Winterdienst wird teuer

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Gerade einmal zehn Monate ist es her, da gab es dieses Bild schon einmal. Mit Lastwagen mussten die Schneemassen von den Straßenrändern abtransportiert werden, damit der Verkehr wieder halbwegs fließen konnte. Gestern wurde erneut damit begonnen. Und auch Gehwege entlang der B 229 wurden auf diese Weise gangbar gemacht. ▪

WERDOHL ▪ Es ist das eingetreten, was eigentlich nach den Aussagen aller aus dem vergangenen Frühjahr überhaupt nicht mehr eintreten sollte: Der Winterdienst auf den Werdohler Straßen steckt zwar nicht fest, aber er ist stark eingeschränkt. Grund dafür ist nicht nur das fehlende Streusalz. In vielen Straßen geht obendrein kaum mehr etwas, weil die Durchfahrt wegen der Schneemassen zu eng und Begegnungsverkehr nicht mehr oder nur schlecht möglich ist.

Seit Montag, so Werdohls Straßenmeister Uwe Bettelhäuser, „fahren wir den Schnee verstärkt ab“, nachdem das in der vergangenen Woche in Einzelfällen auch schon gemacht wurde, doch auch dort müsse nach den jüngsten Niederschlägen wieder von vorne begonnen werden.

Zwei Lastwagen einer Privatfirma aus dem Nordkreis wurden angemietet. Ein Radlader trägt die Schneemassen vom Straßenrand ab und befüllt die Fahrzeuge – den ganzen Tag über. Gelagert wird die „grauweiße Pracht“ auf dem Freigelände in der Solmbecke.

In der Hesmecke, wo die Platznot mit am größten war, ist am Montag begonnen worden. Der Mühlenschlad, Schulweg, Espenhagen, Repkering, die Jahn- und Mittelstraße oder der Bereich Bremfeld – um nur einige Beispiele zu nennen – stehen außerdem auf der Liste. Heute hofft man zudem, noch eine angemietete Fräse zum Einsatz bringen zu können.

Der Winter – das steht schon jetzt fest – kommt die Stadt teuer; vermutlich noch teurer, als der letzte, denn dieser hier steht erst am Anfang. Derzeit muss allein für die Schnee-Abfuhr mit Zusatzkosten von rund 1 000 Euro pro Tag gerechnet werden.

Und auch der Ärger wächst. Nach den schlechten Erfahrungen aus dem vergangenen Winter hatte sich der Bauhof vertraglich eine Salzmenge von 800 Tonnen für den Streudienst gesichert, doch das steht nur auf dem Papier. 250 Tonnen hatte der Bauhof zur Verfügung; die sind verbraucht. Es gibt keine Reserven mehr, räumte Uwe Bettelhäuser ein und fügt hinzu: „170 Tonnen Salz sind momentan noch offen. Mit viel Glück kriegen wir vielleicht 25 Tonnen, nur wann, das weiß keiner.“ Notfalls müsse wieder mit Granulat gestreut werden.

Anrufe beim Salz-Lieferanten könne er sich schenken, so der Straßenmeister, „denn da geht keiner mehr ans Telefon“. Und auch über E-Mail werde nicht mehr reagiert. „Ich bestelle jeden Tag“, aber die Nachricht werde als „nicht bearbeitet“ gekennzeichnet. Vielen Städten geht es so; „wir sind da kein Einzelfall“, so Bettelhäuser, der die Hoffnung aber nicht aufgibt.

Immerhin hat sich der Baubetriebshof neben dem 120 Tonnen fassenden Silo an der Plettenberger Straße eine weitere Lagerungsmöglichkeit erschlossen. „Wir können eine ehemalige Betriebshalle der Firma Menshen am Kalkofen nutzen, freute sich der Straßenmeister. Dort bestehe die Möglichkeit, rund 300 Tonnen Salz zu „bunkern“ – wenn es denn kommt.

Momentan sei man auch darauf angewiesen, dass der Landesbetrieb Straßen NRW mit Streumaterial aushilft. „Aber das tritt nur bei Glatteis in Kraft“. ▪ -ka

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