand der Vogelfänger eher Übungen wie „mit den Ohren wackeln“ oder „im Bogen pinkeln“. In einem Anflug leichter Verzweiflung brachte er seinen Selbstmord an einem Baum ins Spiel und zitierte Hamlet: „Sein oder nicht sein?“. Die Kinder mussten ihn daran erinnern, dass er Papagena mit seinem Glockenspiel locken konnte. Einige durften auch auf die Bühne, um dem bei Mozart tatsächlich vorgesehenen „grimmigen Löwen“ guten Tag zu sagen. Es muss nicht immer eine Schlange sein. 

Doch auch Tamino (Takao Aoyagi) übertrieb es nicht mit dem großen sittlichen Ernst seiner Rolle. Er ergänzte die berühmte Arie „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ mit einem Ausflug in Leonard Bernsteins „West Side Story“: „I just met a girl named Pamina.“ Junge, gut ausgebildete Stimmen brachten auch die drei Sängerinnen mit: Diana Petrova in der Rolle der Königin der Nacht, Meike Zacke als Pamina und Theano Makriou als die lustige Papagena. Das machte Spaß, auch wenn die bunte Handlung für ein junges Publikum noch etwas verständlicher gestaltet werden könnte.

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