1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Werdohl

„Wir setzen auf Argumente“: Klinik-Chef aus dem MK spricht über Impfpflicht

Erstellt:

Von: Volker Heyn

Kommentare

Das Foto zeigt einen Mitarbeiter der Werdohler Stadtklinik an einem Pflegearbeitswagen.
Das Foto zeigt einen Mitarbeiter der Werdohler Stadtklinik an einem Pflegearbeitswagen. © Stadtklinik

Seit Beginn der Pandemie im März 2020 gelten in den Krankenhäusern ganz besondere Schutzmaßnahmen, um Patienten, Mitarbeitende und Besucher vor Infektionen mit dem Coronavirus zu schützen. Derzeit beschäftigt die voraussichtlich kommende Impfpflicht das Pflegepersonal – und Dr. Thorsten Kehe.

Werdohl – Die Beschäftigten in den Krankenhäusern und Altenheimen gehörten zu den Personengruppen, die schon sehr früh geimpft werden konnten. Jetzt wird die Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitswesen aller Voraussicht nach am 15. März 2022 in Kraft treten, zwei Jahre nach Ausbruch der Pandemie. Fragen zum Thema Impfpflicht und die möglichen Auswirkungen auf die Beschäftigten in den Märkischen Kliniken beantwortete Dr. Thorsten Kehe, Geschäftsführer der Märkischen Gesundheitsholding GmbH & Co KG. Die Fragen stellte Volker Heyn.

Herr Dr. Kehe, wie sehen Sie die bevorstehenden Impfpflicht für Ihre Häuser, in diesem Fall für die Werdohler Stadtklinik?

Impfen ist und bleibt gerade jetzt der Weg aus dieser Pandemie. Überall dort, wo sich viele Bürgerinnen und Bürger impfen lassen, kann sich das Virus weniger leicht verbreiten. Wer geimpft ist, hat einen deutlich höheren Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf und schützt zugleich auch andere besser vor einer Ansteckung. Impfen dient dem Selbstschutz und vor allem der Gemeinschaft. Für uns als Pflegeeinrichtung beziehungsweise als Krankenhaus – aber auch mit Blick auf eine zu erwartende fünfte Welle – ist die Corona-Impfpflicht ein wichtiger Schritt, um den Weg zurück in die Normalität zu ebnen. Auf diese Weise konnten bereits hoch ansteckende Krankheiten, wie Masern, Diphtherie oder Kinderlähmung erfolgreich bekämpft beziehungsweise ausgerottet werden.

Wie viel Prozent Ungeimpfte gibt es derzeit in der Stadtklinik, beziehungsweise wie viele Personen sind das?

Stand heute sind in Deutschland laut RKI 69,8 Prozent der Menschen komplett geimpft; Tendenz steigend. In unseren Einrichtungen haben wir eine Impfquote von über 80 Prozent mit ebenfalls ansteigender Tendenz.

Welcher Extra-Aufwand wird derzeit getrieben, um die Ungeimpften testen zu lassen? Wie lange wird das noch den Ungeimpften angeboten?

Die aktuelle Testverordnung gibt uns hier die Regeln vor: Noch nicht immunisierte Mitarbeiter müssen arbeitstäglich vor Arbeitsbeginn einen Antigen-Schnellest vorlegen, der nicht älter als 24 Stunden alt ist. Auch bereits geimpfte Mitarbeitende müssen zwei Mal pro Woche ein negatives Testergebnis vorlegen. Diese Regeln gelten verbindlich, bis sie entsprechend angepasst werden müssen.

Rechnen Sie mit Kündigungen? Wie könnten diese Lücken im Personal aufgefangen werden?

Die große Mehrheit unserer Kolleginnen und Kollegen ist sich der Notwendigkeit der Impfung bewusst und geht damit sehr verantwortungsvoll um. Das zeigt nicht zuletzt unsere Impfquote. Aber auch wir kämpfen mit Fachkräftemangel. Daher setzen wir weiterhin auf Argumente und niederschwellige Angebote. Wir wünschen es uns sehr, dass uns auch in Zukunft alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten bleiben.

Können Sie die betriebswirtschaftlichen Kosten benennen, die durch die Beschäftigung Ungeimpfter entstehen?

Der Aufwand ist nicht unerheblich, ebenso wie für die Testung ungeimpfter Besucher und Angehörige. Eine exakte Summe können wir derzeit aber noch nicht nennen.

Wäre es nicht auch sinnvoll, alle Beschäftigten im Gesundheitswesen – also auch Angestellte in der Verwaltung – in die Corona-Impfpflicht mit einzubeziehen?

Die Schutzimpfung ist unser effektivstes Mittel im Kampf gegen Corona. Die vergangenen Monate haben jedoch gezeigt, dass die Mehrzahl an Infektionen im privaten Umfeld geschehen. Um Infektionsketten langfristig zu durchbrechen, trägt jeder Einzelne eine Verantwortung. Bundestag und Bundesrat haben am 10. Dezember die einrichtungsbezogene Impfpflicht beschlossen. Aktuell wird geprüft, ob darin nicht automatisch alle Mitarbeiter einbezogen werden. Wir rechnen hierzu in Kürze mit Klarheit und werden dann umgehend dazu informieren.

Auch interessant

Kommentare