Steuerliche Vorteile

Wohnungsgesellschaft im MK lagert Geschäfte teilweise aus: Mieter müssen mehr zahlen

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Die Wohnungsgesellschaft Werdohl/Neuenrade lässt derzeit Funkrauchwarnmelder in den 1450 Wohnungen in beiden Städten installieren. Dies soll jedoch nur der Anfang sein.

Die Wohnungsgesellschaft Werdohl/Neuenrade (Woge) hat mit der Abrechnungsservice (AS) Lennetal GmbH eine Tochtergesellschaft gegründet. Dahinter stecken steuerliche Gründe, aber auch Überlegungen über zukünftige Technologien und Fragen, die die Bewirtschaftung der rund 1450 Woge-Wohnungen betreffen.

Werdohl – Die Woge selbst darf nur Vermietungsgeschäfte abwickeln, will sie nicht einen Steuervorteil verlieren, der nach Angaben ihres Geschäftsführers Ingo Wöste beträchtlich ist. Für Unternehmen wie die Woge gilt nämlich eine Begünstigungsvorschrift im Gewerbesteuergesetz, die sogenannte „erweiterte Gewerbesteuerkürzung für Grundstücksunternehmen“. Wird nun aber ein solches begünstigtes Unternehmen in anderen Bereichen als der Wohnungswirtschaft tätig, verliert es die Gewerbesteuerbefreiung und sämtliche Einkünfte, auch die aus der Vermietung der Wohnungen, werden steuerpflichtig. 

„Das Finanzamt achtet sehr auf solche steuerschädlichen Geschäfte“, erklärt Geschäftsführer Wöste, warum sich die Woge nun zur Gründung einer Tochtergesellschaft entschlossen hat, in die eben solche steuerschädlichen Geschäfte ausgegliedert werden können. Dazu gehört zum Beispiel auch die Erstellung von Abrechnungen über den Wasser- und Heizkostenverbrauch der Mieter. Bisher hat die Woge dies von einem externen Unternehmen erledigen lassen, zukünftig soll das die Tochtergesellschaft AS Lennetal übernehmen. 

Erstellung der Nebenkostenabrechnung nur ein Anfang

Damit soll deren Zweck aber noch lange nicht erfüllt sein, vielmehr ist diese Erstellung der Nebenkostenabrechnung nur ein Anfang. „Die Digitalisierung macht auch vor der Gebäudebewirtschaftung nicht halt“, ist Wöste überzeugt. Die Woge-Tochter soll zum Beispiel für die Muttergesellschaft auch Installations- und Wartungsleistungen übernehmen. Und gerade auf diesem Gebiet wartet in den nächsten Monaten jede Menge Arbeit, denn es gilt, die Regelungen der EU-Energieeffizienzrichtlinie zur Fernablesung, zur Verbrauchserfassung und zur Verbrauchsinformation umzusetzen. Darin ist vorgeschrieben, dass Zähler und Heizkostenverteiler fernablesbar sein müssen, wenn dies technisch machbar und kosteneffizient ist. 

Die Gründung der Abrechnungsservice Lennetal GmbH hat der Aufsichtsrat der Woge – hier Geschäftsführer Ingo Wöste, Bürgermeisterin Silvia Voßloh (CDU) und Aufsichtsratschef Daniel Wingen – bereits im Juli beschlossen. Mittlerweile hat die Tochtergesellschaft der Woge ihre Arbeit aufgenommen.

Danach müssen Vermieter ihren Mietern zwei Mal im Jahr Abrechnungs- und Verbrauchsinformationen bereitstellen. Für die Woge soll sowohl die Installation dieser Zähler als auch die regelmäßige Bereitstellung der entsprechenden Informationen die AS Lennetal übernehmen. Die Frist dafür kann sie zwar nicht ganz einhalten, weil sie schon am 25. Oktober abläuft, aber Anfang 2021 soll mit der Installation der fernablesbaren Heizkostenzähler und -verteiler begonnen werden. 

Woge-Tochter installiert Funkrauchwarnmelder

Bereits jetzt installiert die Woge-Tochter Funkrauchwarnmelder in den 1450 Wohnungen. Die neuen Modelle ermöglichen eine Fernwartung und -inspektion. „Damit können wir die gesetzlich vorgeschriebene Betriebsbereitschaft der Geräte garantieren“, sagt Wöste. Und im Oktober soll die AS Lennetal mit der Installation von Wasserzählern beginnen, die ebenfalls über Funk abgelesen werden und die Verbrauchswerte jährlich mehrmals zu definierten Stichtagen übermitteln können. 

Die Woge habe ihre 215 Häuser, die vorwiegend in Werdohl, aber auch in Neuenrade stehen, bereits mit der zum Betrieb dieser fernablesbaren Zähler notwendigen Technik ausstatten lassen, sagte Wöste. Das sei eine Investition in die Zukunft und ein wichtiger Schritt gewesen, „die digitale Hoheit über die Häuser zu behalten“. Für die Zukunft rechnet der Woge-Geschäftsführer nämlich damit, dass immer mehr Anbieter von neuen Technologien versuchen werden, ihre Leistungen – und damit ihre Leitungen – in die Häuser und Wohnungen der Menschen zu bringen. Dem wolle die Woge zuvorkommen. Wöste: „Wenn wir jetzt nicht beginnen, werden wir das nicht in der Hand behalten.“ Und in der Hand behalten kann die Woge dieses Geschehen nach Wöstes Überzeugung nur, wenn sie es über ihre Tochtergesellschaft gewissermaßen selbst bestimmt. 

Das ändert sich für die Mieter

Was bedeutet das alles für die Mieter der Woge? Zunächst einmal werden sie sich darauf einstellen können, dass deutlich seltener jemand bei ihnen auftaucht, um Wasser- oder Heizkostenzähler abzulesen oder nachzusehen, ob der Rauchmelder noch richtig funktioniert. All das können die Mitarbeiter der AS Lennetal demnächst über Datenleitungen von ihrem Büro aus erledigen, das wie auch die Woge im Werdohler Bahnhof zu finden sein wird. Allerdings werden für Mieter auch die Kosten steigen. Wie viel Geld mehr die Woge ihnen in Zukunft in Rechnung stellen muss, kann Wöste noch nicht genau sagen. Nur so viel: „Es wird für die Mieter teurer, aber wir werden immer noch günstiger sein als die Konkurrenz.“ Denn dass die Wohnungen mit fernablesbaren Geräten ausgestattet werden müssen, sei nun einmal gesetzlich vorgeschrieben. Folglich werde es auch Unternehmen geben, die damit Geschäfte machen wollen. „Wir wollen für das alles aber einen effizienten und kostengünstigen, aber keinen billigen Weg finden“, versicherte der Woge-Geschäftsführer, der übrigens auch gleichzeitig der Geschäftsführer der AS Lennetal ist. 

Das Knowhow, das die AS Lennetal jetzt in den Woge-Wohnungen aufbaut, soll sie übrigens auf lange Sicht nicht nur der Woge, sondern auch anderen Vermietern in der Region zur Verfügung stellen. Damit soll die Woge-Tochter nicht zuletzt auch ihre eigene Wirtschaftlichkeit sichern.

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