So wirbt die Metall- und Elektroindustrie in Werdohl um Nachwuchskräfte

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Wie funktioniert eigentlich eine CNC-Fräse? Antworten auf diese Frage erhielten die Realschüler von Stauff-Azubi Thomas Beckel (links). Er erklärte, wie man die Maschine durch ein Computerprogramm dazu bringt, aus einem Aluminiumblock eine vorgegebene Figur zu fräsen.

Werdohl – Technische Berufe sind schmutzig und körperlich anstrengend, man muss oft in kalter oder heißer Umgebung arbeiten, hat dabei wenig Kontakt zu anderen Menschen. So weit die Vorurteile.

Dass Berufe wie Industriemechaniker, Metallbauer oder Elektroniker aber durchaus attraktiv sein können, versuchen der Märkische Arbeitgeberverband (MAV), die Metall- und Elektroindustrie (M+E) und heimische Arbeitgeber zu vermitteln. 

Ein Mittel, Wissen über technische Berufe zu vermitteln, ist für die M+E-Industrie ein Info-Truck, in dem junge Leute experimentieren und Berufe kennen lernen können. Gestern stand der doppelstöckige Truck auf dem Betriebsgelände der Firma Stauff in Versevörde. Der Spezialist für Hydraulikkomponenten nutzte den Besuch von Neuntklässlern der Albert-Einstein-Gesamtschule und der Realschule, um selbst um Nachwuchskräfte zu werben. Gerd Friese, Fertigungsleiter in der Dreikerei, und Christof Otte, Zerspanungsmechanker und Azubi-Betreuer, führten die Schüler durch wesentliche Teile der Fertigung. 

Hohe Temperaturen und Lärm

Da konnten die Jugendlichen schon einen Eindruck davon bekommen, unter welchen Bedingungen in einem Industriebetrieb gearbeitet wird: Temperaturen von rund 28 Grad und auch Lärm gehören bei Stauff dazu. Insofern wurden die Vorurteile auch ein wenig bestätigt. Friese und Otte versuchten aber auch, den Schülern die positiven Seiten der technischen Berufe zu zeigen. Beispielsweise, dass sie durchaus abwechslungsreich sind und dass man relativ attraktive Verdienstmöglichkeiten hat. 

Stauff-Fertigungsleiter Gerd Friese zeigte Realschülerinnen unter anderem, mit welchen Werkzeugen Industrieroboter bestückt werden können.

„Wir müssen viel tun, um junge Leute für technische Berufe zu begeistern“, räumte Sandra Finster ein. Die Bildungsreferentin des Märkischen Arbeitgeberverbands (MAV) wies darauf hin, dass das Werben um die Fachkräfte von morgen bereits in den Grundschulen beginne. „Die besuchen wir mit unserer Mini-Phänomenta“, nannte sie ein Beispiel, wie schon bei Kindern das Interesse an naturwissenschaftlichen und technischen Phänomenen geweckt werden soll. Außerdem biete der MAV Betriebserkumndungen für Lehrer an. „Denn Lehrer sind oft die ersten, die junge Menschen bei der Wahl ihres Ausbildungsberufes beraten“, erläuterte Finster. 

Mädchen für technische Berufe interessieren

Zudem gelte es, auch Mädchen und junge Frauen für technische Berufe zu interessieren. Die seien an den Werkbänken und Drehmaschinen nach wie vor die große Minderheit. Sandra Finster hat eine Ahnung, woran das liegen könnte. „Junge Frauen unterschätzen sich oft“, glaubt sie, dass vielen von ihnen nicht bewusst ist, dass sie fachlich mit männlichen Kollegen durchaus mithalten könnten. Unter gewissen Umständen sieht sie Frauen sogar im Vorteil: „Sie probieren mehr aus“, glaubt Finster, dass sie auf der Suche nach Problemlösungen andere Wege gehen. 

Ausprobieren konnten die Neuntklässler von Gesamt- und Realschule auch, und zwar im Info-Truck. Die Truck-Begleiter Jana Vygodianska und Rainer Stieglitz luden die Jugendlichen zum Experimentieren und Kennenlernen verschiedener Berufe ein. So konnten die Schüler zum Beispiel in einer virtuellen Autofabrik am Produktionsprozess eines Autos mitwirken, indem sie typische Aufgabenstellungen zu den Tätigkeiten lösten. Ganz nebenbei lernten sie spielerisch und intuitiv Arbeitsplätze und Berufe aus der M+E-Industrie kennen. Die Schüler konnten außerdem Schaltkreise bauen oder bei der Programmierung eines Fahrstuhl-Modells und der Steuerzung einer pneumatischen Anlage Einblicke in die Automatisierungstechnik erhaltern. Stauff-Azubi Thomas Beckel erläuterte darüber hinaus, wie eine CNC-Fräse funktioniert. 

Besuch hat sich gelohnt

Für Sandra Finster hat sich der Besuch mit dem Info-Truck in Werdohl gelohnt. „Ich sehe sehr viele junge Leute, die sich für technische Dinge interessieren“, sagte sie am Rande des Besuchs der Realschüler. Vielleicht entscheiden sich ja einige von ihnen später tatsächlich für eine berufliche Karriere in der industrielle Schlüsselbranche und arbeiten mit an der Entwicklung und Herstellung von Produkten für das moderne Leben.

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