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Wurstwagen ein „Gebäude“? Jedowski bleibt an der Freiheitstraße

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Von: Jona Wiechowski

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Der Jedowski-Wurstwagen bleibt auch weiterhin an der Freiheitstraße in der Innenstadt stehen. Eine Versetzung an den Brüninghaus-Platz, wie sie die WBG vorgeschlagen hatte, ist aus mehreren Gründen nicht möglich.
Der Jedowski-Wurstwagen bleibt auch weiterhin an der Freiheitstraße in der Innenstadt stehen. Eine Versetzung an den Brüninghaus-Platz, wie sie die WBG vorgeschlagen hatte, ist aus mehreren Gründen nicht möglich. © Witt, Carla

Schon seit einiger Zeit steht der Verkaufswagen der Metzgerei Jedowski in der Werdohler Innenstadt. Die Werdohler Bürgergemeinschaft (WBG) hatte angeregt, diesen Wagen auf den Brüninghaus-Platz zu verlegen, um so wieder für eine Belebung des Platzes nach der Schließung des WK Warenhauses zu sorgen.

Doch das ist nicht ohne Weiteres möglich, wie die Stadt dem Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung in einer Beratungsvorlage mitgeteilt hat.

Damit bleibt der Wagen in der Fußgängerzone auf dem Platz neben der früheren Eisdiele stehen. Zwar wäre die Firma Jedowski zu einem Umzug bereit und würde diese räumliche Veränderung auch begrüßten – doch: „Das ist so nicht möglich“, fasste Fachbereichsleiter Thomas Schroeder die Beratungsvorlage am Dienstagabend im Ausschuss zusammen.

Haken Nummer 1

In dieser heißt es, der Verkaufswagen sei – unabhängig von seiner Eigenschaft als Verkaufsanhänger – als bauliche Anlage zu kategorisieren. „Mobile Anlagen sind aber ab einer Standzeit von vier bis sechs Wochen als Gebäude einzustufen“, heißt es. Entsprechend sei für die Versetzung des Verkaufswagens eine Baugenehmigung erforderlich. „In einem Baugenehmigungsverfahren sind sowohl die planungsrechtlichen als auch bauordnungsrechtlichen Vorschriften zu prüfen.“

Haken Nummer 2

Der Brüninghaus-Platz sei als öffentliche Verkehrsfläche einzustufen. „Öffentliche Verkehrsflächen sind Flächen, die dem öffentlichen Verkehr gewidmet sind oder dienen, der Platz ist demnach kein Baugrundstück.“ Eine bauliche Anlage könne nur auf einem Baugrundstück errichtet werden, bereits aus diesem Grunde ergebe sich, dass der Verkaufswagen auf dem Brüninghaus-Platz nicht zulässig sei.

Haken Nummer 3

Das Vorhaben würde sich laut Baugesetzbuch nicht in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen und könnte deshalb auch nicht zugelassen werden. Zwar heißt es: „Der Verkaufswagen ist im Sinne der Baunutzungsverordnung als gewerbliche Nutzung zu beurteilen. Die Art der Nutzung der umgebenen Bebauung entspricht einem Kerngebiet. In diesem wäre der Verkaufswagen zulässig.“ Doch: „Bei dem Maß der baulichen Nutzung sind diejenigen Faktoren zu prüfen, die nach außen wahrnehmbar in Erscheinung treten, unter anderem Grundfläche (absolute Größe), Geschosszahl, Gebäudehöhe. Die bereits vorhandenen Gebäude sind wesentlich größer als der Verkaufswagen, sodass das Vorhaben den Rahmen sogar erheblich unterschreitet und sich nicht in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt.“

Haken Nummer 4

In der näheren Umgebung sei sowohl die offene, als auch die geschlossene Bauweise vorhanden – mit der offenen Bauweise würde sich das Vorhaben zwar ergänzen. Doch das nächste Problem gebe es mit der Bebauung um den Brüninghaus-Platz, der eine faktische Baulinie bilde, die vom Verkaufswagen nicht eingehalten werde, da er voraussichtlich um mehrere Meter von der Bebauung entfernt errichtet werden würde. „Hinsichtlich der überbaubaren Grundstücksfläche würde sich das Vorhaben also ebenso nicht einfügen.“

Das Fazit

Die Stadt kommt letztlich zu diesem Schluss: „Das Vorhaben ist [...] in mehrfacher Hinsicht unzulässig. Ähnliche Baugesuche sind deshalb bereits abgelehnt worden.“ Die WBG forderte im Ausschuss, dem Betreiber unabhängig von den genannten Punkten eine Möglichkeit einzuräumen, den Standort Brüninghaus-Platz ausprobieren zu können.

Magnetbetrieb: Ohne Jedowski-Wagen würde Innenstadt noch mehr Attraktivität einbüßen

In der Beratungsvorlage beleuchtet die Stadt auch die Aspekte der städtebaulichen Entwicklung in Sachen Verkaufswagen der Metzgerei Jedowski. Neben der Frischfleisch-Theke im E-Center Tank stelle dieser die einzige Verkaufsstelle da, die nicht abgepacktes Fleisch verkaufe. Aus diesem Grund habe der Verkaufswagen Stammkunden, die gezielt den Standort aufsuchen – unabhängig von dessen Platzierung in der Innenstadt. „Der Wagen stellt somit einen Anreiz für diese Personen dar, gezielt die Fußgängerzone oder, bei einem Umzug, den Brüninghaus-Platz zu besuchen und ist wie zum Beispiel die Drogerie Rossmann als ‚Magnetbetrieb‘ anzusehen“, heißt es. Der jetzige Standort an der Freiheit-straße habe durch die Leerstände Freiheitstraße 4 (ehem. Eiscafé Bella Italia), Freiheitstraße 5 (ehem. Schuh Brockhaus) und 7 (ehem. Parfümerie Aurel/Atta) in den letzten Monaten bedeutend an Attraktivität eingebüßt. Durch einen Umzug sei davon auszugehen, dass noch weniger Menschen den Standort Fußgängerzone besuchen würden, was wiederum Auswirkungen auf noch bestehende Betriebe habe. „Auf der anderen Seite würde der Handelsstandort Brüninghaus-Platz durch einen Umzug des Wagens gleichermaßen an Attraktivität gewinnen und die dortigen Handelsbetriebe unterstützen, bis am Standort des ehemaligen WK Warenhauses eine neue Nutzung erfolgen würde.“

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