Wirkung der Lkw-Kontrollen ist nur gering

Eine der vielen Kontrollen, die vom Verkehrsdienst auf der L 655 im Jahr durchgeführt werden.

WERDOHL ▪ Die Verkehrssituation auf dem sogenannten Höhenweg (L 655) zwischen Werdohl und Lüdenscheid ist ein Dauerthema in den städtischen Gremien – spätestens seit 1978, als ein mit Stahlmatten beladener Sattelzug nahezu ungebremst in das damalige Möbelgeschäft Jentzsch gerast ist. Seither gab es eine Fülle von Maßnahmen, durch die Lastwagen von der L 655 fern gehalten werden sollten – ohne dass allerdings ein durchschlagender Erfolg verzeichnet werden konnte.

Dieter Bruder (55), Erster Hauptkommissar und Leiter des Verkehrsdienstes in der Kreispolizeibehörde, war vom Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung eingeladen worden, um die Situation insgesamt aus seiner Sicht zu beleuchten und gegebenenfalls Wege aufzuzeigen, wie der Schwerlastverkehr auf dem Höhenweg „ausgebremst“ werden könnte. Sein Fazit – das sei vorweg gesagt – fiel ernüchternd aus. Im Grunde kann es nur bei den gängigen Kontrollen und denkbar geringen Geldbußen bleiben, weil die Rechtssituation keine anderen Möglichkeiten bietet.

Zwar sei der Ausbauzustand der L 655 über die Jahre stetig verbessert und durch die ständige Verkehrsüberwachung der Zahl der Todesopfer (18 seit Ausbau der L 655 zu Beginn der siebziger Jahre) und Verletzten stark reduziert worden, doch die Maßnahmen gegen Lkw-Fahrer scheinen nicht zu greifen. Dabei sei die Beschilderung zwischen der A 45-Ausfahrt in Lüdenscheid-Mitte und Forsthaus eindeutig und werde auf der Strecke neun Mal wiederholt.

Der Erfolg ist gering, zumal der Polizei auch keine ausreichenden Sanktionsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. 20 und bei „Vorsatz“ 30 Euro dürfen kassiert werden – unabhängig ob es sich um einen Normal-Lkw oder Gefahrgut-Fahrzeug handelt. Bei technischen Mängeln sieht der Katalog anders aus, aber auch hier sind die Möglichkeiten begrenzt. Trotzdem werde jedes Fehlverhalten sanktioniert.

Knackpunkt sei das starke Gefälle am Forsthaus; Unfallrisiko sei die Bremskraft. Die Zugmaschine eines 40-Tonners müsste bergwärts 500 und talwärts 2 000 PS unter der Haube haben, um sicher abbremsen zu können. Wenn sichergestellt werde, dass die Lastwagen langsam die Nordhelle runterfahren (etwa durch verstärkte Geschwindigkeitsmessungen), „dann passt die Technik“.

Eine Öffnung der L 655 für den Schwerlastverkehr würde bedeuten, dass dann alle Lkw die Strecke nehmen. Zur Gefährdung würde noch ein Mengenproblem hinzu kommen, so Bruder auf eine Frage des FDP-Ratsherrn Jürgen Neumann. Ein Starenkasten an der Steilstrecke, wie es sich der Bürgermeister vorstellen konnte, sei auch nicht wirkungsvoll, denn nach dem Schengener Abkommen dürfen bei nicht aus Deutschland kommenden Fahrern (und der Anteil ist groß) nur maximal 80 Euro vollstreckt werden.

Alle genannten Beträge, so Bruder, schrecken nicht ab, zumal auch keine Eintragungen in Flensburg möglich seien. Die durch die Abkürzung erzielten Einsparungen an Treibstoff und Zeit seien erheblich. Man habe schon Lastwagen angehalten, in denen sich Straßenkarten befanden, auf denen mögliche Polizeikontrollen markiert waren. Es werde also auf der L 655 bewusst mit dem Risiko gefahren, erwischt zu werden.

Zwar tauche immer wieder der Gedanke auf, Stahlbarrieren auf der L 655 zu errichten (etwa wie am Trog vor der Stadtbrücke), doch auch das ist nicht unproblematisch. Die Lastwagen werden zwar „ausgebremst“ – aber auch doppelstöckige Reisebusse, die auf Grund ihrer Technik solche Strecken nutzen dürfen. Was also letztlich für die Polizei bleibt, ist die Politik der „Nadelstiche“.

Rainer Kanbach

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