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WK Warenhaus: Investor lässt Verkehr zählen

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Von: Maximilian Birke

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Der einzige Hinweis darauf, was an der Goethestraße am Dienstag passierte, gab zunächst ein laminiertes Schild. Das hatte ein Mitarbeiter der Ingenieurgesellschaft an dem Kamerastativ befestigt.
Der einzige Hinweis darauf, was an der Goethestraße am Dienstag passierte, gab zunächst ein laminiertes Schild. Das hatte ein Mitarbeiter der Ingenieurgesellschaft an dem Kamerastativ befestigt. © Birke, Maximilian

Aufmerksamen Fußgängern, Auto- und Lkw-Fahrern könnte am Dienstag eine Kamera aufgefallen sein, die an der Goethestraße positioniert war.

Auf einem Dreibein-Stativ stand das technische Gerät an der Einmündung zum Grasacker und filmte in Richtung des ehemaligen WK-Warenhauses. Die Hintergründe der Aktion sind kurios.

Denn auf Nachfrage bei der Stadt, beim Landesbetrieb Straßen.NRW und beim Märkischen Kreis, konnte sich am Dienstag zunächst niemand erklären, woher die Kamera kommt und wer warum den Verkehr zählt. Ein Schild an dem Stativ wies lediglich darauf hin: Es würden weder Gesichter von Passanten noch Auto-Kennzeichen aufgezeichnet und dokumentiert. Überdies prangte auf dem Schild der Name des Ingenieurbüros, das die Zählung durchführte. Ein Anruf dort lieferte schließlich auch des Rätsels Lösung.

Im Auftrag eines Investors

Die Ingenieurgesellschaft Brilon, Bondzio und Weiser führe die Verkehrszählung im Auftrag eines Investors durch, erklärte Projektingenieur Johannes Sparte. In den Zeiträumen von 6 bis 10 Uhr und von 15 bis 19 Uhr sollte der Verkehrsfluss jeweils dokumentiert werden. „Die Kamera zeichnet auf. Die Auflösung ist aber so gering, dass Passanten oder Autokennzeichen nicht zu erkennen sind“, betonte Sparte. Das Ingenieurbüro habe von dem Investor den Auftrag erhalten, die Verkehrsbelastung eines Tages zu ermitteln, sowie die höchste Belastung jeweils zu den Stoßzeiten.

Auf einem langen Stativ (zu erkennen rechts im Bild) war die Kamera befestigt.
Auf einem langen Stativ (zu erkennen rechts im Bild) war die Kamera befestigt. © Birke, Maximilian

Die Videodaten der Kamera werden durch einen Mitarbeiter ausgewertet. Dieser führt während der Sichtung des Materials eine Strichliste und schlüsselt so auf, wie viele Verkehrsteilnehmer unterwegs waren: also wie viele Autos, wie viele Lkw, Radfahrer und Fußgänger. Diese Daten fließen später in ein Gutachten, das der Investor nutzen will, um Bauplanungen voranzutreiben. Wie durch einen weiteren Anruf schnell in Erfahrung zu bringen war, handelt es sich bei dem Auftraggeber um das niederländische Unternehmen Ten Brinke. Der Investor hat das leer stehende WK gekauft, möchte das Gebäude abreißen und die Fläche anschließend anderweitig nutzen. Projektleiter Stefan Röttger bestätigte, dass Ten Brinke die Zählung beauftragt habe. „Wir sind an der Stelle aktiv, um die Umgebung aufzunehmen und zu schauen, dass wir mit den Planungen voran kommen.“ Die Arbeiten liefen, nähere Informationen wollte Röttger aber noch nicht preisgeben. Den Parkplatz vor dem Gebäude hat Ten Brinke derzeit vermietet. Dort führt ein Unternehmen Corona-Tests durch.

Ordnungsamt war nicht informiert

Zurück zur Kamera: Die war um 15 Uhr an der Goethestraße an eine weniger prominente Stelle gerückt und filmte vom Parkplatz vor der Telekom-Station aus. Das Ordnungsamt, das im Vorhinein wohl nicht über das Vorhaben in Kenntnis gesetzt worden war, hatte sich scheinbar eingeschaltet. Amtsleiterin Andrea Mentzel teilte auf Nachfrage mit: „Ich habe keine Kenntnis von einer Verkehrszählung. Wir recherchieren derzeit noch die Umstände.“ Nähere Angaben machte Mentzel am Dienstag nicht mehr. So blieb offen, ob die Aktion überhaupt rechtmäßig war und welche Konsequenzen das Ganze eventuell haben könnte.

Das WK Warenhaus hat das Unternehmen Ten Brinke gekauft. Es soll abgerissen werden.
Das WK Warenhaus hat das Unternehmen Ten Brinke gekauft. Es soll abgerissen werden. © Maximilian Birke

Ursula Erkens, Sprecherin des Märkischen Kreises, die in der Sache ebenfalls recherchierte, hatte am Rande mitbekommen, dass wohl eine Ordnungswidrigkeitenanzeige gestellt worden sei.

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