Anwohner in Angst

Wohnstraße im MK wird abends zur Rennstrecke

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Stefan Klinkenberg (Mitte) mit Sohn Lukas (6) und Schwiegervater Klaus-Dieter Schmidt auf der Dammstraße in Werdohl. Fast täglich benutzen Autofahrer die Straße für Beschleunigungsfahrten.

Werdohl – Wenn es dunkel wird über Werdohl, wird die Dammstraße zur Rennstrecke. „Jeden Abend um zehn oder halb elf geht es los“, berichtet Katja Klinkenberg, die mit ihrer Familie eines der Häuser an dieser langen, geraden Straße entlang der Lenne bewohnt.

Glaubt man ihr und ihrem Mann Stefan, so haben die Klinkenbergs schon so einiges unternommen, damit sich an der für sie unerträglichen Situation etwas ändert. „Wahrscheinlich muss erst etwas passieren, bevor etwas passiert“, sagt Stefan Klinkenberg. In seinen Worten klingt Resignation mit. 

Von der Stadtverwaltung fühlen sich die Klinkenbergs im Stich gelassen. Die Eheleute, die seit zwei Jahren mit Sohn Lukas (6) an der Dammstraße wohnen, denken zurück an einen Tag im Oktober 2019, als die Raserei vor ihrer Haustür wieder einmal besonders schlimm war. „Wir sind spontan ins Rathaus gegangen und haben unser Problem im Vorzimmer der Bürgermeisterin angesprochen. Die Mitarbeiterin hat uns versprochen, dass man sich bei uns melden werde“, erzählt Stefan Klinkenberg. Tatsächlich habe sich Bürgermeisterin Silvia Voßloh (CDU) bei ihnen gemeldet – allerdings erst im Januar. 

Alternierendes Parken als Option

Immerhin habe sich die Bürgermeisterin offen gezeigt für die Anregungen der Anwohner. Die hatten vorgeschlagen, auf der Dammstraße das sogenannte alternierende Parken zuzulassen. Dabei parken die Fahrzeuge versetzt mal am rechten, mal am linken Fahrbahnrand, sodass keine durchgehend breite Fahrbahn mehr zum schnellen Fahren einlädt. Das sei schon früher auf der Dammstraße so praktiziert worden, bis die Stadt dort ein einseitiges absolutes Halteverbot eingeführt habe, erzählt Stefan Klinkenberg. 

Die Bürgermeisterin habe aber zugesagt, diese Form des parkens zumindest einmal wieder ausprobieren zu wollen. Dazu sollten die Halteverbotsschilder provisorisch abgedeckt werden. Geschehen sei in dieser Sache aber seit Januar nichts, bedauern die Klinkenbergs. Nur die Autofahrer, die mit ihren Boliden die Dammstraße zum „Drag Strip“, zur Rennstrecke für Beschleunigungsfahrten, machen, kommen regelmäßig. Immerhin bestätigte Werdohls Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel auf Nachfrage der Redaktion, dass ihr die Problematik bekannt sei. Ordnungsamt und Polizei hätten vor Ort kontrolliert und Messungen durchgeführt. „Eine Probephase mit Aufhebung des Halteverbotes steht bevor. Sie wird im Zusammenhang mit einer Geschwindigkeitsmessung erfolgen.“, kündigte Mentzel an. 

Auf der Dammstraße gilt Tempo 30

Die Klinkenbergs können es kaum erwarten, dass endlich etwas unternommen wird. „Jetzt im Sommer, bei schönem Wetter, fahren die hier an den Wochenenden auch tagsüber“, haben sie sogar eine Zunahme der Raserei festgestellt. Klaus-Dieter Schmidtke, ebenfalls Anwohner der Dammstraße, bestätigt das. An das vorgeschriebene Tempo 30 halte sich kaum jemand, beklagt er. Allerdings, sagte Schmidtke auch, sei das Schild, das an der Einmündung Dammstraße/Schützenstraße auf das Tempolimit hinweist, auch unglücklich angebracht. „Das übersieht man leicht, genau wie die im Kreuzungsbereich aufgemalte 30“, sagt Schmidtke. 

Inzwischen hat Stefan Klinkenberg sich an den SPD-Bürgermeisterkandidaten Andreas Späinghaus gewandt. Der hat sich die Situation vor Ort zusammen mit dem Werdohler SPD-Vorsitzenden Udo Böhme angeschaut. Neben dem alternierenden Parken, dessen testweise Einführung die beiden Politiker im Rathaus noch einmal anregen wollen, hatten Böhme und Späinghaus noch einen anderen Vorschlag. Damit Fahrer ihre Autos auf der langen, geraden Strecke erst gar nicht auf hohe Geschwindigkeiten beschleunigen können, könnten Schwellen auf die Fahrbahn aufgeschraubt werden. Diesen Vorschlag finden die Klinkenbersg ideal. Ordnungsamtsleiterin Mentzel ist da zurückhaltender. Bevor weitere Überlegungen angestellt oder bauliche Maßnahmen ergriffen werden, solle erst einmal das Ergebnis der Probephase und weiterer Messungen abgewartet werden, erklärte sie. 

Die Polizei "ist machtlos"

Auch an die Polizei haben sich die Klinkenbergs schon gewandt. „Aber die ist machtlos“, sagt Stefan Klinkenberg. Das Problem ist offensichtlich: Weil die Werdohler Polizeiwache seit Mai 2019 nachts zwischen 22 und 6 Uhr nicht mehr besetzt ist, braucht ein Streifenwagen meistens zu lange, um die Dammstraße zu erreichen, wenn dort wieder gerast wird. Mit Videos, die die Anwohner aufgenommen haben, um das Verkehrsgeschehen zu dokumentieren, können die Beamten nichts anfangen. Sie taugen nicht dazu, die Fahrer der zu schnellen Autos zu ermitteln. 

Dass die Straße unmittelbar vor ihrer Haustür für Autorennen missbraucht wird und dass damit die Kinder und andere Anwohner der Dammstraße gefährdet werden, nervt die Klinkenbergs schon gewaltig. Sie berichten aber noch von anderen Auswüchsen. So werde der Wohnmobilstellplatz an der Dammstraße von einigen Autofahrern dazu benutzt, mit den Reifen ihrer Fahrzeuge „Donuts“ zu drehen. Durch bewusstes Übersteuern lassen sie das Heck ihres Autos ausbrechen, wodurch dann kreisförmige Spuren auf dem Untergrund im Schotter zurückbleiben. 

Wohnmobil-Besitzer verlassen den Stellplatz

Weil der Stellplatz an der Dammstraße nicht asphaltiert, sondern geschottert ist, seien dabei schon Steine gegen parkende Wohnmobile geschleudert worden, berichten die Klinkenbergs. Die Besitzer der Wohnmobile hätten den Platz daraufhin verärgert verlassen. Auch dieser Vorfall soll der Stadtverwaltung bekannt sein.

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