Illegales Spielcasino

Wirt fürchtet nach Polizei-Razzia um seinen guten Ruf

In dem großen Gebäude an der Dammstraße befinden sich neben dem Restaurant Vier Jahreszeiten noch andere Räume. In einem davon hat die Polizei ein illegales Spielcasino entdeckt.
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In dem großen Gebäude an der Dammstraße befinden sich neben dem Restaurant Vier Jahreszeiten noch andere Räume. In einem davon hat die Polizei ein illegales Spielcasino entdeckt.

Nach einer Polizei-Razzia, bei der ein illegales Spiel-Casino entdeckt worden, fürchtet ein Gastronom aus dem Märkischen Kreis um seinen guten Ruf und um seine Konzession.

Werdohl ‒ „Wir nehmen das natürlich zur Kenntnis“, hat Marcel Dilling, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis, die Einlassung von Saša Lavric, das in der Nacht zum 21. Mai an der Dammstraße aufgeflogene illegale Spielcasino sei tatsächlich eine „Selbsthilfegruppe gegen Spielsucht“ gewesen, kommentiert. Mittlerweile hat sich auch Lavrics Bruder zu Wort gemeldet; der betreibt in dem Gebäude das Restaurant Vier Jahreszeiten – und sieht seinen guten Ruf gefährdet.

Die Polizei habe auch die Erklärung von Saša Lavric, er sei von den Ermittlern befragt worden, mit einiger Verwunderung vernommen, erklärte Dilling weiter. Bisher sei der 45-Jährige nämlich noch keineswegs „verantwortlich vernommen“ worden. Das werde aber nun „zeitnah“ erfolgen, sagte der Polizeisprecher am Montag. Eine Bewertung der von Lavric gegenüber der Redaktion geschilderten Hintergründe des nächtlichen Treffens am Pokertisch („In der Selbsthilfegruppe war grundsätzlich nicht erlaubt, um Geld zu spielen.“) könne die Polizei auch deshalb noch gar nicht vornehmen. Das sei letztlich Sache der Staatsanwaltschaft beziehungsweise des Richters.

Neue Informationen darüber, was sich in der Nacht zum 21. Mai in dem Gebäude an der Dammstraße abgespielt hat, wo Polizeibeamte einen Raum mit Poker- und Black-Jack-Tisch sowie mehreren Geldspielgeräten entdeckt haben, gebe es noch nicht, sagte Dilling auf Nachfrage. Die Vernehmungen der insgesamt 29 beteiligten Personen, die bisherigen Erkenntnissen zufolge nicht nur aus Werdohl, sondern auch aus Plettenberg, Lüdenscheid, Balve, Neuenrade und Werl kommen sollen, seien für die Polizei „richtig viel Arbeit“. „Da werden sicherlich mehrere Wochen ins Land gehen, bis wir der Staatsanwaltschaft etwas vorlegen können, auf das sich eine Anklage aufbauen lässt“, prognostizierte Dilling.

Bisher ermittelt die Polizei in erster Linie wegen illegalen Glücksspiels. Darüber hinaus haben die Beteiligten aber auch gegen die Coronaschutzverordnung verstoßen, was aber im Vergleich zu dem anderen Vorwurf auf jeden Fall das „kleinere“ Vergehen sein dürfte – wenn denn der Hausherr Saša  Lavric das Gericht nicht von seiner Version des Geschehens wird überzeugen können.

Mittlerweile hat sich auch Saša Lavrics Bruder Tomislav geäußert. Der betreibt an der Dammstraße in demselben Gebäude, in dem die nächtlichen Poker- und Black-Jack-Runden stattgefunden haben sollen, nämlich das Restaurant Vier Jahreszeiten. Von dem illegalen Spielcasino will er aber nichts gewusst haben. „Das Haus ist groß, hier gibt es nicht nur das Restaurant, sondern auch noch die Schießstände des Werdohler Schützenvereins, eine Wohnung und verschiedene Kellerräume“, erklärte der 39-Jährige. Die ganze Immobilie gehöre seinem älteren Bruder, er sei nur Mieter der Gasträume und habe auch nur für diesen Bereich Schlüssel, versicherte er.

Infolgedessen habe er auch keine Ahnung davon gehabt, was sich da in der besagten Nacht im Keller-Casino abgespielt haben soll. „Ich war an diesem Abend auch überhaupt nicht vor Ort“, betonte er im Gespräch mit der Redaktion mehrfach. Überdies sei er auch weder von der Polizei, noch vom Ordnungsamt befragt worden.

Tomislav Lavric wertet dies als Indiz dafür, dass er nicht zum Kreis der Beschuldigten zählt. Allerdings ist er sich sehr wohl bewusst, dass sein Restaurant durch die Geschehnisse in der Nacht zum 21. Mai in ein schlechtes Licht gerückt worden ist. „Das Dumme ist ja, dass sich mein Restaurant im selben Haus befindet, deshalb fällt das jetzt auch auf mich zurück.“ Deshalb habe er seinen Bruder auch gedrängt, klarzustellen, dass er, Tomislav, mit der ganzen Sache nichts zu tun habe.

Dass dem Gastwirt daran gelegen ist, mit weißer Weste aus der Sache herauszukommen, liegt auf der Hand. Immerhin könnte ihn eine Verwicklung in illegales Glücksspiel seine Konzession kosten.

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