Woge verbaut Styropor anstelle Steinwolle

Mit hohem finanziellem Aufwand saniert die Wohnungsgesellschaft hier an der Feldstraße Bestandshäuser. Die Außendämmung besteht aus Polystyrol, dem sogenannten Styropor. Kritiker halten den Dämmstoff wegen seiner schnellen Entflammbarkeit für gefährlich. Die Woge weist darauf hin, sämtliche Bestimmungen einzuhalten. - Foto: Heyn

WERDOHL - „Ich bin froh und dankbar, dass sich Bürger Gedanken machen über das, was wir tun“, so geht Woge-Chef Ingo Wöste mit der Kritik um, die der Werdohler Stephan Sensenschmidt gegenüber dem von der Wohnungsgesellschaft eingesetzten Dämmstoff Polystyrol anführt. Polystyrol ist ein ölhaltiger Kunststoff, besser bekannt unter dem Namen Styropor.

Stephan Sensenschmidt ist FDP-Mitglied und sachkundiger Bürger im Rat, in dieser Eigenschaft will er aber die Kritik am Baustoff nicht verstanden wissen. Er ist Ingenieur und weil er sich privat schon einmal mit der Hausdämmung befasst habe, sei ihm eben aufgefallen, dass die Wohnungsgesellschaft gerade an der Feldstraße Styropor in großem Maße verbaut. In den USA sei Styropor als Dämmstoff im Hausbau wegen der raschen Entflammbarkeit verboten, so Sensenschmidt. Seriösen TV-Beiträgen habe er entnommen, dass einmal in Brand geratene Häuser kaum noch zu löschen seien. Sensenschmidt: „Wohlwollend kann man sagen: Es ist ein sehr problematischer Stoff.“ Er habe Kontakt zu Mietern, die sich Sorgen machten. Bei den Häusern an der Feldstraße müssten auch so genannte Brandriegel eingebaut werden, die habe er nicht gesehen.

Problematisch sei auch die Be- und Entlüftung der Fassade, wenn sie mit Styropor gedämmt sei. Der Putz darauf müsse mit Chemikalien versehen werden, damit das Polystyrol nicht schimmelt und die Fassade grün werde. Hersteller gäben darauf nur eine Gewährleistung von fünf Jahren, danach verändere sich die Fassade. Zudem sei die spätere Entsorgung des mit Chemie belasteten Putzes nicht geklärt. Stephan Sensenschmidt steigert sich bei seinem Besuch in der Redaktion in seine Kritik: „Ich war geschockt, als ich sah, was hier den Mietern zugemutet wird.“

Ingo Wöste, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft, hat auf alle Kritik von Sensenschmidt eine Antwort. Ja, Styropor sei leicht entflammbar, aber in Deutschland nach wie vor als Dämmstoff zugelassen, wenn strenge Brandschutzvorkehrungen eingehalten würden. So verwende die Woge bei der Dämmung der Kellergeschossdecke kein Styropor, sondern nicht brennbare Steinwolle. Selbstverständlich würde dem Brandschutz bei der Sanierung vollständig Rechnung getragen, so Wöste. Natürlich würden Brandriegel eingebaut.

Für die Fassadendämmung verbaue die Woge seit etwa zwei Jahren Polystyrol. Wöste: „Wir haben uns von der Steinwolle verabschiedet, weil sie teurer ist.“ Die Woge fühle sich verpflichtet, den Mietpreis niedrig zu halten, das Unternehmen müsse die Wirtschaftlichkeit für die Mieter im Blick behalten.

Die Woge verbaut mineralischen Dickputz

Um ökologischen Aspekten gerecht zu werden, komme auf das Styropor allerdings kein hochgiftiger Dünnputz, wie von Sensenschmidt befürchtet, sondern ein dicker mineralischer Putz. Wöste: „Der Dünnputz mit Fungiziden darin ist eine Riesensauerei.“ Etwa sechs Liter „Lebenstod“ würden pro Einfamilienhaus durch Regen ins Grundwasser ausgespült. „Wir bauen deshalb grundsätzlichen alkalischen Putz ein, der schimmelt nicht und ist nicht belastet.“ Veralgte Fassaden könne sich die Woge nicht leisten: „Schimmel an den Wänden wollen wir nicht, weder innen noch außen.“ Deshalb würden auch in den Innenräumen lösungsmittelfreie Farben auf mineralischer Basis verwendet. Das sei zwar teurer, sei aber besser für das Raumklima in den Wohnungen.

Auch über das Thema Entflammbarkeit von Styropor ist der Woge-Chef bestens informiert. Der dicke Putz halte eine von Brandschutzauflagen vorbestimmte Zeit das Feuer vom Styropor ab, für den ohnehin eher unwahrscheinlich Fall, dass ein Gebäude von außen entflammt wird. „Bevor die Fassade brennt ist genug Zeit für die Bewohner, das Haus zu verlassen.“

Von Volker Heyn

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