Berufsorientierung an der Gesamtschule

„Wir suchen Persönlichkeiten“: Neuntklässler informieren sich bei Stauff

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Erklärte den AEG-Schülern die Produktionsabläufe: Ausbilder Christof Otte.

Werdohl - Die Neuntklässler der Albert-Einstein-Gesamtschule durften am Donnerstag zum Zweck der Berufsorientierung bei der Firma Stauff hinter die Kulissen schauen. Für Geschäftsführer Jörg Deutz und Personalleiter Niclas von Seidlitz eine willkommene Gelegenheit, mit den potenziellen Nachwuchskräften in Kontakt zu kommen.

Neben den Mitarbeitern der Firma Stauff waren außerdem Marcus Kretschmer, Oberstudienrat des Berufskollegs für Technik in Lüdenscheid (BKT), sowie der Info-Truck des Märkischen Arbeitgeberverbands vor Ort, um sich den Fragen der Schüler zu stellen. Am BKT werden die Azubis an zwei Tagen pro Woche unterrichtet.

Jörg Deutz unterstrich, dass es bei der Veranstaltung nicht darum gehe, die jungen Leute mit Werbematerial der Firma zu überhäufen, sondern dass vielmehr ausführlich und praxisnah über die verschiedenen Ausbildungsberufe informiert werden soll. „Dazwischen ist oft nur ein schmaler Grat.“

Wenn die Schüler klar wissen und sehen, welcher Weg vor ihnen liegt, könnten sie daraus Energie und Motivation ziehen, so der Geschäftsführer. „Spaß an seinem Beruf und am Lernen zu haben ist wichtig“, betonte Deutz, der selbst vor vielen Jahren eine technische Ausbildung machte.

„Es kommt wirklich vor, dass die Schüler denken sie seien in einer Sackgasse angekommen“, berichtete Kretschmer von Erfahrungen aus dem Unterricht am BKT. Genau diesem Gefühl gelte es durch Informationen entgegenzuwirken. „Wir müssen jungen, bodenständigen Menschen im Sauerland Chancen und Perspektiven bieten“, waren sich Kretschmer und Deutz einig.

Die Zusammenkunft nutzten Vertreter des Berufskollegs für Technik und der Firma Stauff, um ihre schon lange bestehende Kooperation mit  einem Vertrag zu festigen. Von links: Azubi Finn Magiera, Niclas von Seidlitz (Personalleiter der Firma Stauff), Marcus Kretschmer (BKT) und Jörg Deutz (Geschäftsführer der Firma Stauff).

Damit die Jungen und Mädchen der AEG einen Eindruck von der Firma Stauff erhalten konnten, gab es neben vielen Informationsständen auch eine Führung durch den Teil der Produktion, in dem zerspant wird. Ausbilder Christof Otte zeigte einer Gruppe von Schülern, die – wie auch alle anderen – mit Masken unterwegs waren, wie aus einer Sechskantstange in der Maschine ein fertiges Teil gemacht wird.

Dies geschieht durch den Abtrag von Material. Das abgetragene Metall wickelt sich zu Spänen, durch die das Verfahren seinen Namen bekommt. Aufgabe des Einrichters einer solchen Maschine sei es, die Werkzeuge auf Grundlage einer größtenteils zweidimensionalen Zeichnung aufzubauen, so Otte.

Die fertigen Teile müssten später geprüft, entfettet (zur Kühlung werden sie mit Öl besprüht) und versandfertig gemacht werden. Für andere Teile dagegen, von denen es Rohlinge gibt, die Stauff weiterverarbeitet, werden Roboter eingesetzt, die die Artikel in die Maschine einlegen, erklärte Christof Otte.

Informationen zum Thema Robotik gab es auch im Info-Truck des Märkischen Arbeitgeberverbands. Otte umriss bei der Führung grob den Ausbildungsablauf, erläuterte, dass die Azubis das erste der dreieinhalb Ausbildungsjahre in einer Lehrwerkstatt verbringen.

„Das erste Jahr beendet Ihr mit der Abschlussprüfung Teil eins, die schon 40 Prozent der Endnote ausmacht“, betonte er, wie wichtig es sei „von Anfang an Gas zu geben“. Auf dem Innenhof hatten Stauff-Mitarbeiter im Vorfeld des Info-Tages einen großen Schrottbagger abgestellt, an dem die Schüler erkennen konnten, wie viele Komponenten aus der Stauff-Produktion an welchen Stellen verbaut werden.

Von ihren bisherigen Erfahrungen berichteten zudem einige der derzeit 35 Stauff-Azubis . Personalleiter Niclas von Seidlitz war nicht nur permanent für die Schüler ansprechbar: Er betonte auch, dass die Firma trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen durch Corona weiter Personal einstelle und bei den Mitarbeitern keine Kompromisse mache.

Robotik war eines der Themen im Info-Truck des Märkischen Arbeitgeberverbands.

Für Azubis führe Stauff keine Bewerbungstests mehr durch, sondern lerne die jungen Leute lieber persönlich kennen – zum Beispiel durch Praktika. „Wir suchen nach Persönlichkeiten“, so von Seidlitz. Über mehrere Tage könne sich kaum jemand verstellen, ergänzte Jörg Deutz.

Trotz des starken Umsatzrückgangs freue er sich auf qualifizierte und motivierte neue Mitarbeiter in seinem Betrieb. Jungen Menschen Informations- und Ausbildungsmöglichkeiten zu bieten sei ein Teil der sozialen Verantwortung. Eltern wolle das Unternehmen ebenso gerne informieren wie die Schüler.

„Sie sind immer noch wichtige Co-Piloten wenn es um die Berufswahl geht“, betonte der Personalleiter.

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