2,2 Millionen Euro für den Klimaschutz

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Das Hochhaus in Ütterlingsen und die benachbarten Wohnungen in den Häusern Breslauer Straße 35 und 37 (rechts) sollen eine neue, umweltfreundlichere Heizung erhalten. Das sollen aber auch die Mieter im Portemonnaie spüren.

Werdohl / Neuenrade – Etwa 2,2 Millionen Euro will die Wohnungsesellschaft Werdohl (Woge) im nächsten Jahr in ihren Immobilienbestand investieren.

Sie setze damit ihren Kurs fort, die Mietshäuser vor allem energetisch auf den neuesten Stand zu bringen, aber auch optisch herauszuputzen, sagte Geschäftsführer Ingo Wöste bei der Vorstellung des Investitionsprogramms für 2021. Und: Investiert wird diesmal nicht nur in Werdohl. 

Seit 15 Jahren unterzieht die Woge die 200 älteren Häuser ihres 250 Immobilien umfassenden Bestandes kontinuierlich einer Verjüngungskur. Dabei beschränkten sich die Arbeiten keineswegs nur auf kosmetische Korrekturen, betont Geschäftfsführer Wöste. Vielmehr sei Werdohls größtem Vermieter sehr daran gelegen, auch die Bausubstanz zu verbessern. Ein besonderer Schwerpunkt liege dabei seit einigen Jahren auf der energetischen Ertüchtigung der Häuser, die vielfach in den 1960er-Jahren errichtet worden sind. 

Und diesen Weg will die Woge nach Worten ihres Geschäftsführers sogar mit verschärftem Tempo weitergehen. „Wir werden in den nächsten drei Jahren noch einmal volle Pulle investieren“, kündigte Wöste an. Hintergrund sei die ab 2021 geltende CO2-Steuer. Dabei handelt es sich um eine Steuer auf die Emission von Kohlendioxid. Ziel der CO2-Abgabe ist es, die aus diesen Emissionen resultierenden Auswirkungen – wie die globale Erwärmung oder die Versauerung der Meere – mithilfe eines durch die Kohlenstoffsteuer erhöhten Energiepreises zu verringern. 

Die Bundesregierung will damit die im Pariser Klima-Abkommen vereinbarten Ziele zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes erreichen. Wöste sieht die Woge als gemeinnützige, von den Städten Werdohl und Neuenrade sowie Unternehmen getragenene Gesellschaft in der Verantwortung, einen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele zu leisten. „Und das sieht auch der Aufsichtsrat so“, betonte er. 

Die Einführung der Kohlenstoffabgabe bedeutet aber auch, dass für die Mieter der Woge die Heizkosten steigen, denn Heizöl wird durch die CO2-Abgabe in einem ersten Schritt ab 1. Januar 2021 um 7,9 Cent pro Liter teurer, für Erdgas werden pro Kilowattstunde 0,6 Cent mehr fällig. 

Doch die Woge will mit ihrem als „Qualitätsoffensive“ betitelten Investitionsprogramm gegensteuern. Alte Ölheizungen werden ersetzt, vor allem erhalten aber weitere Gebäude eine Wärmedämmung. Investiert werden sollen im nächsten Jahr insbesondere in Ütterlingsen, aber auch in Neuenrade. 

In Ütterlingsen will die Woge für rund 240 000 Euro die mittlerweile 26 Jahre alte Ölheizung, die die Häuser Ütterlingser Straße 38 und 40 sowie Breslauer Straße 35 und 37 versorgt, gegen eine Heizung mit Gaswärmepumpe austauschen. Das ist gerade besonders günstig, weil das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle solche Umstellungen von fossilen Brennstoffen auf Wärmepumpen mit 35 Prozent der Investitionskosten fördert.

 Die Woge erhält also etwa 85 000 Euro als Zuschuss, muss folglich selbst nur rund 160 000 Euro bezahlen. Für die Mieter der 57 Wohnungen bedeutet das, dass die Woge weniger CO2-Steuer auf die Heizkosten umlegen muss. Dennoch wird ihre Miete aufgrund der Heizungsmodernisierung etwas steigen: Um 15 Cent, aber auf maximal 5,20 Euro pro Quadratmeter, verspricht die Woge. 

Noch größere Investitionen plant die Woge wenige Schritte vom Hochhaus entfernt an einem Teil der Häuser in Ütterlingsen, auf dem Bausenberg und in Neuenrade. Die Häuser Ütterlingser Straße 32 und 34 (sogenannte „Belgier-Häuser“), Albert-Schweitzer-Straße 26 und 28 sowie in Neuenrade Winterlit 2, 4 und 6 sollen für knapp zwei Millionen Euro neue Dämmungen für Fassaden und Dächer, neue Fenster sowie neue Heizungen, Bäder (Albert-Schweitzer-Straße und Ütterlingsen), eine Renovierung der Treppenhäuser (Albert-Schweitzer-Straße und Ütterlingsen) sowie Balkone (Ütterlingsen) erhalten. 

Das Hochhaus und die beiden Häuser an der Breslauer Straße in Ütterlingsen sowie die beiden Häuser an der Albert-Schweitzer-Sraße sollen zudem neue Elektrozählerschränke erhalten. Damit wolle die Woge einem zum Beispiel durch die zunehmende Verbreitung von E-Autos erwarteten höheren Energiebedarf Rechnung tragen, erklärte Wöste. Alte Elektroinstallationen seien dafür nicht ausgelegt. 

Auch diese Modernisierungen werden für die Mieter eine Erhöhung ihrer Wohnungsmieten zur Folge haben, allerdings in einem moderaten Rahmen, wie Ingo Wöste meint. Die Miete soll um rund einen Euro auf dann 5,20 Euro pro Quadratmeter steigen und damit um 60 Cent über dem durchschnittlichen Preis für eine Woge-Wohnung liegen. „Wir hätten die Miete auch um 2 Euro anheben können, was die Amortisationszeit der Investitionen deutlich verkürzt hätte. Wir setzen aber lieber auf die Wohntreue unserer Mieter“, betonte der Woge-Geschäftsführer. 

Mit dem Millionen-Investition im nächsten Jahr sieht Ingo Wöste die Woge aber noch nicht am Ziel ihrer Bemühungen um attraktive Wohnungen in energieeffizienten Häusern. Noch bis 2023 soll in größerem Stil investiert werden, um zumindest einen Teil der CO2-Steuer auffangen zu können. Und auch danach will die Woge noch Geld in ihre Immobilien stecken. „In sieben Jahren wollen wir mit der energetischen Sanierung aller Bestandshäuser fertig sein“, kündigte Wöste an, nahm dabei aber mit den erst in den 1990er-Jahre errichteten Häuser die modernsten Gebäude der Woge aus. 

Und auch in die verbliebenen, noch unsanierten Häuser an der Berliner und an der Leipziger Straße, die zu den ältesten im Bestand gehören, will die Woge nicht mehr im großen Stil investieren. „Das lohnt sich nicht mehr. Zum Schluss kann man die nur noch vom Markt nehmen“, umschrieb Wöste, dass diese schwer vermietbaren Häuser am oberen Ortsrand von Ütterlingsen wohl über kurz oder lang angerissen werden werden sollen.

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