E-Mobilität für Werdohler Mieter nicht möglich

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Der Umstieg auf E-Autos geschieht nur zögerlich. Das liegt nicht nur an den hohen Anschaffungspreisen, sondern auch an den Lademöglichkeiten. Für Mieter stellt sich die Frage: Wo lade ich die Batterie auf? Stadtwerke-Chef Frank Schlutow und Klima-Managerin Farima Tehranchi (links) haben zumindest für ein Pilotprojekt eine Lösung gefunden.

Werdohl - Wer in Zukunft elektrisch unterwegs sein will, hat noch einige Hürden zu überwinden. Die Anschaffungspreise für E-Autos sind trotz staatlicher Zuschüsse noch happig, die Reichweiten hingegen begrenzt. Eine Frage dürfte darüber hinaus vor allem Mieter beschäftigen: Wo lade ich auf?

Für Eigenheimbesitzer ist die Sache mit der Tankstelle vergleichsweise schnell gelöst. Ein Ladepunkt in der heimischen Garage oder im Carport ist die Schnittstelle zwischen dem Ladekabelstecker des Elektroautos und dem Stromnetz. Die dafür installierte Wallbox wird in der Regel wie ein Elektroherd an eine Stark- beziehungsweise Dreiphasenwechselstrom-Leitung (400 V) mit 16 oder 32 Ampere angeschlossen. Ist der Ladepunkt vom Fachmann eingerichtet, kann das Tanken beginnen.

Beim Wohnen zur Miete gestaltet sich der Vorgang deutlich schwieriger – egal ob auf dem Land oder in der Stadt. Ein E-Auto ergibt im Zusammenhang mit einer Mietwohnung jedenfalls nur dann Sinn, wenn der Besitzer einen gesicherten Zugang zu einer brauchbaren Steckdose hat, über die sein Verbrauch abgerechnet werden kann. Eine solche „Komfortzone“ ist bislang in Werdohl nicht vorhanden – eine Nachfrage gibt es ebenfalls nicht.

Wöste: „Das fängt schon damit an, dass die meisten Mieter keinen festen Stellplatz für ihr Auto haben.“

Ingo Wöste, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Werdohl, sieht im Moment kein konkretes Verlangen aus dem Kreis der Mieter. Mit 1326 Wohneinheiten ist die Woge der größte Wohnungsanbieter in Werdohl. „Wir setzen hier gerade die Digitalisierung um, das Thema interessiert unsere Mieter sehr viel mehr“, sagt Wöste. Für die E-Motorisierung fehlt es seiner Ansicht nach an Infrastruktur und Anreizen. Kein Mieter habe außerhalb seiner Wohnung eine Steckdose, mit der er ein E-Auto aufladen könne.

Auch die knapp 300 Garagen und Stellplätze könnten die Infrastruktur für E-Mobilität nicht liefern. Wöste: „Das fängt schon damit an, dass die meisten Mieter keinen festen Stellplatz für ihr Auto haben.“

Wöste hatte ein Modellprojekt in Hamburg besichtigt, in dem zu jedem Tiefgaragenstellplatz eine Wallbox gehört. Solche hochpreisigen Angebote seien für die Werdohler Mieterschaft aktuell sicher nicht denkbar. Sollte doch das Interesse aufkeimen, dann könne eine Lösung nur im Zusammenspiel mit dem Netzbetreiber Enervie beziehungsweise den Werdohler Stadtwerken erfolgen.

„Ob unsere Häuser aus den 1950er-Jahren überhaupt ein ausreichend leistungsfähiges Stromnetz haben, müsste geprüft werden.“

Bei einer größeren Zahl von Stromabnehmern müsse die Infrastruktur entsprechend vorbereitet und ausgebaut werden. „Ob unsere Häuser aus den 1950er-Jahren überhaupt ein ausreichend leistungsfähiges Stromnetz haben, müsste geprüft werden“, so Wöste. Denkbar seien Mieterstrommodelle mit dezentraler Versorgung über Fotovoltaik auf dem Dach. Wöste meint aber, dass politisch keine dezentrale elektrische Versorgung gewünscht sei. Auch steuerliche Rahmenbedingungen seien nicht geklärt.

Als Pilotprojekt sei E-Autostrom für Mieter eventuell in einem Haus denkbar. Zudem müsse geklärt werden, wer in die Anlage investiere. „Flächendeckend kann ich mir das aktuell nicht vorstellen“, so Wöste.

Denn die vorhandene Installation birgt unkalkulierbare Risiken. Ein vollständiger Ladevorgang über eine normale Haushaltssteckdose dauert rund zehn Stunden. Aber das ist noch das geringste Problem. Nach Angaben von Experten sind Schuko-Stecker nicht darauf ausgelegt, über längere Zeit hohe Leistungen zu übertragen. Sicherungen könnten reihenweise rausfliegen.

Mit dieser Problematik stehen Mieter nicht alleine: Auch Eigentümer dürfen in Gemeinschaftsanlagen nicht auf eigene Faust handeln. Sie sind von der Zustimmung der Miteigentümer abhängig. Das Verlegen von Stromkabeln oder die Installation einer Wallbox, zum Beispiel in der Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses oder im gemeinsamen Garagenhof einer Reihenhaussiedlung, bedarf der Zustimmung der Eigentümergemeinschaft. Die vorhandene Netzinfrastruktur ist ebenfalls von entscheidender Bedeutung bei der Umrüstung auf E-Mobilität.

Öffentliche Ladestationen bieten sich als Alternative nur bedingt an. Sie sind in der Regel zu weit weg und wer möchte schon seinen teuren Wagen über Nacht irgendwo auf einem dunklen Parkplatz abstellen? Außerdem gibt es bislang noch keine einzige öffentliche Stromtankstelle auf Werdohler Stadtgebiet.

Bald sollen zwei öffentliche Stromsäulen in Werdohl aufgebaut werden

Immerhin sollen zwei Säulen in den nächsten Wochen eingerichtet werden: Eine auf dem Goethe-Parkplatz an der Lenne, eine vor dem Werdohler Rathaus. Betreiber sind die Werdohler Stadtwerke. Eigentlich sollten diese beiden öffentlichen Werdohler Stromsäulen schon im vergangenen Jahr aufgebaut worden sein.

Gerade einmal 25 Ladesäulen hat der regionale Energieversorger Enervie über sein gesamtes Netzgebiet verteilt, keine davon ist in Werdohl. „Wir sind dabei, die Infrastruktur zügig auszubauen“, sagte Enervie-Sprecher Andreas Köster. Ab dem Frühjahr 2019 könne man dem Privatkunden möglicherweise eine Paketlösung von der Netzprüfung über die Wallbox bis zur Installation anbieten.

Die Stadtwerke Werdohl sind da schon weiter, sie bieten den Werdohlern Beratung in Sachen Fotovoltaik-Anlagen an. „Vor einem Jahr haben wir eine Aktion gestartet, die mit der Beratung der Kunden beginnt und bis zur Installation durch den heimischen Fachhändler reicht. In dieser Zeit haben wir bereits fünf Anlagen in Werdohl vermittelt“, berichtet Frank Schlutow.

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