Wort- und Textfragmente eingearbeitet im Bild

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Die Werdohler Künstlerin Annette Kögel mit einem ihrer jüngsten Bilder, das die Einladungen für das offene Atelier schmückt.

WERDOHL -  Annette Kögels kreatives Paradies liegt im Souterrain ihres Hauses an der Neuenrader Straße. Dort malt sie ihre vornehmlich abstrakten Bilder, empfängt die Teilnehmer ihrer Kunstkurse und begrüßt einmal im Jahr Kunstfreunde bei den offenen Ateliertagen. Derzeit pausiert Annette Kögels schöpferischer Impuls aufgrund eines familiären Ereignisses. Doch die Künstlerin ist sicher, dass sie schon bald wieder malen wird.

Jene Bilder, die im Frühjahr nach einem Kursus in der Europäischen Kunstakademie in Trier entstanden, sind vielversprechend. Die Künstlerin kombiniert geometrisch streng definierte Formen, vor allem Kreise und Rechtecke, mit Farbflächen und -spuren, die ausfransen, über das Bild fließen und sich an manchen Stellen sichtbar überlagern. Rot ist der dominierende Farbeindruck in jenem Bild, das auch die Einladung zu den offenen Ateliertagen schmückt.

Vor allem in Braun und Blau sind drei Bilder aus diesem Jahr gestaltet, die sich auch als Triptychon hervorragend kombinieren lassen – so, als wären sie für diesen Dreiklang konzipiert worden. Merkwürdige Zeichen findet der Betrachter neben angeschnittenen Kreisen und Rechtecken in diesen Bildern. In ihren jüngeren Gemälden verrätsele sie diese Zeichen immer mehr, verrät Annette Kögel.

Und tatsächlich: Wer sich umschaut, findet fast in allen ihren Werken Buchstaben, Wort- und Textfragmente. Ein Sonett von Shakespeare bildete schon den Ausgangspunkt ihrer Diplomarbeit am Institut für Ausbildung in bildender Kunst und Kunsttherapie (IBKK) in Bochum. Buchstaben passen auch auf kleine Quadrate, die immer wieder neu zu einem größeren Ganzen zusammengestellt werden können. Ein extremes Hochformat aus räumlich fest definierten Elementen kann in seine Einzelteile zerlegt und neu montiert werden.

Annette Kögel setzt dabei immer wieder auf Brauntöne: Oxidierendes Eisen symbolisiert für sie Alterungsprozesse. Nur selten sind ihre Bilder nicht abstrakt – so wie eine prächtige großformatige Ratte, die die Künstlerin für die Familie malte. „Realistisch“ kann sie eben auch.

Einen eigenen Reiz haben Zeichnungen, die die Werdohler Künstlerin in den 80er Jahren als Betriebswirtin bei Vossloh für den firmeneigenen Katalog zeichnete. Sie zeigen technische Geräte mit jener kleinen künstlerischen Verfremdung, die Lampen und ihre Fassungen, Sicherungen und Schaltkästen reizvoll macht. Davon übriggeblieben sind „technische“ Zeichnungen, die auch in späteren Gemälden immer mal wieder auftauchten.

Doch trotz dieser Ausflüge in realistische Malweisen galt für Annette Kögel zumeist: „Die freie Schiene hat mich interessiert.“ Dafür studierte sie an der IBKK, und dafür besuchte sie vor der Entstehung der jüngsten Werke die europäische Kunstakademie in Trier. Die Rückmeldungen von dort seien wichtig für sie, erklärt die Künstlerin und freut sich über die neuen Impulse, die sie von den Profis aus Trier mitbringen konnte. Das neueste Projekt zur Weitergabe dieser Anregungen ist die Kunstwerkstatt im neuen alten Werdohler Bahnhof, die im Juni eröffnet wurde.

Auch in diesem Jahr lädt Annette Kögel zu zwei offenen Ateliertagen ein. Am Samstag, 30. November, 11 bis 18 Uhr, und Sonntag , 1. Dezember, 11 bis 20 Uhr, begrüßt sie die Gäste in ihrem Atelier an der Neuenrader Straße 7. Die Künstlerin zeigt ihren Besuchern dann neue Arbeiten in Acryl, die Iserlohner Goldschmiedin Dagmar Müller zeigt ihren Schmuck, und das „trio d’accord“ spielt „Wohnzimmermusik“.

Von Thomas Krumm

Weitere Informationen zur Künstlerin Annette Kögel gibt es im Internet unter www.annettekoegel.de

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