Mit der Annington reden

Wolfgang Ewald setzt sich im Regionalrat für die Mieter der Annington ein.

WERDOHL ▪ Spontaner Erfolg für die Bemühungen des Regionalrates der Bezirksregierung für die Werdohler Mieter der Deutschen Annington: Das Vorverkaufsrecht von vier Wochen könnte verlängert werden. Wolfgang Ewald, Vorsitzender des Strukturausschusses des Regionalrates, setzt Werdohl jetzt auf die Tagesordnung des Gremiums.

Von Volker Heyn

Über das Bestreben der Deutschen Annington, ihren kompletten Bestand von 570 Wohnungen in Werdohl zu verkaufen, war vergangenen Freitag allein in unserer Zeitung berichtet worden. Die Mehrfamilienhäuser sind zunächst den Mietern zum Kauf angeboten worden.

„Kalt erwischt“ wurde auch Bürgermeister Griebsch von dieser Nachricht. Die Annington hat den Großteil ihrer Wohnungen auf der Königsburg. „Ich befürchte, dass wir dort bald Probleme bekommen. Ich betrachte den geplanten Verkauf mit großer Sorge.“ Griebsch sagte, dass sich die Annington am vor einiger Zeit entwickelten städtischen „Handlungskonzept Wohnen“ nicht beteiligt habe. Der Bürgermeister erkennt „kein Interesse bei der Annington, sich hier in Werdohl zu engagieren“. Griebsch will am Montag den Rat in nicht öffentlicher Sitzung informieren, hat aber auch nicht mehr Informationen dazu als die aus unserer Zeitung. Die Stadt habe keine Handhabe bei privatrechtlichen Angelegenheiten.

Die Veröffentlichung vergangenen Freitag löste aber auch an höherer Stelle Besorgnis aus. Wolfgang Ewald, Baufachbereichsleiter beim Märkischen Kreis und im Ehrenamt SPD-Fraktionsvorsitzender im Regionalrat, nahm sofort Kontakt zur Annington auf. Ewald und die sachkundige Bürgerin im Regionalrat, die Lüdenscheider Rechtsanwältin Katja Kirmizikan, stellten gestern gegenüber unserer Redaktion ihr Interesse an der Sache dar.

Der Regionalrat beschäftige sich mit Fragen der Raumplanung, dem Städtebauförderpgrogramm, Strukturfragen und der demografischen Entwicklung. Wenn in einer Stadt wie Werdohl ein Mietunternehmen seinen kompletten Bestand abstoßen wolle, habe das großen Einfluss auf die städtische Entwicklung. Schrumpfende Regionen und der Wohnungsmarkt sei ein Schwerpunktthema des Regionalrates, der sich damit am 13. Dezember in Freudenberg beschäftigen werde.

Ewald und Kirmizikan haben Angst vor so genannten Schrottimmobilien – Wohnungsbestände, die unter vielen Eigentümern aufgesplittert brach liegen und eine Belastung für die Kommune darstellen. Ein negatives Beispiel sei der Nettenscheid in Altena. Ewald sieht es als Aufgabe regionaler Strukturplanung an, so früh wie möglich auf den Wohnungsmarkt einzuwirken, um das Entstehen von „Schrottimmobilien“ zu verhindern. Ewald: „Es gibt gewisse Anzeichen, die in die Richtung deuten, dass es schief läuft.“ Erstes Ziel sei es, mit der Annington ins Gespräch zu kommen..

Ganz konkret empfiehlt er den Mietern der Annington, sich zu organisieren und einen Sprecher zu bestimmen. Die Mieter sollten sich an den Gutachterausschuss des Kreises wenden, um ein Wertgutachten für die zum Verkauf stehenden Mehrfamilienhäuser zu bekommen. Vier Wochen Vorkaufsrecht sei eine viel zu kurze Zeit, um sich verantwortlich zu einem Immobilienkauf zu entscheiden. Ewald: „Die Mieter werden unnötig in einen Entscheidungsdruck gebracht.“ Ewald hat zur Untermauerung bei der NRW-Bank die Strukturdaten für Werdohl abgefragt. Alle vorhandenen Daten müssten im Sinne der Mieter zusammengetragen werden, Ewald: „Wir bieten das an.“

Wer in dieser Sache mit dem Regionalrat Kontakt aufnehmen möchte, sollte sich an die SV-Redaktion wenden. Wir leiten die Anfrage an die Juristin Katja Kirmizikan weiter.

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