Weil CO2-Steuer kommt

Deshalb will die Woge verstärkt in ihre Immobilien investieren

In Pungelscheid hat die Woge im Jahr 2019 bereits in wärmedämmende Fassaden investiert. Geschäftsführer Ingo Wöste (rechts) und Prokurist Markus Zanger (links) sehen aber für die nächsten Jahre noch weiteren Investitionsbedarf.
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In Pungelscheid hat die Woge in diesem Jahr bereits in wärmedämmende Fassaden investiert. Geschäftsführer Ingo Wöste (rechts) und Prokurist Markus Zanger (links) sehen aber für die nächsten Jahre noch weiteren Investitionsbedarf.

Die Wohnungsgesellschaft Werdohl (Woge) will in den nächsten Jahren alle ihre noch nicht wärmegedämmten Häuser energetisch modernisieren. Das hat Geschäftsführer Ingo Wöste angekündigt, der dabei die Einführung der sogenannten CO2-Steuer im Blick hat.

Werdohl - Die Woge unterhält in Werdohl und Neuenrade rund 200 Häuser mit gut 1400 Mietwohnungen. Etliche hat sie in den vergangenen Jahren schon mit wärmedämmenden neuen Fassaden oder modernen Heizungsanlagen ausgestattet und dabei oft sechs- bis siebenstellige Beträge investiert. Von den rund 2,3 Millionen Euro, die die Woge allein 2019 in ihren Bestand investiert hat, waren rund 1,15 Millionen Euro sogenannte aktivierbare Modernisierungen, also Maßnahmen, die über die reine Instandhaltung der Immobilien hinausgehen und deshalb in der Bilanz auf der Aktivseite dem Anlagevermögen zuzubuchen sind.

Das wird aus dem Jahresabschluss für das Jahr 2019 ersichtlich, den Geschäftsführer Wöste jetzt vorgestellt hat. Investiert hat die Woge demzufolge im vergangenen Jahr unter anderem in die energetische Modernisierung ihrer Häuser an der Iserschmittstraße und an der Meilerstraße in Pungelscheid.

Die Finanzlage der Woge lässt es zu, dass sie den eingeschlagenen Weg der Modernisiserung ihres Bestands nicht nur weitergeht, sondern auch das Tempo verschärft. Nicht zuletzt durch die Investitionen des vergangenen Jahres ist das Anlagevermögen der Gesellschaft erneut größer geworden. Vor allem ist aber ihr bilanzielles Eigenkapital um fast vier Prozent auf rund 19 Millionen Euro gewachsen. „Das ist sehr untypisch für eine teilkommunale Wohnungsgesellschaft“, betont Wöste.

Kohlendioxidausstoß senken

Ihre Finanzkraft will die Woge nun in ihren Immobilienbestand investieren, wovon letztlich, das versichert Wöste, auch die Mieter profitieren sollen. Das Stichwort lautet „CO2-Steuer“. Dabei handelt es sich um eine Steuer auf die Emission von Kohlendioxid. Ab 2021 wird sie als Aufschlag auf die Preise für Benzin, Diesel, Heizöl und Gas erhoben. Damit will die Bundesregierung ihre CO2-Reduzierungsziele erreichen und die Energiewende finanzieren.

Wir planen, in den nächsten sieben Jahren alle Häuser energetisch zu modernisieren.

Ingo Wöste, Woge-Geschäftsführer

Bemessungsgrundlage einer CO2-Bepreisung sind die Kohlendioxid-Emissionen, die bei der Verbrennung fossiler Energieträger wie Gas oder Öl entstehen. Ingo Wöste hat errechnet, wie hoch der jährliche Kohlendioxidausstoß der Woge-Gebäude ist und ist für das Jahr 2019 auf 2621 Tonnen gekommen. Nach Regierungsplänen soll der CO2-Preis ab 2021 zunächst 25 Euro pro Tonne betragen und dann schrittweise bis 2026 auf 55 bis 65 Euro pro Tonne steigen. Für die Woge würde das bei unveränderter CO2-Ausstoßmenge Mehrkosten von rund 65 000 Euro im Jahr 2021 bis rund 170 000 Euro ab 2026 bedeuten. Zur Hälfte darf sie diese Kosten auf die Mieter umlegen.

Mietnebenkosten eindämmen

Weil das die Mietnebenkosten in die Höhe treiben würde, will die Woge gerade noch rechtzeitig gegensteuern. „Wir planen, in den nächsten sieben Jahren alle Häuser energetisch zu modernisieren“, kündigte Geschäftsführer Wöste deshalb an. Konkrekt bedeutet das vor allem: Die Immobilien werden wärmedämmende Fassaden und zum Teil auch neue Heizungen erhalten. Die wenigen noch vorhandenen Ölheizungen beispielsweise sollen durch Gaswärmepumpen ersetzt werden, die kostenfreie Umweltwärme für die Gebäudebeheizung nutzen. Durch dieses Maßnahmenbündel soll der CO2-Ausstoß der Woge-Immobilien kurz- bis mittelfristig reduziert und damit die finanzielle Belastung gesenkt werden.

Mehr bedarfsgerechte Wohnungen

Investieren will die Woge nach Wöstes Worten aber auch in die Wohnungen selbst. „Der Schwerpunkt liegt auf Bestandsinvestitionen mit Grundrissänderungen und Komplettsanierungen“, sagte er. Das bedeutet: Die Woge will ihre Wohnungen stärker dem Bedarf der Mieter anpassen und beispielsweise größere Badezimmer anbieten. Dazu könnten auch kleine Wohnungen zu größeren Einheiten zusammengelegt werden. Ein Problem wäre das wohl nicht, weil ausreichend Wohnungen vorhanden sind; die Leerstandsquote liegt nach einem leichten Anstieg in den vergangenen drei Jahren nun bei 4,5 Prozent.

Wöste hält es für wichtig, die Attraktivität der Woge-Wohnungen zu steigern. Für die nahe Zukunft rechnet er mit einem „gnadenlosen Wettbewerb um die Mieter“, weil Werdohls Einwohnerzahl weiter abnehmen werde. Wöste verweist dabei auf verschiedene Studien, die für Werdohl einen Rückgang von 2000 Menschen in den nächsten zehn Jahren voraussagen.

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