Interview mit Bürgermeisterin Silvia Voßloh

„Ich stelle mich 2020 wieder zur Wahl“

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Seit der Kommunalwahl 2014 ist Silvia Voßloh Bürgermeisterin in Werdohl. Bei der nächsten Wahl im Herbst 2020 möchte sie erneut für die CDU kandidieren.

Werdohl - Was hat Werdohl im vergangenen Jahr bewegt und vor welchen Herausforderungen und Neuerungen steht die Stadt an Lenne und Verse 2018: Im großen Interview zum Jahreswechsel mit Markus Wilczek schaut Bürgermeisterin Silvia Voßloh zurück und wagt einen Blick voraus. Dabei verrät die 51-Jährige auch, dass sie bei der nächsten Kommunalwahl im Herbst 2020 wieder als Bürgermeisterkandidatin für die CDU-Ortsunion antreten wird.

Frau Voßloh, das Jahr 2017 ist gerade vorbei. Welche Ereignisse sind Ihnen noch besonders präsent?

Silvia Voßloh:

Besonders im Kopf habe ich noch den Großbrand im Galvanikbetrieb von Gerhardi in Dresel Anfang November und den guten Einsatz unserer Feuerwehr in Zusammenarbeit mit den Einsatzkräften aus den Nachbarkommunen, die gemeinsam noch Schlimmeres verhindert haben. An diesem Tag konnte man wieder einmal sehen, wie wichtig eine gut ausgestattete Wehr ist.

Was ist Ihnen noch in Erinnerung geblieben?

Voßloh:

Ende November haben wir den Haushalt für 2018 verabschiedet und bereits vor Weihnachten die Genehmigung durch die Bezirksregierung Arnsberg erhalten. Unser Ziel, die schwarze Null, ist erreicht. Dennoch müssen wir weiterhin aufpassen, wo und wie wir unser Geld investieren. Dabei profitieren wir aktuell auch von einigen Förderprogrammen wie beispielsweise „Gute Schule 2020“. Diese Gelder in Höhe von 1,5 Millionen Euro ermöglichen es uns in diesem Jahr, flächendeckend in allen Sporthallen im Stadtgebiet Sanierungsmaßnahmen durchführen zu lassen.

2017 sehen Sie also eher als gutes Jahr für Werdohl?

Voßloh:

Ich denke ja. Nach dem guten Jahresabschluss 2016 mit einem Millionenüberschuss wünsche ich mir auch für 2017 wieder einen positiven Abschluss. Dann könnten wir davon sprechen, dass die finanzielle Talsohle durchschritten ist. Ziel müsste es dann in den nächsten Jahren sein, unsere Schulden und die Kassenkredite abzubauen, denn die aktuelle Niedrigzinslage muss nicht dauerhaft anhalten.

Was tut sich in diesem Jahr in Werdohl?

Voßloh:

Mit Andreas Haubrichs haben wir bereits seit Dezember einen Wirtschaftsförderer, der die Kontakte zu unseren Unternehmen weiter ausbauen und Bedürfnisse abklopfen wird. Der Westpark wird 2018 fertiggestellt und damit ein weiterer Wohlfühlort für unsere Bevölkerung geschaffen. Natürlich werden wir uns auch weiterhin sehr intensiv darum bemühen, den Brüninghaus-Platz wieder nutzen zu können. Wir sind in Gesprächen und ich bin zuversichtlich, das Verfahren zu einem positiven Abschluss bringen zu können. Mit den einheitlichen Vordächern und eventuell neuen Sitzbänken und Hochbeeten, die in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund beispielsweise zu Nahrungsinseln für Schmetterlinge werden könnten, wird es weitere Maßnahmen im Innenstadtbereich geben. So wollen wir ein Stück weit mehr Natur ins Zentrum holen.

Große Unternehmen wie Kracht, VDM und Vossloh haben schon oder werden Millionen in ihren Standort in Werdohl investieren. Was bedeutet dies für diese Stadt?

Voßloh:

Diese Unternehmen sehen Werdohl als Zukunft und identifizieren sich mit diesem Standort. Das ist für uns als Stadt natürlich schön, aber besonders auch für die vielen Arbeitskräfte, deren Arbeitsplätze hoffentlich lange erhalten bleiben und die so ihre Zukunft in Ruhe planen können.

Das Enervie-Kraftwerk in Elverlingsen dagegen wird in diesem Jahr aufgegeben. Was passiert dort?

Voßloh:

Die Enervie informiert uns als Verwaltung regelmäßig über die Kraftwerksüberlegungen und -pläne. Für die Öffentlichkeit sind diese Informationen zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht bestimmt.

„Wir wollen die Schulvielfalt in Werdohl möglichst erhalten.“

Was werden wichtige Themen in diesem Jahr sein?

Voßloh:

Wir werden die Planungen für das neue Feuerwehrgerätehaus Stadtmitte am Grasacker und den Hallenbadneubau in Ütterlingsen vorantreiben. Aktuell wird der Brandschutzbedarfsplan neu aufgestellt. Im Frühjahr hoffen wir auf die Genehmigung durch die Bezirksregierung. Läuft alles glatt, könnte Baustart im Sommer 2019 und Fertigstellung des Gebäudes im Laufe des Jahres 2020 sein. Gleiches gilt für das Hallenbad.

Was tut sich in Bezug auf das Gastronomieangebot an den Lenneterrassen?

Voßloh:

Ziel bleibt es, zur nächsten Sommersaison ein Angebot zu machen. Ich habe zuletzt Gespräche mit zwei möglichen Investoren geführt. Mit einem dritten Interessenten treffe ich mich in diesem Monat. Dabei geht es um unterschiedliche Ideen mit verschiedenen Kostenrahmen. Ich hoffe, den Mitgliedern des Umwelt- und Stadtentwicklungsausschusses (Ustea) im März die Ideen präsentieren zu können.

Zuletzt war die Trassenführung des Lenneradwegs ein Streitthema. Wie sehen Sie die Diskussion?

Voßloh:

Durch die topografische Lage unserer Stadt wird es nicht möglich sein, den Radweg ausschließlich entlang der Lenne und durch die Natur zu führen. Zudem ist Werdohl auch geprägt durch Industrie. Diese andere Seite wollen wir durch die Trassenführung ebenfalls zeigen. Was den 3,6 Kilometer langen Abschnitt zwischen Rathaus und Kettling angeht, haben wir vom Rat einen Planungsauftrag für den Trassenverlauf rechtsseitig der Lenne erhalten, den wir weiter verfolgen werden. Zumal uns gegenüber der Landesbetrieb Straßen.NRW noch einmal erklärt hat, dass ein linksseitiger Verlauf in diesem Bereich nicht unterstützt wird, weil eben der Kettling an den Radweg angebunden werden soll, um die Verkehre auf der Bundesstraße 236 zu entflechten.

Der Märkische Kreis hat sich im vergangenen Jahr dazu entschieden, den neuen Förderschulstandort nun doch nicht in Werdohl anzusiedeln, sondern in Altena. Ist der Ärger darüber bei Ihnen verraucht?

Voßloh:

Als ich die Information bekommen habe, war ich sehr verärgert. Zumal wir in Werdohl weitere in Frage kommende Gebäude als nur das der ehemaligen Hauptschule gehabt hätten. Wenn sich beim Kreis die Bedarfe verändern, hätte ich mir gewünscht, dass man vorher noch einmal zu uns als Verwaltung Kontakt aufnimmt, bevor eine Entscheidung getroffen wird.

Wie geht es nun mit der Schullandschaft in Werdohl weiter? Zuletzt wurde über eine Verlegung der Realschule an den Riesei diskutiert?

Voßloh:

Wir wollen die Schulvielfalt möglichst erhalten. Kinder haben unterschiedliche Bedürfnisse, deshalb ist es meiner Meinung nach Wert, um diese Vielfalt zu kämpfen. Zumal die neue Landesregierung bereits erste Veränderungen im Schulbereich vornimmt. Die Verantwortlichen kennen besonders die häufig schwierigen Situationen im ländlichen Bereich genau. Das lässt mich hoffen.

Anders als Kommunen in der Nachbarschaft, hat Werdohl trotz des verschärften Glücksspiel-Staatsvertrags allen Spielhallen eine neue Konzession erteilt. Dabei hat die Stadt die höchste Spielhallendichte im Märkischen Kreis?

Voßloh:

Wir halten uns an Recht und Gesetz. Die Betreiber haben alle Auflagen und Vorgaben, die von uns gemacht worden sind, fristgerecht erfüllt. Wenn die Betriebserlaubnisse 2021 auslaufen, werden wir natürlich neu prüfen.

Bereits ein Jahr zuvor steht die nächste Kommunalwahl an. Werden Sie zum zweiten Mal als Bürgermeisterkandidatin für die CDU antreten?

Voßloh:

Ich habe immer gesagt, dass die Aufgaben als Bürgermeisterin mir viel Freude machen. Ich mache meinen Job gerne. Deshalb werde ich mich 2020 auf jeden Fall wieder zur Wahl stellen. Denn nach zuletzt vielen Wechseln auf dem Bürgermeisterstuhl erachte ich es als wichtig, dass wir Kontinuität auf diesem Posten bekommen. Im Laufe der Zeit ist es dann auch möglich, als Bürgermeisterin immer stärker Akzente zu setzen und dem Amt eine eigene Note zu verleihen.

Was wünschen Sie sich für 2018 für die Werdohler und für sich persönlich?

Voßloh:

Dass es gelingt die Freizeitangebote und die Lebensqualität in Werdohl weiter zu steigern. Was Plätze des Wohlfühlens angeht, hat sich schon viel getan. Das wollen wir ausbauen und fortsetzen. Persönlich hoffe ich auf Gesundheit. Das ist das höchste Gut.

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