„Es wurde ganz dringend Zeit“

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Jürgen Krutzsch, Gastwirt im Alt Werdohl, ist von den neuen Gema-Tarifen ab 2013 angetan: „Durch die Änderung spare ich drei Viertel der bisherigen Kosten.“

WERDOHL ▪ „Es wurde ganz dringend Zeit, dass das geändert wurde“, kommentiert Jürgen Krutzsch, Betreiber des Lokals „Alt Werdohl“ die neue Tarifstruktur der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema). Im Gegensatz zum bisherigen Verfahren berechnen sich die Kosten für eine Veranstaltung mit Musik ab dem 1. Januar 2013 nach Größe des Spielraums und der Höhe des Eintrittspreises.

Der Bereich der Veranstaltungen mit Musik sei sehr wichtig für die Gema, da jährlich etwa eine Million Veranstaltungen in diesem Sektor von der Gesellschaft lizensiert würden, gab Georg Oeller, Mitglied des Vorstands der Gema an. „Wir fassen elf Tarife zu zwei zusammen und orientieren die Tarife daher ab Januar ausschließlich an der Größe der Veranstaltung und den damit eingenommenen Eintrittsgeldern“, erklärte Oeller. Im Ergebnis sollen kleinere Veranstaltungen entlastet und Großveranstaltungen belastet werden.

„Das ist echt etwas Positives. Bis jetzt musste ich immer einen bestimmten Satz für eine Veranstaltung entrichtet, egal ob drei oder 300 Besucher hier waren. Das hat die Gema nicht interessiert. Durch die Änderung spare ich jetzt etwa Dreiviertel der Kosten“, freut sich Jürgen „Pöngse“ Krutzsch über die Neuerung. Allerdings habe er bislang bei Veranstaltungen oft draufzahlen müssen, weshalb er nicht wisse, ob die Regelung ihn jetzt noch retten könne oder doch zu spät komme. „Sollte ich irgendwann mein Lokal schließen müssen, ist die Gema zum großen Teil Schuld daran“, erklärt Krutzsch.

Lorenz Schmidt, Bezirksdirektor bei der Gema, erläutert das neue Tarifsystem anhand einiger Beispiele: „Handelt es sich um eine Tanzveranstaltung mit Livemusik in einem 300 Quadratmeter großem Saal unterstellen wir 100 Personen pro Quadratmeter. Bei einem Eintrittspreis von drei Euro würde ein Umsatz von 900 Euro erreicht. Bislang wären dafür Gebühren in Höhe von 192,80 Euro fällig. Nach dem neuen Tarif berechnen wir zehn Prozent des Umsatzes, was einen Betrag von 90 Euro ausmacht.“ Für eine Galaveranstaltung in einem 1500 Quadratmeter großem Ballsaal mit einem Eintrittspreis von 60 Euro würden aus den bisherigen 1470,70 Euro Gebühren in Höhe von 9000 Euro werden.

Schmid machte klar, dass die neuen Tarife nur Veranstaltungen mit Musik, nicht jedoch für Konzerte gelten. Für Eigenkompositionen von Künstlern, die nicht bei der Gema gemeldet sind, würden auch weiterhin keine Gebühren anfallen. Zudem würden bei Festen, deren Eintrittspreis Essen einschließe, zwei Drittel der Summe abgezogen und nur der Restbetrag für die Gebührenberechnung gezählt.

„Wir wissen noch nicht, wie sich der Markt mit den neuen Tarifen entwickeln wird“, gib Oeller zu. Das sehen auch der Werdohler Schützenverein und die Versetaler Schützen so. „Wir müssen jetzt abwarten und am Ende des jahres 2013 gucken, was die neue Tarifstruktur für uns bedeutet“, meint Andreas Schreiber vom WSV. Dann werde der Verein entscheiden, was sich noch lohne, oder worauf vielleicht verzichtet werden müsse.

„Die Kosten durch die Gema, das ist schon ein ganz schöner Brocken, der da immer auf uns zukommt. Da muss schon einiges verzehrt werden, um die Kosten herauszubekommen. Wir müssen einfach abwarten, aber rechnen müssen wir schon jetzt“, so Jürgen Wehlus von den Versetaler Schützen. ▪ jape

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