Erstmals so hohe Dividende

Wohnungsgesellschaft schüttet halbe Million Euro aus

In den vergangenen Jahren hat die Wohnungsgesellschaft jährlich rund eine Million Euro Gewinn gemacht und so gut wie alles in den Bestand investiert, wie hier in die Sanierung der Häuser an der Meilerstraße. Erstmals in der Geschichte der Woge schüttete die Gesellschaft eine halbe Million Euro an die Gesellschafter aus.
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In den vergangenen Jahren hat die Wohnungsgesellschaft jährlich rund eine Million Euro Gewinn gemacht und so gut wie alles in den Bestand investiert, wie hier in die Sanierung der Häuser an der Meilerstraße. Erstmals in der Geschichte der Woge schüttete die Gesellschaft eine halbe Million Euro an die Gesellschafter aus.

Die Wohnungsgesellschaft Werdohl hat erstmals in ihrer Geschichte eine große Dividende festgelegt und in diesem Jahr 500 000 Euro an die Gesellschafter ausgezahlt.

Gemäß ihrer Anteile an der Woge GmbH hat die Stadt Werdohl 200 000 Euro, die Stadt Neuenrade 50 000 Euro und die privaten Gesellschafter zusammen 250 000 Euro bekommen. Ans Licht kam diese bemerkenswerte Ausschüttung lediglich, weil der Neuenrader Kämmerer Gerhard Schumacher seinem Rat eine entsprechende Mitteilung gemacht hatte. Die Politik hatte geflissentlich geschwiegen.

Woge-Geschäftsführer Ingo Wöste verwies darauf, dass er als Geschäftsführer nicht befugt gewesen sei, von sich aus auf diese Einmaligkeit hinzuweisen. Im Presse-Gespräch über den Woge-Jahresbericht 2019 war von dieser großen Ausschüttung nicht mit einem Wort die Rede gewesen. Erst auf Nachfrage der Redaktion Ende Februar blieb Wöste keine Antwort auf die Fragen nach der Dividende schuldig.

Bislang nur eine Art Pflicht-Dividende

Der Woge-Aufsichtsrat hatte in den vergangenen Jahren nur eine Art Pflicht-Dividende an die Gesellschafter ausgeschüttet: Insgesamt mickrige 21 450 Euro pro Jahr für beide Städte und die privaten Anteilseigner.

Um die Auszahlung von 500 000 Euro zu erklären, ging Wöste weit in die Geschichte der Wohnungsgesellschaften zurück. Bis zum Jahre 1990 war auch die Werdohler Woge eine gemeinnützige GmbH. Diese Form war so gewählt, damit die Gesellschaften keine Steuern zahlen mussten. Diese gemeinnützigen Gesellschaften überall im Land arbeiteten nicht gewinnorientiert, sondern investierten alle Erträge komplett in den eigenen Bestand. Zweck der gGmbH war es damals, „breiten Schichten der Bevölkerung“ Wohnraum anzubieten. Die Baugesellschaften wurden als Teil staatlicher Daseinsvorsorge verstanden. Um eine Steuergerechtigkeit zu erlangen, wurden 1990 alle Wohnungsgesellschaften privatisiert. Aufwendungen wurden gegen Einnahmen verrechnet, jetzt konnten auch Gewinne erzielt werden.

Kommunales Selbstverständnis

Während große Wohnungsgesellschaften attraktiv an private Anleger verkauft wurden – die damit überaus prächtige Gewinne erzielten – blieben Gesellschaften wie die Woge dem kommunalen Selbstverständnis treu. Gewinne wurden weiterhin nahezu komplett in den Bestand investiert.

Die Steuergesetzgebung sah allerdings vor, von einem Euro 45 Cent Steuern zahlen zu müssen. Diese riesigen Summen machten den Investoren Sorgen, sie vereinbarten mit dem Gesetzgeber die Zahlung einer Abgeltungssteuer von nur 3 Prozent. Auf diese Weise kauften sich rein gewinnorientierte Unternehmen wie große Fondsgesellschaften und private Investoren frei.

Es gilt das Prinzip der Vorsicht

Für die kleineren Gesellschaften wie die Woge kam das nicht in Betracht, weil sie bis heute keine Steuern zahlen. In der Handelsbilanz, so erklärt es Ingo Wöste, werde das Prinzip der Vorsicht angewandt. Das eigene Anlagevermögen wird hier geringer bewertet. Zur Steuerbilanz entstehe eine so genannte „Klaffung“ – mit dem Ergebnis, dass de facto kommunale Gesellschaften wie die Woge weiterhin keine Steuern abführen müssen.

Erstmals 2019 wollten Werdohl und Neuenrade sowie die Industrieunternehmen Geld sehen. Verständlich aus Sicht der Gesellschafter, schließlich erwirtschaftet die Woge kontinuierlich etwa eine Million Euro pro Jahr. Es sei allein Sache des Aufsichtsrates, über die Ausschüttung von Dividende zu entscheiden, darauf weist Wöste hin. Die kommunalen Gesellschafter Werdohl und Neuenrade werden durch Politiker im Aufsichtsrat vertreten. Die andere Hälfte repräsentiert die heimische Unternehmerschaft. Die Deutung ist richtig, dass die Räte beider Städte Geld aus der Woge in ihre eigenen Haushalte stecken. Die 2021er-Haushalte von Neuenrade und Werdohl sind durch die Woge mitfinanziert.

Geschäftsführer trägt Aufsichtsratsentscheidung mit

Geschäftsführer Wöste akzeptiert diese einmalige Ausschüttung der Hälfte des Gewinns: „Ich trage die Entscheidung des Aufsichtsrates mit.“ Das Unternehmen habe eine Eigenkapitaldeckung von fast 60 Prozent und könne das Auskehren von 500 000 Euro vertragen. Kaufmann Wöste mahnt aber die Politik vor Begehrlichkeit: „Wenn das Geld ausgeschüttet wird, kann es nicht mehr investiert werden.“ Wöste findet Verständnis für den Aufsichtsrat, dass er eine Lösung zwischen praktisch null Euro wie früher und einer kompletten Gewinnauszahlung gefunden habe: „Die 500 000 Euro sind schon eine Summe, die den Gesellschaftern Spaß macht.“

Der Aufsichtsrat wird in wenigen Monaten darüber entscheiden, ob und wie viel aus der Bilanz 2020 ausgeschüttet wird. Dass die Woge wieder Gewinn gemacht hat, steht schon fest.

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