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Woge kämpft um Fördermittel und mit Lieferproblemen

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Von: Volker Griese

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Bei vier Häusern an der Breslauer Straße lässt die Woge die Dächer öffnen, um Balkone anbauen zu können. So soll mehr Licht in die Dachgeschosswohnungen fallen.
Bei vier Häusern an der Breslauer Straße lässt die Woge die Dächer öffnen, um Balkone anbauen zu können. So soll mehr Licht in die Dachgeschosswohnungen fallen. © Volker Griese

Mit rund drei Monaten Verspätung hat die Wohnungsgesellschaft Werdohl-Neuenrade (Woge) die Sanierungsarbeiten in acht ihrer insgesamt rund 200 Häuser in Angriff genommen. Eine vorübergehende Streichung der Fördermittel hatte für die Verzögerung gesorgt. Die Woge hat bei den Investitionen in ihren Bestand aber auch noch mit anderen Problemen zu kämpfen.

Werdohl ‒ „Solche Gespräche habe ich früher nie geführt“, berichtet Woge-Bauleiter Markus Zanger von Verhandlungen mit Handwerkern und Lieferanten, in denen immer wieder von Lieferschwierigkeiten die Rede ist. Die Verlässlichkeit früherer Jahre sei dahin, berichtet Zanger. So seien beispielsweise für die Sanierung von vier Sechs-Familien-Häusern an der Breslauer Straße in Ütterlingsen trotz Zusage die bestellten Dachziegel nicht mehr lieferbar gewesen. Um die Arbeiten überhaupt durchführen zu können, habe die Woge auf ein alternatives Modell umschwenken müssen. Und die eigentlich für dieses Jahr fest zugesagte Lieferung einer Luft-Wärmepumpe für einen Wohnkomplex in Pungelscheid sei kurzerhand auf das nächste Jahr verschoben worden.

Irgendwie stand die 3,2-Millionen-Euro-Investition der Woge in diesem Jahr von vornherein unter keinem guten Stern. Kurz vor Weihnachten war Woge-Geschäftsführer Ingo Wöste noch sehr zuversichtlich gewesen, die Sanierungsarbeiten in acht Mehrfamilienhäusern problemlos durchführen zu können. Finanzieren wollte die Woge die Projekte zu 49 Prozent aus eigenen Mitteln und zu 51 Prozent aus einem mit Tilgungszuschuss geförderten Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Berge von Bauschutt liegen in den Wohnungen, als Woge-Geschäftsführer Ingo Wöste (links) und Woge-Bauleiter Markus Zanger (rechts) auf der Baustelle an der Breslauer Straße vorbeischauen.
Berge von Bauschutt liegen in den Wohnungen, als Woge-Geschäftsführer Ingo Wöste (links) und Woge-Bauleiter Markus Zanger (rechts) auf der Baustelle an der Breslauer Straße vorbeischauen. © Volker Griese

Dann allerdings hatte die KfW in Rücksprache mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) Ende Januar mit sofortiger Wirkung vorläufig gestoppt. Weil die zur Verfügung stehenden Mittel bereits ausgeschöpft waren, drohte auch der Woge der Verlust der fest einkalkulierten Fördermittel. Drei Wöchen später dann die erneute Kehrtwende: Für die Sanierung von Altbeständen sollte es doch Fördermittel geben – die Woge konnte ihre Pläne also umsetzen.

Diese Hängepartie, aber auch die allgemeine Situation in der Baubranche hat nicht nur Zeit gekostet, sondern auch etwas Geld. Bauleiter Zanger spricht davon, dass auch die Woge mit steigenden Preisen zu kämpfen habe. Unterm Strich aber, das kann man seiner Darstellung entnehmen, wird die Woge wohl mit einem blauen Auge davonkommen. Für Woge-Chef Wöste hätte es sowieso keine Alternative gegeben. Er vergleicht die Woge gerne mit einem großen Tanker, der seinen Kurs nicht kurzfristig ändern könne.

Wohnungen „nicht mehr marktfähig“

Außerdem hält Wöste die Sanierung der Wohnungen auch für unumgänglich. Sie seien in ihrer bisherigen Form „nicht mehr marktfähig“ gewesen, betont er. Bei der Ortsbesichtigung in den 1952 errichteten Häusern an der Breslauer Straße spricht er von „gefangenen Räumen“, also solchen Zimmern, die keinen direkten Zugang zu einem Flur hatten und nur durch andere Räume zugänglich waren. Das lässt die Woge durch eine aufwendige Veränderung der Wohnungsgrundrisse gerade ändern. Große Bauschuttberge in den Wohnungen zeugen davon, dass so manche Wand angerissen worden ist.

Die Dachgeschosswohnungen an der Breslauer Straße erhalten außerdem – wie auch die darunter liegenden Wohnungen – Balkone. Dafür hat der Zimmermann in den vergangenen Tagen die Dächer geöffnet. Durch diesen Umbau werden die Mieter zukünftig nicht nur einen etwa sechs Quadratmeter großen Austritt ins Freie haben, es wird auch deutlich mehr Licht in die Wohnungen fallen. Gleichzeitig werden die Wärmedämmung verbessert und Fenster mit Dreifach-Verglasung eingebaut. Woge-Chef Wöste ist sicher, dass Mietern solche Dinge heute wichtig sind. Ganz nebenbei werden die Wohnungen im Dachgeschoss durch den Umbau auch etwa acht Quadratmeter größer, weil im Bereich der Balkondurchbrüche die Dachschrägen entfallen. Allerdings werde die Miete dort auch geringfügig auf 6,20 Euro pro Quadratmeter angehoben, kündigte Wöste an.

Politik soll sich etwas einfallen lassen

Eine weitere Baustelle hat die Woge in Pungelscheid aufgemacht. Der 29 Wohneinheiten umfassende Komplex Pungelscheider Weg 70 und 72 sowie Reidemeisterweg 4 und 6 ist komplett eingerüstet, denn an den 1972 Gebäuden müssen unter anderem die Balkone saniert und die Fassade mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen werden. Außerdem werden 21 Bäder saniert. „Und wir werfen dort unsere letzte Ölheizung ‘raus“, berichtete Woge-Bauleiter Zanger. Geheizt werden sollen die Wohnungen zukünftig mit einer Luft-Wärmepumpe, die zu Spitzenlastzeiten mit einem Gasbrennwertkessel unterstützt wird. Doch die Wärmepumpe wird nun nicht pünktlich geliefert, weshalb Zanger gerade überlegt, einen etwas größer dimensionierten Gas-Kessel einbauen zu lassen, damit die Mieter im nächsten Winter nicht frieren müssen.

116 ihrer rund 200 Häuser hat die Woge seit 2003 auf diese Weise saniert und dabei rund 20 Millionen Euro investiert. Und wie wird Ingo Wöste den Woge-Tanker weitermanövrieren? „Wir würden gerne weiter sanieren“, sagt er, „aber bei dieser Förderkulisse ist es fraglich, ob das möglich ist. Wöste spielt auf gekürzte Fördermittel für Sanierungen im Bestand an. Die Politik müsse sich „etwas einfallen lassen“, denn ohne Förderung sei eine energetische Sanierung des Bestandes nicht finanzierbar.

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